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Wirtschaft

Warum Diesel billiger als Benzin ist

Anders als etwa in den USA ist Diesel in Deutschland deutlich billiger als Benzin. Der Staat will das so. Denn der Hauptgrund für den niedrigen Preis ist die nachsichtige Besteuerung. Aber warum?

Ein Blick auf die Preisschilder an deutschen Tankstellen zeigt es Jedem: Diesel ist deutlich billiger als Benzin. An einer Bonner Tankstelle kostete heute ein Liter Diesel 1,06 Euro, ein Liter Benzin dagegen 1,29 Euro.

Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Mineralölsteuer. Pro Liter Diesel kassiert der Staat 47 Cent, pro Liter Benzin 65 Cent. "Darauf kommt dann noch die Umsatzsteuer", sagt Jürgen Albrecht vom ADAC, Deutschlands größtem Automobilclub. "In der Summe beträgt die steuerliche Differenz knapp 22 Cent pro Liter".

Der Gesetzgeber begründet den Steuervorteil für Dieselkraftstoff mit dem europäischen Güterverkehr. Lastkraftwagen, aber auch Lokomotiven von Güterzügen, brauchen Diesel. "Der Güterverkehr steht im europäischen Wettbewerb, und andere Länder haben eine ähnliche Steuerdifferenzierung", sagt ADAC-Mann Albrecht.

Um auszugleichen, dass normale Autofahrer von einem Steuervorteil profitieren, der eigentlich nur für den Güterverkehr erfunden wurde, ist die Steuer auf einzelne Kraftfahrzeuge (Kfz-Steuer) für Dieselautos höher als für Benziner. Hinzu kommt, dass Dieselautos produktionsbedingt teurer sind, oft um einige tausend Euro.

Deutschland Tankstelle Benzinpreise

Egal, auf welchem Niveau sich die Spritpreise gerade befinden: Der Diesel ist immer der günstigere Kraftstoff.

Vielfahrer lieben Diesel

Ob es sich finanziell lohnt, einen Diesel zu fahren, hängt also von der Zahl der gefahrenen Kilometer ab. Im Schnitt fahren deutsche PKW pro Jahr etwas über 12.000 Kilometer. Vielfahrer, etwa Firmenwagen im Außendienst oder Taxis, die oft 100.000 Kilometer im Jahr fahren, sparen mit einem Diesel viel Geld. Durchschnitts- und Gelegenheitsfahrer dagegen müssten sich, wenn sie nur auf die Kosten achten, eigentlich für den Benzinantrieb entscheiden.

Die Statistiken der neu zugelassenen Fahrzeuge zeigt allerdings, dass Diesel-PKW zunehmend populär werden. Im Jahr 1999 war jeder fünfte neu zugelassene PKW ein Diesel (22 Prozent), im vergangenen Jahr fast jeder zweite (47 Prozent).

Finanziell ist das wenig sinnvoll, da die Zahl der gefahrenen Kilometer pro Wagen in Deutschland rückläufig ist. Die Gründe sind eher psychologischer Natur, vermutet Jürgen Albrecht vom ADAC: "Die Kraftstoffpreise sind über viele Jahre hinweg immer gestiegen, die fallenden Preise in letzter Zeit sind eine Ausnahme. Das hat den Fokus stark auf den Verbrauch und auf das Tanken gelenkt." Weil Dieselautos pro Kilometer zudem weniger verbrauchen, erscheinen sie vielen Käufern als besonders attraktiv, so Albrecht. "Man tankt weniger, und der einzelne Liter kostet auch weniger."

Ermahnung aus Brüssel

Unter Umweltaspekten ist Diesel allerdings problematisch. So hat die EU-Kommission im Juni ein Verfahren eingeleitet, weil Deutschland die EU-Richtlinie 2008/50/EG über saubere Luft nicht umfassend umgesetzt hat. Insbesondere die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) werden deutlich überschritten. Die EU-Kommission schreibt, "dass der Verkehr, insbesondere Diesel-Kraftfahrtzeuge und Diesel-PKW, die Hauptquellen der NO2-Verschmutzung in Deutschland sind".

Die Bundesregierung verteidigte sich gegenüber der EU mit der Begründung, dass die Grenzwerte im "realen Fahrbetrieb deutlich höher liegen, als mit der kontinuierlichen Verschärfung der Abgasgrenzwerte auf Ebene der Europäischen Union zu erwarten gewesen wäre". Umso unangenehmer ist daher der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Tests, von dem auch Millionen Autos in Deutschland betroffen sein sollen.

Porsche Macan-Fabrik in Leipzig

Des Deutschen 'liebstes Kind" wird mit jeder Generation fetter und schwerer und sein Fahrer wirkt, als sei er Oberförster.

"Ein Volk von Oberförstern"

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) behauptet, die Bundesregierung sei über diese Manipulationen informiert gewesen. Die Steuervorteile für den Dieselkraftstoff sieht Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Umweltorganisation, als weiteren Beleg für eine autofreundliche Politik. "Die Automobilindustrie stellt Diesel als die Technik der Zukunft dar. Diesel gilt als deutsche Spitzentechnologie, da kann kein anderes Land mithalten."

Die Verbreitung großer, geländegängiger Fahrzeuge (SUV) zeige, dass die Werbung auch bei den Kunden Erfolg habe, sagt Resch. "Man könnte meinen, Deutschland sei ein Volk von Oberförstern. Wir steuern auf eine Million neu zugelassene SUV pro Jahr zu."

Resch fordert daher eine Änderung der Besteuerung. Die Kfz-Steuer sollte sich nach der Höhe der Schadstoffemissionen richten, wie es in der Schweiz oder in Skandinavien gemacht wird. Um die Qualität der Luft zu verbessern, sollte es weniger Dieselfahrzeuge auf den Straßen geben. "Es sei denn", fügt Resch hinzu, "der Automobilindustrie gelingt es nachzuweisen, dass die Grenzwerte der Euro-6-Norm auf der Straße auch wirklich eingehalten werden können."