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Politik

Warum Biermann jetzt doch Berliner wird

Gerne hätten SPD und PDS in Berlin verhindert, dass Wolf Biermann Ehrenbürger wird. Aber wirklich stichhaltige Argumente gegen den CDU-Vorschlag hatten die Genossen nicht - dafür aber einigen Ärger.

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Ganz umsonst mit der U-Bahn durch Berlin tingeln: Was für viele Rentner, Punks und Hartz- IV-Empfänger ein Traum wäre, das dürfte für den Sänger und Liedermacher Wolf Biermann bald Wirklichkeit werden. Denn der soll Ehrenbürger der Stadt Berlin werden - und zu dieser Auszeichnung gehört eben auch eine Jahreskarte der Berliner Verkehrs-Betriebe. Doch bis zur Entscheidung, Wolf Biermann zum Ehrenbürger zu machen, ging es hoch her.

Tritt vors Schienenbein

Die Idee dazu kam übrigens aus der Berliner Opposition, von der CDU. Das ist ja schon mal pikant, schließlich haben die Christdemokraten mit linksintellektuellen Liedermachern eigentlich nicht viel am Hut. Aber die CDU-Strategen wussten eben: Mit diesem Coup können sie der regierenden PDS schön vors Schienbein treten.

Die SED-Nachfolgepartei hat nämlich was gegen Biermann. In der DDR war der bärtige Barde einer der bekanntesten Regimekritiker; nach einem Konzert in Köln wurde er 1976 aus der DDR ausgebürgert. Und dann mäkelte er auch noch an der rot-roten Kuschelei in Berlin herum.

Für den Irak-Krieg

So wollten die Berliner Genossen um jeden Preis verhindern, dass Biermann die Ehrenbürgerwürde erhält. Die PDS-Politiker meinten, der Sänger würde den Preis aus ihren Händen ohnehin nicht entgegen nehmen.

Und der SPD war der Positionswechsel Biermanns zu krass: Der alte Pazifist hatte sich nämlich für den Irak-Krieg ausgesprochen. Fehlte nur noch, dass ihm eine Scientology-Mitgliedschaft, ein uneheliches Kind oder ein in der Jugend gedrehtes Porno-Filmchen angedichtet worden wäre. Aber so weit kam es dann doch nicht.

Nachhilfe nötig

In letzter Minute verhinderten die Sozialdemokraten in der Hauptstadt, dass das Gezerre in einer Blamage endet - sie sprachen sich letztlich doch für Biermann als Ehrenbürger aus. Ein bisschen Nachhilfe war dafür allerdings nötig: Selbst Bundespolitiker standen plötzlich bei den Berliner Regierungsparteien auf der Matte und forderten Augenmaß. Also ruderten Bürgermeister Wowereit und seine Mannen zurück.

Biermann freut sich wohl. Weniger über das kostenlose U-Bahn-Ticket, schließlich wohnt er in Hamburg. Vielleicht aber über die Ehre. Und noch ein weiteres Privileg bringt so eine Ehrenbürgerschaft mit sich: Das Begräbnis ist auch kostenlos. Aber nur in Berlin, versteht sich.