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Deutschland

Warnstreiks beeinträchtigen Bahnverkehr stark

Hunderte Bahnmitarbeiter haben befristet ihre Arbeit niedergelegt. Die Proteste der Gewerkschaften richten sich gegen die niedrigere Vergütung der Beschäftigten von Privatbahnen. Seit zwei Monaten wird verhandelt.

Eine elektronische Anzeigetafel weist am im Hauptbahnhof in Köln auf den Streik hin (Foto: dpa)

Viel Geduld mussten die Bahnreisenden mitbringen

Zugausfälle oder empfindliche Verspätungen – die Bahnkunden mussten sich seit dem frühen Dienstagmorgen (26.10.2010) auf erhebliche Beeinträchtigungen beim Zugfahren in vielen Regionen Deutschlands einstellen.

Forderung nach gleichen Löhnen

Streikender Eisenbahner stehen vor dem Kölner Dom und hält ein Schild mit der Aufschrift 'Eisenbahner wollen nicht abseits stehen' in die Höhe (Foto: dpa)

Protest statt Arbeit

Sowohl bei der Deutschen Bahn AG (DB) als auch bei diversen privaten Anbietern boykottierten die Mitarbeiter ihre Jobs. Ziel ist eine Tarifanpassung der Gehälter der Privatbahn-Beschäftigten auf das Niveau ihrer DB-Kollegen.

Zu den Warnstreiks aufgerufen haben die Gewerkschaften Transnet und GDBA (Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter). Mit den Aktionen wollen sie Druck auf die festgefahrenen Tarifverhandlungen ausüben. Seit mehreren Wochen verhandeln die beiden Gewerkschaften sowie die Lokführergewerkschaft GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) parallel mit sechs großen Privatbahnen und der DB über einen Branchentarifvertrag im Regionalverkehr.

Privatbahnen als Konkurrenz

Damit soll verhindert werden, dass der Wettbewerb auf der Schiene auf dem Rücken der Angestellten ausgetragen wird. Geringe Löhne ermöglichen nämlich geringere Preise. Vor allem im lukrativen Regionalverkehr ist der Konkurrenzkampf zwischen DB und Privatbahn in den letzten Jahren stärker geworden. Die nächste Tarifrunde steht Ende der Woche an.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, forderte ein Angebot der Arbeitgeber für einen Branchentarifvertrag ohne Lohndumping. Es könne nicht sein, dass Beschäftigte bei privaten Bahngesellschaften bis zu 20 Prozent weniger verdienten als bei der Deutschen Bahn, sagte er. Zugleich betonte Kirchner, in diesem Punkt könne es auch keine Schlichtung geben. "Wir sind nicht bereit, uns von minus 20 Prozent auf minus 10 Prozent schlichten zu lassen."

Kritik von der Deutschen Bahn

Schon vor Streikbeginn gab es Kritik von der Deutschen Bahn an den Aktionen. So betonte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber, dass eine Lösung am Verhandlungstisch möglich sei. Als "kontraproduktiv" bezeichnete Weber die Proteste, denn es könne nicht sein, dass die Deutsche Bahn mitbestreikt werde, um Druck auf Wettbewerber des Konzerns auszuüben.

Der Schriftzug 'Zug fällt aus' läuft über eine Anzeigetafel (Foto: dapd)

Die Warnstreiks sorgten auch für Zugausfälle

Streikbeginn war am Dienstagmorgen um zwei Uhr früh an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen und Bayern. So wurden Züge nicht gewartet und geputzt oder Stellwerke bestreikt. Nach und nach folgten Aktionen auch in anderen Bundesländern. Neben den DB-Mitarbeitern legten zahlreiche Privatbahnbeschäftigte ihre Arbeit nieder.

Die Gewerkschaften machen zwar nur regional auf ihre Forderungen aufmerksam. Doch die Aktionen wirken sich auch auf die Fernzüge aus.

Lange Wartezeiten

Ein Bahnreisender liest auf einer bank am Bahnsteig sitzend auf dem Hauptbahnhof in Dortmund eine Zeitung (Foto: dpa)

Viel Zeit mussten die Bahnreisenden bundesweit mitbringen

Vor allem die Pendler in den Großstädten mussten sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. So leuchtete auf mancher Anzeigetafel der Hinweis "Zug fällt aus" oder "circa 90 Minuten Verspätung". Teilweise konnten die Reisenden die Züge besteigen, der Start wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für Betroffene hat die Bahn eine Servicenummer eingerichtet. Über 08000 - 996633 können sich Reisende informieren. Auch im Internet stehen Infomationen zur aktuellen Situation unter www.bahn.de/aktuell. Zudem können Fahrgäste, die aufgrund der Streiks ihre Reise nicht antreten konnten, mit einem Fahrkartenumtausch oder der Erstattung der Kosten rechnen.

Autorin: Marion Linnenbrink (dpa, dapd)
Redaktion: Reinhard Kleber