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Aktuell Deutschland

Warnung an "Pegida"

In Folge der islamfeindlichen "Pegida"-Demonstration mehren sich die Stimmen, die vor einer Instrumentalisierung der Pariser Terrorserie warnen. Französische Zeichner wehren sich mit Karikaturen gegen eine Vereinnahmung.

PEGIDA Karikatur Frankreich BILDKOMBO Michel Cambon links, Jean-Marc Couchet (Giemsi) rechts

Die Karikatur des französischen Künstlers Michel Cambon (links) trägt den Titel "Vereinnahmung". In der Zeichnung von Jean-Marc Couchet alias Giemsi (rechts) mit dem Titel "Faschistische Vereinnahmung" warnt ein Demonstrant: "Halt' dich etwas zurück, Jürgen!"

"Pegida" macht weiter mobil. Und die Gegner auch. In vielen deutschen Städten wird heute demonstriert. Nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris erscheinen die islamfeindlichen Kundgebungen in einem anderen Licht. In Dresden wollen die "Pegida"-Anhänger wegen der Terroropfer mit Trauerflor aufmarschieren - ein Ansinnen das nicht nur in Deutschland für Empörung sorgt.

Französische und frankophone Karikaturisten veröffentlichten ein Flugblatt mit dem Titel "Pegida, verschwinde!". "Wir lehnen es ab, dass 'Pegida' das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will", sagte ein Mitorganisator. "Pegida" stehe für all das, was die ermordeten Kollegen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" durch ihr Werk bekämpft hätten. "Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren", heißt es in dem Flugblatt. Zu den bisher elf Unterzeichnern gehört auch der niederländische Karikaturist "Willem", Gründungsmitglied und Zeichner bei "Charlie Hebdo". Er war während der Anschläge nicht in der Redaktion, weil er im Zug nach Paris saß. Die Zeichner rufen die Dresdner zu Weltoffenheit und Toleranz auf. "In diesem Kampf ist Dresden, wie Paris, eine symbolische Stadt."

Karikatur des französischen Künstlers Frederic Deligne (über dpa)

Karikatur des französischen Künstlers Frederic Deligne

Auch deutsche Politiker kritisierten die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in deutlichen Worten. Bundesjustizminister Heiko Maas forderte die "Pegida"-Organisatoren auf, ihre Demonstration abzusagen. "Die Opfer haben es nicht verdient, von solchen Hetzern missbraucht zu werden", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Es ist einfach nur widerlich, wie die Hintermänner dieser Demos das abscheuliche Verbrechen von Paris jetzt ausschlachten wollen."

Gegendemonstrationen in zahlreichen Städten

CSU-Chef Horst Seehofer forderte, die allwöchentlichen "Pegida"-Aktionen bis auf weiteres auszusetzen. "Ich möchte die Verantwortlichen auffordern, dass sie jetzt, wo die ganze Welt trauert und schockiert ist über die Vorgänge in Paris, auf absehbare Zeit ihre Demonstrationen absagt", sagte er in dem Fernsehsender ARD. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) der "Pegida"-Bewegung vorgeworfen, die Terroranschläge von Paris politisch zu missbrauchen.

Eine Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez, mit dem Titel Was ärgert Pegida am meisten? und der Sprechblase Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten (über dpa)

Eine Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez mit dem Titel "Was ärgert Pegida am meisten?" und der Sprechblase "Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten"

In Dresden, wo die "Pegida" vor einer Woche 18.000 Menschen mobilisierte, sowie in vielen anderen Städten sind Gegenaktionen geplant. Dabei wollen Bürger für Weltoffenheit eintreten und dagegen protestieren, Terror islamistischer Extremisten gegen Zuwanderer und gegen den Islam zu instrumentalisieren. Anti-"Pegida"-Demos sind unter anderem in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, München, Schwerin und Saarbrücken geplant. In Hannover will Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an der Demonstration der "Pegida"-Gegner teilnehmen.

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Muslime in Dresden

In Leipzig, wo Tausende zu mehreren Gegendemos gegen den ersten "Legida"-Aufmarsch erwartet werden, erließ die Stadtverwaltung zunächst eine Auflage, wonach "Legida" keine Mohammed-Karikaturen zeigen dürfe, zog diese aber später wieder zurück. Die Stadt habe das Verbot noch einmal geprüft und sei nun zu einem anderen Schluss gekommen, hieß es beim Ordnungsamt.

"Pegida" macht in Dresden seit Wochen gegen die angebliche "Überfremdung" Deutschlands durch Zuwanderer mobil. Inzwischen gibt es ähnliche Initiativen in vielen Teilen Deutschland, die jedoch weniger Zuspruch finden und vielerorts durch Gegendemonstrationen gestoppt wurden. Bei einer von der sächsischen Landesregierung und der Stadt initiierten Kundgebung in Dresden bekannten sich am Samstag 35.000 Menschen zu Weltoffenheit.

stu/wl (afp/dpa)

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