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Deutschlehrer-Info

Warten auf das digitale Schulbuch

Das digitale Schulbuch wird seit Jahren auf der LEARNTEC, der internationalen Messe für Bildung, Lernen und IT, heraufbeschworen. Doch die Voraussetzungen für den digitalen Unterricht sind noch lange nicht gegeben.

Die Einführung von digitalen Schul- und Lehrbüchern sei nicht mehr aufzuhalten, postuliert der Informatikprofessor und Mitorganisator der Messe Peter A. Henning bei der Eröffnung der diesjährigen Learntec in Karlsruhe. Und in der Tat hat die Branche bereits sinnvolle Voraussetzungen für die Einführung des digitalen Lehrwerks geschaffen.

Auf der Internetseite www.digitale-schulbuecher.de bieten zurzeit 16 Schulbuchverlage in einer gemeinsamen Plattform digitale Varianten ihrer Lehrwerke an. Man hat sich sogar verlagsübergreifend auf ein einheitliches Format geeinigt, das unabhängig von Betriebssystem und Endgerät genutzt werden kann.

Allerdings sehen diese digitalen Schulbücher ihren analogen „Vorgängern“ mehr als ähnlich. Die elektronische Version des Schulbuchs hat dem Papierbuch bisher noch nicht viel voraus: Auch im digitalen Buch können ganz klassisch Lesezeichen gesetzt, Notizen gemacht und Textmarkierungen vorgenommen werden. Darüber hinaus sind die digitalen Bücher bereits mit einigen Whiteboard-Funktionen versehen, die sich im Schulunterricht anwenden lassen.

Doch genau daran krankt das System: Denn es sind nicht etwa die Lehrer, die dem Einsatz elektronischer Medien kritisch gegenüberstehen. Laut der Studie „Schule 2.0“, die vom Branchenverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) bereits 2011 in Auftrag gegeben wurde, sind Lehrer sogar technikaffiner als der Durchschnittsbürger und privat verfügen sie durchaus über eine gute technische Ausstattung.

Hingegen bemängeln sie die technische Infrastruktur an ihren Schulen. Nur ein Viertel der Lehrer beurteilt die technische Ausstattung als gut oder sehr gut. 90 Prozent fordern mehr Qualifizierungsangebote für Lehrer zum Einsatz elektronischer Medien im Unterricht. Dabei sind laut der Studie mehr als drei Viertel der Lehrer der Meinung, dass ihre Schüler durch den Einsatz von PC und Internet motivierter sind und schneller lernen.

Ergänzend zu den Lehrwerken bieten viele Schulbuchverlage immerhin interaktive Übungen auf ihren Internetseiten an – zum Teil kostenlos, zum Teil für nicht unerhebliche Monatsbeiträge, die nicht alle Eltern in die Bildung ihrer Kinder investieren können.

Sowohl bei der Software als auch bei der Hardware besteht also Nachbesserungsbedarf, damit von einer flächendeckenden Einführung digitaler Lehrmittel profitiert werden kann. Diese Problematik beschäftigt auch Prof. Henning: Entscheidend ist für ihn die Frage, ob die Schule die Reader für digitale Lehrmaterialien zur Verfügung stellen wird oder ob jeder Schüler seine eigene Technik mitbringen muss.