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Wirtschaft

Warnstreik bei der Deutschen Bahn

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer hat für Montagabend zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen - ein Kampf um mehr Geld, aber auch um Einfluss.

Zwischen 18 bis 21 (MESZ) soll sich nach dem Willen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf deutschen Schienen möglichst wenig bewegen: Der angekündigte Ausstand betreffe deutschlandweit neben dem Güterverkehr auch den Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr der Deutschen Bahn (DB), sagte GDL-Streikleiter Thomas Gelling.

Obwohl damit auch Fahrgäste betroffen sein können, zielt der Streik hauptsächlich auf den Güterverkehr: Weil dieser in den Abendstunden anlaufe, dürfte er "am schmerzhaftesten" getroffen werden, sagte Frank Nachtigall, GDL-Bezirksvorsitzender von Berlin. Die GDL hat neben Lokführern unter anderem auch Lokrangierführer und Zugbegleiter zu dem Warnstreik aufgerufen.

Gewerkschaften buhlen um Einfluss

Bei dem aktuellen Tarifstreit geht es nicht nur um eine höhere Entlohnung für Lokführer, Zugbegleiter und Rangierführer, sondern auch um den Konkurrenzkampf zweier Gewerkschaften. Die GDL und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kämpfen um die Gunst der Beschäftigten und damit um mehr Einfluss.

Ursprünglich vertrat die GDL nur Lokomotivführer. Seit 2002 öffnete sie sich jedoch für das gesamte Fahrpersonal der Bahn und kam damit der EVG immer mehr in die Quere. Bislang regelte eine Übereinkunft, wer wen vertreten darf. Diese ist mittlerweile jedoch ausgelaufen und beide Gewerkschaften wollen nun das gesamte Personal vertreten.

Die DB fordert deshalb von der GDL, eine Kooperationsvereinbarung mit der EVG zu unterzeichnen. GDL-Chef Claus Weselsky lehnt diese "tarifpolitische Zwangsjacke" jedoch ab.

Tarifeinheit per Gesetz?

Die DB forderte die GDL dazu auf, ihren Warnstreik-Aufruf zurückzunehmen. Das Unternehmen habe der GDL am Montagmorgen ein neues Tarifangebot vorgelegt, teilte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber mit. Es enthalte die Bereitschaft, über alle Tarifforderungen der GDL für Lokomotivführer zu reden.

Die GDL hatte jedoch nicht nur für die rund 20.000 Lokführer, sondern eben auch für 17.000 weitere Beschäftigte des Zugpersonals Forderungen erhoben. Sie verlangt für alle fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit von 37 Stunden. Die EVG hingegen möchte sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat.

Angesichts drohender Streiks - nicht nur bei der Bahn, sondern auch bei den Piloten der Lufthansa - forderten Arbeitgeber die Bundesregierung auf, die Macht kleiner Gewerkschaften baldmöglichst zu beschränken.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte zuletzt einen neuen Vorstoß unternommen, die Tarifeinheit gesetzlich zu regeln. Danach soll es in großen Unternehmen keine unterschiedlichen Tarifverträge von konkurrierenden Gewerkschaften mehr geben. Ein erstes Eckpunktepapier, das in der Regierung bereits abgestimmt war, war aber Anfang Juli kurzfristig von der Tagesordnung des Kabinetts gestrichen worden.

jw/det (afpd, dpa, rtrd)