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Wirtschaft

Warum Athen weitere Unruhen fürchten muss

Jugendarbeitslosigkeit und Armut sind der soziale Nährboden der Proteste in Griechenland. Die Lage könnte sich noch verschlimmern, wenn die Weltwirtschaftskrise die Schifffahrt und den Tourismus erfasst.

Demonstrant vor Feuer (Quelle: AP)

Die Proteste errfassten das ganze Land

Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Auch am Donnerstag (11.12.2008) kam es in der Hauptstadt Athen zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei. Und am Tag zuvor hatte ein eintägiger Generalstreik das Land lahmgelegt. Der Anlass für die Proteste war die Erschießung eines 15-Jährigen durch die Polizei am vergangen Samstag. Die eigentlichen Ursachen für die Proteste liegen jedoch tiefer.

Arbeitslosigkeit und Armut

Piraeus (Quelle: DPA)

Piraeus, der Hafen von Athen, ist der größte Hafen im östlichen Mittelmeer und soll noch ausgebaut werden

Griechenland steckt unter anderem in einer tiefen ökonomischen Krise: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 20 Prozent. Hinzu kommen sinkende Einkommen bei denen, die dennoch Arbeit finden. Viele müssen mit 800 bis 1000 Euro im Monat zurechtkommen, trotz Studium. Von der "Generation 700 Euro" ist bereits Rede. So sind es vor allem Jugendliche und Studenten, die jetzt auf die Straße gehen.

Hinzu kommt eine soziale Spaltung des Landes. Ein Fünftel der elf Millionen Griechen lebt unterhalb der Armutsgrenze. So war es kein Zufall, dass auf die Unruhen am Mittwoch ein Generalstreik folgte, der das ganze Land lahm legte. Der Ausstand war schon länger geplant und richtete sich gegen den Sparkurs der konservativen Regierung. Gefordert wurden unter anderem höhere Löhnen und stärkere staatliche Unterstützung für einkommensschwache Familien.

Wachstum ohne Steuereinnahmen

Dabei scheint es der Wirtschaft nicht schlecht zu gehen: Seit Jahren weist Griechenland stabile Wachstumsraten von über 3 Prozent pro Jahr auf. Die Arbeitslosenquote ist leicht zurückgegangen, von 9,8 Prozent im Jahr 2005 auf voraussichtlich 8,3 im Jahr 2008.

Die Staatsverschuldung ist allerdings mit einem Schuldenstand von fast 95 Prozent des Bruttoinlandproduktes extrem hoch. Allerdings sind die Einnahmen des Staates gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach Angaben der OECD auch zurückgegangen: von 29,7 Prozent im Jahr 2000 auf 27,1 Prozent im Jahr 2004. Bis 2006 stieg der Anteil des Steueraufkommens gemessen am BIP nur wieder leicht an auf 27,4 Prozent. Kein Wunder, dass der Staat kein Geld hat.

Gefahr Weltwirtschaftskrise

Bucht in Kreta

Tourismus wie auf Kreta ist für Griechenland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Krise könnte sich noch weiter verschärfen, wenn die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise weitergeht. Und genau davon gehen Beobachter aus. "Man muss befürchten, dass sich die Krise zeitversetzt bemerkbar macht", sagt Martin Knapp, Geschäftsführer der deutsch-griechischen Industrie- und Handelskammer. Denn Griechenland ist extrem abhängig vom Dienstleistungssektor, rund 75 Prozent des Bruttoinlandproduktes werden hier erwirtschaft.

So hat Griechenland zum Beispiel die größte Handelsflotte in Europa, der Athener Hafen Piraeus ist ein wichtiger Umschlagplatz im östlichen Mittelmeer. Und mit seinen Altertümern hat das Land touristisch viel zu bieten. Doch die Besucher könnten angesichts der Krise ausbleiben. Der Frachtgutverkehr ist bereits eingebrochen. "Davon ist Griechenland als Handelsnation besonders hart getroffen", sagt Sebastian Wanke, Volkswirt bei der Dekabank. "Die Wirtschaftskrise trifft den Welthandel hart und Griechenland wird da noch weiter drunter leiden."

Luftbuchungen in 2009?

Doch im Athener Finanzministerium geht man weiter von Steuermehreinnahmen von 12 Prozent im kommenden Jahr aus. Die griechische Regierung rechnet dabei für 2009 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent, nach 3,2 Prozent in 2008. Aber schon die OECD geht von nur 2 Prozent aus. Wenn die weltweite Wirtschaftskrise also auch in Griechenland zuschlägt, dann ist die Athener Haushaltsplanung schnell Makulatur.

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