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Politik

Warum ein Umdenken nötig ist, um den Hunger zu bekämpfen

Ein Gipfeltreffen zum Hunger auf der Welt ist eine löbliche Veranstaltung. Aber die Politik verharrt im Konsumdenken - Stichwort Konjunkturpakete - und verhindert so nachhaltige Lösungen. Helle Jeppesen kommentiert.

Themenbild Kommentar (Quelle: DW)

Um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Hunger und Armut zusammenhängen, muss man nicht lange forschen. 70 Prozent der Menschen, die in extremer Armut leben, leben auf dem Land. Und wenn der Bauer, der eigentlich uns alle ernähren sollte, nicht einmal sich selbst ernähren kann, dann stimmt etwas überhaupt nicht.

Warum die Schlussfolgerung, dass Hunger- und Armutsbekämpfung nur Erfolg haben kann, wenn in ländliche Entwicklung investiert wird, so lange auf sich warten ließ, ist eigentlich unbegreiflich. Mit dem Hungergipfel in Rom will die Welternährungsorganisation FAO zu mehr Investitionen in ländliche Entwicklung anregen.

Im Vorfeld des Gipfels schlug der FAO-Generaldirektor Jaques Diouf einen weltweiten symbolischen Hungerstreik vor - als Zeichen der Solidarität mit der Milliarde Menschen auf der Welt, die unter Hunger leiden. Aber selbst wenn es gelingen würde, ein paar Menschen dazu zu bewegen, 24 Stunden lang zu fasten, würde das wenig bringen. Denn das, was gefragt ist, um Hunger und Armut effektiv zu bekämpfen, ist ein tiefgreifendes, globales Umdenken.

Weniger Konsum, mehr Nachhaltigkeit

Nicht nur Nahrung, sondern auch Umwelt, Klima, Wirtschaft und Finanzen müssen auf Nachhaltigkeit gebaut sein und nicht auf Konsum, wenn wir wirklich etwas zum Besseren verändern wollen. Da kommen die Konjunkturpakete der Industrieländer schon etwas anachronistisch daher, als Überbleibsel einer Konsumphilosophie, die der Club of Rome schon 1972 in seiner Studie "Grenzen des Wachstums" ("Limits to Growth") als überholt bezeichnet hatte.

Auch die neue deutsche Regierung will mit Konsum die Konjunktur anregen. Kaufrausch gegen Krise? Konsum gegen Hunger? Die Rechnung wird nicht aufgehen - weder gegen Nahrungsmittelkrise, noch gegen Finanzkrise oder Klimakatastrophe. Denn egal wie man es dreht und wendet: Konsumieren können nur die, die bezahlen können. Und sie tun es auf Kosten derer, die nichts haben. Deswegen sind heute ausreichende Lebensmittel für eine Milliarde Menschen unerschwinglich - und deswegen gibt es gleichzeitig fast ebenso viele Menschen, die unter Übergewicht leiden.

Sogar wenn sich die Delegationen in Rom solidarisch zeigten und sich einem 24-stündigen Hungerstreik unterzögen, würde das nichts am grundlegenden Verteilungsproblem des Planeten ändern. Es wäre nicht viel besser als das, was der französischen Königin Marie Antoinette zum hungernden Volk eingefallen war: "Ach, die Armen haben kein Brot? Dann sollen sie doch Kuchen essen."

Autorin: Helle Jeppesen
Redaktion: Kay-Alexander Scholz