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Top-Thema – Podcast

Warten auf den Tod durch die Steine

Seit über einem Jahrzehnt sitzt Mokarrameh Ebrahimi im Gefängnis. Jeden Tag muss sie fürchten, gesteinigt zu werden. Sie ist wegen Ehebruchs verurteilt. Ihr Partner wurde bereits gesteinigt.

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Eine Frau demonstriert gegen Steinigungen im Iran

Mokarrameh Ebrahimi sitzt seit elf Jahren im Choubin Gefängnis in der iranischen Provinz Ghazvin. Ihr elfjähriger Sohn Ali ist bei ihr. Vor wenigen Wochen hat Ali seinen Vater Jafar Kiani verloren und Ebrahimi ihren Partner. Kiani wurde gesteinigt. Auch Ebrahimi droht der gleiche Tod. Sie hat mit Kiani zusammengelebt, obwohl sie mit einem anderen Mann verheiratet war. Vor elf Jahren wurden sie und ihr Partner nach Artikel 83 des iranischen Strafgesetzbuchs wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt.

Bei einer Steinigung werden die Verurteilten lebendig in ein baumwollenes Leichentuch gewickelt und dann in ein Erdloch eingegraben. Eine Gruppe von Männern, meist Justizbeamte und Revolutionswächter werfen die Steine, deren Größe im iranischen Gesetzbuch genau festgelegt ist: Sie dürfen nicht so groß sein, dass der Gesteinigte sofort stirbt, wenn er von einem oder zwei getroffen wird.

"Die Steinigung ist eine barbarische und unmenschliche Strafe", sagt Mina Ahadi, die Vorsitzende des internationalen Komitees gegen Steinigung. "Internationaler Druck kann auf jeden Fall dazu führen, dass die iranische Regierung diese Strafe gesetzlich abschafft", sagt Gasser Abdel-Razek, der Regionaldirektor von Human Rights Watch für den Nahen Osten und Nordafrika. Man müsse gerade die Kräfte im Iran unterstützen, die sich gegen die Steinigungen engagieren.

Die geplante Steinigung von Jafar Kiani und Mokarrameh Ebrahimi war von den iranischen Behörden wegen weltweiten Protests ausgesetzt worden. Trotzdem wurde Kiani einige Wochen später in der Nähe der Stadt Takestan öffentlich gesteinigt. Auch im Fall von Ebrahimi kann das gleiche passieren. Trotzdem gibt es noch Hoffnung für die 43-jährige Mutter. "Mokarrameh kann der Steinigung entkommen, wenn wir genug weltweiten Druck ausüben", sagt Mina Ahadi. "Wir können sie noch retten."

GLOSSAR

steinigen – das Werfen mit Steinen auf Menschen mit tödlichem Ausgang

Ehebruch, der – jemand hat eine Partnerschaft mit einem anderen Partner, obwohl er/ sie verheiratet ist

jemanden zu etwas verurteilen – ein Richter entscheidet, welche Strafe jemand bekommt

drohen; jemandem droht etwas – etwas passiert jemandem vielleicht

Artikel, der – hier: ein Paragraph im Gesetzbuch

Strafgesetzbuch, das – ein Buch, in dem festgelegt ist, wie verbotene Handlungen zu bestrafen sind

Justizbeamter, der – jemand, der im Rechtswesen arbeitet

barbarisch – grausam

Strafe, die – eine Maßnahme, die eine unrechte Tat wieder gutmacht

etwas abschaffen – etwas beseitigen; etwas vernichten

Kraft, die – die Stärke; hier: eine aktive Menschengruppe

etwas unterstützen – sich für etwas einsetzen, damit es Erfolg hat

sich für/ gegen etwas engagieren – sich für/ gegen etwas einsetzen; aktiv sein

Behörde die – die Verwaltung

etwas aussetzen – etwas zeitlich aufschieben

entkommen – etwas umgehen; fliehen


Fragen zum Text

Wie können Steinigungen abgeschafft werden?

1. durch internationalen Druck

2. durch tagelange Streiks

3. durch ein hohes Lösegeld

Wenn sich jemand für etwas engagiert, dann…

1. ist ihm/ ihr etwas nicht wichtig.

2. setzt er/ sie sich für etwas ein.

3. möchte er/ sie weniger arbeiten.

Wie reagieren Menschen weltweit auf Steinigungen?

1. mit Gleichgültigkeit

2. mit Protesten

3. mit Zustimmung

Arbeitsauftrag

Menschenrechtsorganisationen versuchen weltweit gegen Slavenarbeit, Todesstrafe oder die Ausbildung von Kindern zu Soldaten vorzugehen. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Mitglied einer Menschenrechtsorganisation: Welche Menschenrechtsverletzung würden Sie gern abschaffen? Schreiben Sie ihre Gedanken und Änderungsvorschläge auf und stellen Sie diese anschließend ihren anderen Kursteilnehmern vor.

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