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Warnung an VW schon vor Jahren

27. September 2015

Schon vor Jahren soll VW über die Abgasmanipulation informiert worden sein - auch durch Zulieferer Bosch. Die Bundesregierung übte scharfe Kritik am Konzern. Doch die Einführung neuer EU-Abgastests bremst sie aus.

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Das VW-Logo hängt an einer Säule, die vor einem VW-Autohaus steht. Daneben parkt ein Fahrzeug. (Foto: REUTERS/Fabian Bimmer)
Bild: Reuters/F. Bimmer

Bei den Untersuchungen in der Abgas-Affäre ist einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge die interne Revision des Fahrzeugherstellers Volkswagen auf ein brisantes Dokument gestoßen. Der Zulieferer Bosch habe schon 2007 in einem Schreiben an den VW-Konzern vor einer illegalen Verwendung seiner Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt, berichtet die Zeitung weiter. Bosch habe die Software an VW geliefert, die allerdings nur für Testzwecke und nicht für den normalen Fahrbetrieb vorgesehen gewesen sei. Dem Bericht zufolge teilte der Zulieferer damals den Wolfsburgern mit, dass der geplante Einsatz gesetzeswidrig sei.

Vor illegalen Praktiken bei der Messung von Abgaswerten hat ein Volkswagen-Techniker schon im Jahr 2011 gewarnt, schreibt unterdessen die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Dies gehe ebenfalls aus einem ersten Prüfbericht der internen Revision des Autobauers hervor. Den Kontrolleuren seien diese Ergebnisse am Freitag in ihrer Sitzung vorgelegt worden, ohne dass geklärt worden sei, warum die Warnung seinerzeit ohne Folgen geblieben sei und wer alles davon erfahren habe. Sollten die externen Ermittler Belege für ein Fehlverhalten aktueller oder ehemaliger Vorstände finden, drohten den Managern Schadensersatzforderungen des Konzerns, berichtet das Blatt.

Ultimatum zur Mängel-Beseitigung

Das Kraftfahrt-Bundesamt setzte Volkswagen laut dem Bericht der "Bild am Sonntag" ein Ultimatum für einen Zeitplan zur Beseitigung der Abgas-Manipulationen. Die Behörde habe die Rechtsabteilung des Autobauers schriftlich aufgefordert, bis zum 7. Oktober einen "verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan" vorzulegen, ob und bis wann seine Fahrzeuge Abgas-Verordnungen ohne Manipulationssoftware einhalten würden, heißt es in dem Vorabbericht. In dem Schreiben, dass der Zeitung vorliege, stehe, die Behörde sei aufgrund der Rechtslage dazu gezwungen, "erforderliche Maßnahmen anzuordnen, um sicherzustellen, dass die hergestellten Fahrzeuge mit dem jeweiligen genehmigten Typ in Übereinstimmung gebracht werden". Die sogenannte Typengenehmigung werde demnach erst entzogen, wenn VW die Aufforderung des Kraftfahrt-Bundesamtes nicht beachte. Dann dürften die betroffenen Autos nicht mehr verkauft und bewegt werden.

Die Zeitung zitierte einen VW-Sprecher mit den Worten, alle betroffenen Fahrzeuge seien absolut sicher und fahrbereit. Sie würden in die Werkstätten gerufen werden. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge verschiedener Marken des Konzerns von dem Abgas-Skandal betroffen, davon 2,8 Millionen in Deutschland. Bei der Kernmarke VW sind es laut Angaben aus Wolfsburg insgesamt fünf Millionen.

Bundesregierung bremst Einführung neuer EU-Abgastests

Nach Untersuchungen der US-Umweltschutzbehörde EPA hatte der Wolfsburger Konzern eingeräumt, dass mit Hilfe einer Software Abgaskontrollen von Diesel-Fahrzeugen manipuliert wurden. Auf das Unternehmen kommen deswegen Milliardenlasten zu. Der langjährige Konzernchef Martin Winterkorn musste seinen Posten räumen. Er wurde am Freitag durch den bisherigen Porsche-Boss Matthias Müller ersetzt.

Nach Bekanntwerden der Manipulationen übte die Bundesregierung scharfe Kritik an Europas größtem Autobauer VW. Trotzdem will die Bundesregierung laut einem Zeitungsbericht die Einführung eines neuen, realistischeren Abgastests durch die EU verzögern. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf ein internes Positionspapier schreibt, will Deutschland erreichen, dass der neue Testmodus nicht wie geplant Ende 2017, sondern erst 2021 eingeführt wird. Zudem wolle die Bundesregierung viele der bestehenden Schlupflöcher erhalten, berichtet die Zeitung. "Was die deutsche Regierung hier macht, ist unanständig", zitiert die "Welt am Sonntag" Greg Archer, ein Mitglied der Arbeitsgruppe, die das neue Testverfahren (WLTP) erarbeiten soll.

pab/as (dpa, afp, rtr)