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Welt

Warum Assad bleibt

Es ist noch gar nicht so lange her, da hielten viele Beobachter den Sturz von Syriens Machthaber Assad für eine Frage von Monaten. Das Blatt hat sich gewendet: Assad fühlt sich sicher wie lange nicht. Wieso?

Schmale Häuser schmiegen sich an sandfarbene Steilwände. Dazwischen Kirchen und Konvente. In friedlichen Zeiten war Maaloula eine Touristenattraktion. Der Ort ist eine der ältesten christlichen Siedlungen der Welt. Doch Touristen sind schon lange nicht mehr nach Maaloula gekommen.

Seit Beginn des Bürgerkriegs interessieren sich andere für den kleinen Ort rund 50 Kilometer nördlich von Damaskus. Immer wieder wechselten die Herrscher. Zuletzt war Maaloula monatelang in der Hand der syrischen Rebellen. Vor wenigen Tagen vertrieben die Truppen von Baschar Al-Assad die Rebellen aus Maaloula.

Die Rückeroberung der Stadt ist Teil einer groß angelegten Offensive. Seit November hat die Regierung in einem Großteil der Region Qualamoun zwischen Damaskus und Homs wieder die Kontrolle übernommen. "Das Gebiet ist extrem wichtig für die Sicherheit von Damaskus", erklärt Hisham Jaber, ein ehemaliger General der libanesischen Armee. Denn durch die Region führen wichtige Versorgungsrouten der Rebellen. Darüber werden Waffen in die Hauptstadt geliefert. Auch die wichtige Straßenverbindung zwischen Damaskus, Homs und dem syrischen Mittelmeerhafen Latakia verläuft durch die Region.

Assads Offensive

Die Qualamoun-Region ist nur ein Beispiel für Assads militärischen Vormarsch: "In den vergangenen Monaten haben Assads Truppen eine ganze Reihe von militärischen Erfolgen errungen", sagt Sebastian Sons, Syrien-Experte des Deutschen Orient-Instituts. An vielen strategischen Stellen seien die Aufständischen zurückgeschlagen worden.

Kämpfer der Opposition und der Regierung in einem Vorort von Damaskus (Foto: Reuters)

In einem Vorort von Damaskus haben sich Kämpfer der Opposition und die Regierung auf einen Waffenstillstand geeinigt

Im Umland der nördlichen Großstadt Aleppo eroberte die Armee einen Korridor, der die Versorgung der eigenen Truppen deutlich verbessert. In einigen Gebieten, vor allem im Großraum Damaskus, wurden lokale Waffenstillstände geschlossen. Zuvor hatten Assads Truppen diese Gebiete, Stadtteile oder Vororte, monatelang bombardiert. Gleichzeitig wurde Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medizin blockiert. Das Regime stellt diese lokalen Waffenstillstände als Teil der "nationalen Versöhnung" dar. Durch diese Strategie hat es die Regierung geschafft, ihre Macht in Damaskus zu festigen. Dadurch wurden Kräfte frei, um an anderen Orten des Landes zu kämpfen.

Assads Stärke

Assads neue Stärke, erklärt André Bank, Syrien-Experte des GIGA-Instituts für Nahost-Studien, habe mehrere Gründe: Zum einen habe es Assad geschafft, die Desertationen in der Armee zu stoppen. "Er kann die eigenen Kämpfer bei Stange halten." Auch dank finanzieller Unterstützung aus dem Iran erhielten die Truppen ihren Sold. Gleichzeitig würden Deserteure drakonisch bestraft.

Außerdem werden die Reihen der Armee durch Milizionäre verstärkt. Das sind sowohl Kämpfer der alawitischen Minderheit, der auch der Präsident angehört, als auch der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah, schiitische Milizionäre aus dem Irak und Angehörige der iranischen Revolutionsgarden.

Assads Stärke liegt aber auch in der Schwäche der syrischen Opposition begründet. "Es gibt keine geeinte Opposition, keine geeinte Front gegen Assad mehr", sagt Sebastian Sons. Die Rebellen bekämpfen sich inzwischen sogar gegenseitig. Gemäßigten Gruppen wie der Freien Syrischen Armee stehen radikalislamische Dschihadisten gegenüber. Und selbst die sind untereinander zerstritten. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Al-Nusrah-Front, einem Al-Kaida Ableger, und der Gruppe Islamischer Staat im Iran und in der Levante (ISIS).

Ein ISIS-Kämpfer (Foto: RADWAN MORTADA)

Gehört einer Gruppe von rivalisierende Extremisten an: ein ISIS-Kämpfer

Erst am Dienstag (15.04.2014) wurde ein Anführer der Al-Nusrah-Front gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter von ISIS-Kämpfern erschossen. Außerdem fehlt es den Rebellen noch immer an Waffen. Auch wenn jetzt nach

Berichten der "Washington Post"

zum ersten Mal in den USA produzierte TOW-Panzerabwehrraketen bei den Rebellen aufgetaucht sein sollen.

Auch international wurde Assad aufgewertet. Durch den Deal über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen wurde er für die internationale Gemeinschaft "wieder als Verhandlungspartner opportun", sagt Syrien-Experte Sons. "Aufgrund dieser Zusage kann er seine konventionelle Kriegsführung in Syrien weiterführen." Und selbst wenn es in Syrien erneut zu

Chemiewaffenangriffen

kommt, wie offenbar am vergangenen Wochenende, reagiert die internationale Gemeinschaft nur sehr zurückhaltend.

Assads Siegesgewissheit

Syriens Staatspräsident Baschar Al-Assad (Foto: dpa)

Will nicht gehen: Staatspräsident Baschar Al-Assad

Baschar Al-Assad gibt sich angesichts des militärischen Vormarsches seiner Truppen selbstbewusst. Der Konflikt sei an einem "Wendepunkt" angekommen, erklärte Assad am vergangenen Wochenende vor Studenten in Damaskus. Die Armee sei dabei "den Krieg gegen den Terror zu gewinnen".

Sons hält das für Propaganda. Assad habe zwar seine Position gefestigt. Mit einem militärischen Sieg des Assad-Regimes über die Rebellen aber rechnet Sons vorerst nicht. André Bank sieht das ähnlich: "Eine Wiedereroberung des ganzen Landes ist wirklich unrealistisch."

Trotzdem dürfte Assad Syrien und der Welt vorerst erhalten bleiben. Denn auch die Rebellen haben nicht die Kraft, um Assad und seinen Truppen wirklich gefährlich zu werden. Und ernsthaft über eine friedliche Lösung verhandeln will im Moment niemand. Vorerst läuft also alles auf einen Erhalt des Status quo hinaus.

Baschar Al-Assad und sein Regime konzentrieren sich auf große Teile der Hauptstadt Damaskus, wichtige Nachschubkorridore im Norden nach Homs und nach Nordwesten und auf die alawitisch dominierten Gebiete an der Mittelmeerküste. Die Rebellen auf den Süden und die nördlichen Gebiete an der türkischen Grenze.

Und so kann Baschar Al-Assad in aller Ruhe seine Wiederwahl vorbereiten. Im Juni, so heißt es aus Syrien, sollen die Wähler an die Urnen gehen. Der Präsident will offenbar für eine weitere sieben-jährige Amtszeit antreten. Dass er die Wahl gewinnt, daran zweifelt kaum jemand.

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