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Elektromobilität

Warum die E-Auto-Kaufprämie kein Erfolg ist

Geld vom Staat beim Kauf eines Elektroautos - vor einem Jahr wurde der "Umweltbonus" eingeführt. Der Erfolg ist eher mau. Warum gelingt Deutschland nicht, was in Norwegen oder China so gut klappt?

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Elektroautos sind weiterhin selten auf deutschen Straßen

Ein Jahr ist es nun her, dass die Bundesregierung einen sogenannten Umweltbonus einführte, um den Kauf von Elektroautos zu fördern. Er sollte helfen, das Ziel zu erreichen, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Es sieht so aus, als würde das wohl nur ein Traum blieben. Im Januar dieses Jahres fuhren von den über 45 Millionen Pkw in Deutschland rund zwei Drittel mit Benzin und knapp ein Drittel mit Diesel. Ein Bruchteil, etwas über 165.000 Fahrzeuge, sind Hybrid-Pkw und nur 34.000 reine Elektroautos.

Das liegt vor allem daran, dass, wer hierzulande über ein E-Auto nachdenkt, trotz Umweltbonus schnell auf eine Reihe von Gegenargumenten stößt. Zum einen ist der Kauf von E-Autos wesentlich teurer als der von konventionellen Fahrzeugen. Die Differenz wird durch den staatlichen Zuschuss nur gemildert, nicht abgedeckt. Zum anderen schreckt die begrenzte Reichweite der Stromer viele Autokäufer ab: Es gibt immer noch zu wenig Ladestationen. Immerhin gibt es eine Absichtserklärung fast aller deutschen Autobauer vom vergangenen Herbst, rund 400 Schnellladestationen entlang von Autobahnen und Schnellstraßen zu bauen.

Fördermittel auf Halde

Dabei war die Regierung bereit, tief in die Tasche zu greifen. Mit 600 Millionen Euro füllte sie den Fördertopf. Bis Januar 2017 wurden rund 11.652 Anträge für reine Elektroautos gestellt und knapp 8.972 für Plug-In Hybride. So sind jetzt immer noch über 560 Millionen Euro im Topf, dessen Deckel bis zum 30. Juni 2019 offen ist. Damit steht der Umweltbonus ganz im Gegensatz zur sogenannten Abwrackprämie, die in Folge der Finanzkrise eingeführt worden war, um den Pkw-Absatz anzukurbeln. Damals wurden jede Woche durchschnittlich 40.000 Anträge eingereicht.

Wer ein Elektroauto fährt, bekommt jedoch noch weitere Vergünstigen. In den ersten fünf Jahren sind sie von der Kfz-Steuer befreit. Zudem können die Kommunen für Elektroautos Busspuren öffnen, Durchfahrtsverbote aufheben und kostenlose Parkplätze einrichten.

Norwegen wird immer elektrischer

Während in Deutschland Elektroautos noch ein seltenes Bild im Straßenverkehr sind, sieht es in Norwegen bereits ganz anders aus. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat das Land weltweit den größten Anteil an Elektroautos. Von den rund 2,5 Millionen Pkw fahren rund 110.000 nur mit Strom, das sind etwa vier Prozent. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland nur 0,07 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten fast ein Drittel der neu zugelassenen Autos in dem skandinavischen Land einen Elektroantrieb.

Warum klappt aber klappt in Norwegen das, wovon die Deutschen weiter träumen? Zum großen Teil liegt das daran, dass es in Norwegen schlichtweg billiger ist, ein E-Auto zu fahren. Konventionelle Autos sind in der Regel meist 50 bis 100 Prozent teurer als in Deutschland. Wer aber elektrisch fährt, muss nicht die Mehrwertsteuer von 25 Prozent zahlen - auch keine Importsteuern und Abgasabgaben. Dadurch ist am Ende beispielsweise der VW E-Golf in Norwegen das billigste aller Golf-Modelle.

Damit nicht genug: So sparen Besitzer von Elektroautos die übliche Registrierungssteuer, die bei konventionellen Autos mehrere Tausend Euro betragen kann. Außerdem dürfen Elektroautos in vielen norwegischen Städten kostenlos parken sowie Mautstraßen, Busspuren und Fährverbindungen umsonst nutzen. Auch die jährliche Kraftfahrzeugsteuer ist niedriger als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Zusätzlich wächst das Netz öffentlicher Ladestationen weiter. Schon jetzt gibt es landesweit knapp 7500 öffentliche Stromzapfquellen, bis zum Jahr 2020 sollen es sogar 25.000 sein. Und auch das Aufladen dort ist umsonst.

China prescht voran

Auch in China ist die Elektromobilität weit fortgeschritten. Allein 2016 wurden hier knapp 400.000 Elektroautos verkauft. So ist der größte Markt für Automobile auch der größte Markt für Elektrofahrzeuge. "Die Kaufprämie funktioniert in China recht gut", sagt Jost Wübbeke vom Mercator Institute for China Studies (MERICS). Außerdem bekämen Käufer von Elektroautos in Städten wie in Peking oder Shanghai deutlich schneller eine der begehrten Lizenzen. "Dann geht der Ausbau mit Ladestationen deutlich schneller voran und die öffentliche Hand setzt ebenfalls viele Elektrofahrzeuge ein." Im Bereich E-Busse sei China vorbildlich, so Wübbeke. Allerdings seien die Subventionen in diesem Jahr schon zurückgedreht worden im Vergleich zu 2016 und 2020 sollen sie ganz auslaufen.

Zwar werden die Käufer von Elektroautos weniger unterstütz, dafür sollen die Autohersteller verpflichtet werden, dass ab 2018 acht Prozent ihrer verkauften Neuwagen Elektrofahrzeuge sind und 2020 sollen es schon zwölf Prozent sein. Auch wenn nach Intervention der Bundesregierung unter Umständen diese Regelung etwas milder gestaltet wird - die Signale an die Autoindustrie sind deutlich.

"In Europa ist der Druck noch nicht so groß, dementsprechend sind die Aktivitäten auch geringer", sagt Dirk Uwe Sauer, Professor für elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik an der Universität (RWTH) Aachen.

Andere Weichen stellen

Zum Umweltbonus meint Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management (CAM): "Die Subvention ist fehlgeleitet und setzt am falschen Punkt an." Das Geld hätte lieber in den Ausbau der Infrastruktur fließen sollen.

Dahin fließt auch Geld, aber bei weitem nicht genug. Ende April haben Vertreter der Autoindustrie und die Bundesregierung beim Autogipfel im Kanzleramt beschlossen, dass zwischen 2017 und 2020 insgesamt 300 Millionen Euro in den Ausbau der vielerorts noch rudimentären Ladeinfrastruktur fließen sollen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rechnet für diese Summe mit 15.000 zusätzlichen Ladepunkten.

Das hört sich nach viel an - ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schätzt, dass es bis zum Jahr 2020 einen Bedarf an 70.000 öffentlichen Ladepunkten zur Normalladung und 7100 Schnellladepunkten geben wird. Zur Jahresmitte zählte der Verband bundesweit gerade einmal rund 6500 Ladepunkte, davon sind 230 Schnellladepunkte.

Deutschland Aufladekabel für Elektrofahrzeuge auf der Hannover Messe (picture-alliance/dpa/O. Spata)

Es gibt zu wenig Ladestationen in Deutschland und man braucht viele verschiedene Stecker.

Nicht nur, dass zu wenig Ladestationen aufgebaut wurden, der Bundesverband eMobilität kritisiert außerdem, dass es bisher beim Aufbau der Ladeinfrastruktur "Insellösungen" gibt, die häufig nicht miteinander vereinbar seien. "Um als Elektroautofahrer beispielsweise in Berlin im gesamten Stadtgebiet laden zu können, benötigt man mindestens fünf verschiedene Ladekarten von unterschiedlichen Anbietern", sagt eine Sprecherin

Auch müsse die Regierung endlich eine klare Linie Richtung Elektromobilität verfolgen, heißt es von Seiten der Experten. "Geradezu schizophren" sei, dass parallel zum Elektroantrieb immer noch Diesel-Kraftstoff massiv steuerlich subventioniert werde, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen. "Da muss man sich schon entscheiden, was man eigentlich will", so der Auto-Experte.

Es wird noch elektrisch auf deutschen Straßen - später

Uwe Sauerglaubt aber daran, dass am Ende die Elektrofahrzeuge auch deutsche Straßen erobern werden. Künftig werde sich bei den Preisen für E-Autos, die stark an die Preise für Batterien geknüpft sind, einiges tun. "Vor zehn Jahren waren die Preise für Fahrzeugbatterien etwa fünf bis acht Mal so hoch", sagt Sauer. "Wir denken, dass der Preis jetzt nicht mehr mit dieser Geschwindigkeiten abfallen wird. Aber eine Kostensenkung von 25 bis 30 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre ist sehr wahrscheinlich." Zwar würde heute im günstigeren Preissegment ein E-Auto immer noch teurer sein als eins mit Verbrennungsmotor, in der gesamten Kostenrechnung könne es aber schon wirtschaftlicher sein - vor allem für Berufspendler, so Sauer.

Deutschland Streetscooter Deutsche Post (picture-alliance/dpa/A. Weigel)

Die Deutsche Post liefert nicht nur in manchen Gegenden elektrisch aus - sie produziert ihre Streetscooter auch gleich selber.

Da Sauer mit weiter fallenden Preisen für Batterien rechnet, meint er: "Die Elektromobilität wird ziemlich schnell ziemlich groß werden, zumindest ab 2020." Viele Unternehmen würden bereits über E-Autos nachdenken. Vor allem würde der Druck in Europa steigen, denn ab 2020 dürfen Neufahrzeuge nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausscheiden. "Mit konventionellen Autos erreicht man dieses Ziel auf der Straße nur sehr schwer."

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) glaubt an eine Zukunft mit E-Autos. Wenige Jahre nach 2020 werde die Million sicher erreicht, heißt es vom VDA. Der Markt für E-Autos wachse viel schneller als der Pkw-Gesamtmarkt. "Bis zum Jahr 2020 investiert die deutsche Automobilindustrie 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe. Bis dahin werden wir die Zahl der E-Modelle auf rund 100 verdreifachen", so der Verband.

Und der Umweltbonus? Auch wenn er bislang noch wenig nachgefragt wurde, würde er aber doch die Elektromobiltät vorantreiben, meint der VDA. Denn immerhin habe sich der Elektroanteil an den Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf 1,2 Prozent verdoppelt.

 

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