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Deutschland

Warten auf's Paket an der roten Ampel

Grenzenloser Onlinehandel sorgt dafür, dass die Beamten auf deutschen Zollämtern kaum mehr hinterherkommen. Die DW hat sich auf dem Zollamt in Bonn umgesehen.

Es ist wie im Straßenverkehr. Im Warteraum des Bonner Zollamts sorgt eine rote Ampel für Wartezeiten - doch die nächste Grünphase kommt. Es blinkt grün, die Tür öffnet sich, der Nächste tritt ein und schon ist es wieder rot. Acht Menschen sitzen an diesem Donnerstagmittag vor der Postzollstelle und warten darauf ihre Pakete abzuholen, die sie aus Ländern außerhalb der Europäischen Union bestellt haben. "Vor Feiertagen und dem Wochenende ist immer etwas mehr los", sagt der Zollinspektor Johannes Forth, der in Bonn als Abfertigungsbeamter arbeitet.

Bilder für Reportage über Onlinehandel und Zoll

Gerd Plinz: "Noch vor einigen Jahren hatten wir im Jahr keine zehntausend Pakete zu bearbeiten"

Auch generell ist die Zahl derer, die bei ihm Pakete abholen im Lauf der Jahre gestiegen. Deshalb gibt es seit einiger Zeit die Ampelanlage. "Noch vor einigen Jahren hatten wir im Jahr keine zehntausend Pakete zu bearbeiten", sagt Gerd Plinz vom Hauptzollamt Köln. "Mittlerweile sind es rund 55.000." Der grenzenlose Onlinehandel hat dafür gesorgt, dass deutschlandweit die Zollpoststellen nach und nach beinahe überquollen. Bundesweite Zahlen gibt es nicht, hochgerechnet sind es aber fast zwei Millionen Pakete, die durch die Ämter geprüft werden.

Häufig stößt der Zoll auf Plagiate

Rund 155 Pakete sind es in Bonn an Tagen, an denen viel los ist. "Es gibt Stoßzeiten, in denen mehr Leute warten", erzählt Johannes Forth. Bei so manchem Kunden dauert es aber auch in ruhigen Zeiten länger. "Wir haben immer mal wieder jemanden der nicht einverstanden damit ist, dass er zahlen muss", sagt er. Diskussionen gibt es vor allem mit denjenigen, die gar nicht wussten, dass sie eine Zoll-Gebühr bezahlen müssen. Welche Kosten das sind, hat der Zoll in einer

Broschüre

zusammengefasst. Bis zu einem Warenwert von 22 Euro sind alle Güter außer Alkohol, Tabak und Kaffee frei von Einfuhrabgaben. Hat die Sendung einen Gesamtwert von 22 bis 150 Euro, wird die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von sieben oder 19 Prozent fällig. Erst über einem Wert von 150 Euro kommen Zollgebühren hinzu. Die Zahlungen erhöhen sich, wenn sich in einem Paket private Geschenksendungen befinden.

Bilder für Reportage über Onlinehandel und Zoll

Der Abfertigungsbeamte Johannes Forth inspiziert ein Paket

Im Bonner Zollamt kontrollieren die Beamten einzelne Pakete. Dazu muss der Empfänger auf das Amt kommen. In seinem Beisein öffnen Johannes Forth und seine Kollegen die Sendungen. Darin finden sich die unterschiedlichsten Waren. "In den meisten Fällen ist alles in Ordnung und die Kunden dürfen ihre Einkäufe mitnehmen", sagt Pforth. Manchmal gibt es aber auch Probleme. Er holt ein Päckchen in der Größe eines Kosmetiktäschchens aus einem Regal im Lagerraum und legt es auf einen Tisch. Aus dem geöffneten Paket blitzt eine Geldbörse hervor. Außen klebt ein Etikett mit chinesischer Schrift. Die Ware war bei einem Internethändler ein Vielfaches billiger, als in Deutschland. "Oft haben wir es mit Produktfälschungen zu tun und schützen dann die Markenrechte", sagt Pforth. Die

Plagiate

lassen die Unternehmen, die die Originale herstellen, meist vernichten. Im schlimmsten Fall verliert der Kunde nicht nur sein Geld und die Ware, sondern bekommt auch noch eine Strafe.

Sicherheit der Verbraucher steht im Vordergrund

Aber nicht nur Marken will der Zoll schützen. "Wir sind auch für die Sicherheit der Verbraucher zuständig“, sagt Gerd Plinz. Der Zoll zieht störungsanfällige gefälschte Elektroartikel aus dem Verkehr und gibt ausländische Medikamente in Deutschland nicht frei. Auf Verständnis stößt die Arbeit der Zöllner trotzdem nicht immer. Im Nebenraum diskutiert ein Mann mit einer Beamtin. Er ist unzufrieden mit der Wartezeit. "Ich muss auch mal warten, wenn ich etwas auf einem Amt erledigen muss", beschwichtigt sie. Es nützt nichts. Der Mann nimmt seine Bestellung unter den Arm und stapft nach der Prüfung schnaufend aus dem Zollamt.

Solche Reaktionen sind die Ausnahme - zumindest in Bonn. Der Mann, der direkt nach dem unzufriedenen Kunden aus dem Amt in die Sonne tritt, zeigt ein strahlendes Lächeln. Stefan Mager ist Filmliebhaber und bestellt sich regelmäßig originale Filmrollen in den Vereinigten Staaten. Seinem Hobby zuliebe gibt er deshalb auch einiges aus. "Ich bin zwei bis drei Mal in der Woche hier", sagt er. "Das läuft immer völlig problemlos." Auf dem Zollamt ist er bekannt wie ein bunter Hund. Nicht nur er. "Da gibt es so einige", sagt Johannes Forth. "Bei manch einem kenne ich schon die Tarifnummer auswendig", sagt er und lacht.

Pakete landen durch Fehler auf dem Zollamt

Bilder für Reportage über Onlinehandel und Zoll

Im Lager des Zollamts in Bonn stapeln sich die Pakete

Oft hat Filmliebhaber Mager seine Bestellungen aber auch schon nach Hause geliefert bekommen. "Das passiert bei den meisten Sendungen", sagt Gerd Plinz. "Wenn nichts zu beanstanden ist, wickelt die Post im internationalen Postzentrum in Frankfurt alles ab und man bezahlt Gebühren beim Postboten." Die 55.000 Pakete, die jährlich beim Zoll im Raum Köln landen sind ausschließlich dort, weil Versender oder Besteller Fehler gemacht haben. "Meist fehlt die Rechnung, die deutlich außen am Paket befestigt sein muss", sagt Gerd Plinz. Wer die Hinweise auf der Zoll-Webseite befolgt, wie er ein Paket korrekt nach Deutschland geliefert bekommt, erspart nicht nur den Beamten, sondern auch sich selbst Zeit und schont die Nerven.

Immerhin: im Jahr 2013 stagnierte die Zahl der Pakete im Kölner Raum. "Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen mittlerweile jemanden kennen, der schon einmal negative Erfahrungen gemacht hat, wenn es darum geht, etwas aus dem Ausland zu bestellen", sagt Plinz. Deshalb glaubt er nicht, dass die Zahl weiter wächst. Mit dem aktuellen Aufkommen können die Zollämter in seiner Region gut leben.

Mittlerweile hat sich der Warteraum vor der Abholstation gefüllt. 15 Menschen unterschiedlichen Alters warten dort. Ein Mann hat Flyer seiner chinesischen Geschäftspartner bestellt. Eine Frau ist für ihre Tochter da, die etwas bei Ebay in den Vereinigten Staaten gekauft hat. Die meisten müssen schon stehen, weil es keine Sitzplätze mehr gibt. Johannes Forth verschafft sich einen Überblick. Das macht er häufig, um sicherzustellen, dass es nicht zu viele Wartezeiten bei der Abfertigung gibt. "Jetzt", sagt er, "ist Stoßzeit." Mit der nächsten grünen Ampelschaltung verschwindet er hinter der Tür und hilft seinen beiden Kollegen bei der Abfertigung. Damit der Stau vor der roten Ampel nicht zu groß wird.

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