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Fußball

War der Fußball früher besser?

Früher war alles besser, das waren noch echte Fußballspiele. Und heute? Die Fans streiten sich und die Weltfußballer selbst schwärmen stets nur von ihrer Zeit. Jetzt gibt es Fakten der Deutschen Sporthochschule.

Helmut Rahn jubelt über seinen Siegestreffer im WM-Finale 1954. (Foto: AP Photo)

Rahn schießt Deutschland zum WM-Titel 1954

WM 1954, das Jahrhundertspiel 1970 – das waren noch Spiele, das waren noch Tore! Die Reporter sind ausgeflippt und unsere Väter und Großväter erinnern sich genau daran, wo und wie sie die deutschen Spiele verfolgt haben. Und natürlich waren es bedeutende, legendäre und unvergessene Spiele – aber waren sie auch schöner? Und könnten die Helden von damals auch heute mithalten? Die Sporthochschule Köln hat genau das untersucht: Historisch wichtige deutsche WM-Spiele von früher bis heute, im Auftrag der Fußball-Zeitschrift "11 Freunde".

Tore schießen, nicht verhindern

Die zentralen Ergebnisse seien sehr aufschlussreich, sagt Stephan Nopp, Mitarbeiter der Arbeitsstelle für Scouting-Studien in Köln. So habe sich gezeigt, dass früher das Tore schießen viel mehr im Vordergrund stand als das Tore verhindern: "Das heißt, wir haben sehr viele Torabschlüsse gehabt und dementsprechend auch viel mehr Tore. Das hat vielleicht auch einen gesellschaftlichen Hintergrund: Heute möchte man möglicherweise das, was man hat, erst einmal sichern und ist weniger bereit, ein Risiko einzugehen. Früher gab es eigentlich nur einen Weg und der ging nach vorne."

Viele Tore = attraktives Spiel?

Thomas Müller und Gerd Müller posieren mit einem Ball. (Foto: AP Photo/Gero Breloer)

Welcher Müller hat die schöneren Tore geschossen? Der von früher (Gerd, r.) oder der von heute (Thomas, l.)?

Es wurde also nicht viel hin- und her- und quergepasst, es wurde geradlinig gestürmt. Schön eigentlich. Zumindest für das Fanauge. Zum Beispiel die Tore bei der WM 1974 von Gerd Müller. Mit wissenschaftlichen Untersuchungen haben die meisten Fußballer wenig am Hut. Und so behaupten viele, dass Müller, Netzer und Fußballkaiser Beckenbauer auch heute noch problemlos mitkicken könnten. Andere bezeichnen die Weltklassespieler von früher jedoch schonungslos als "Standfußballer".

Mittelfeld überlaufen

"Früher spielte man einfach langsamer, weil es nicht notwendig war, noch schneller zu spielen: Der Gegner spielte auch langsam", sagt Nopp. Vielleicht liege das auch daran, dass die Spieler früher nicht so austrainiert gewesen seien. Das sei aber nicht wissenschaftlich belegbar. Zudem seien Müller, Netzer und Beckenbauer 1974 Weltmeister geworden und die heutige Generation noch nicht.

Im Zwang der Taktik

Das Spiel war also langsamer, das ist nun auch wissenschaftlich erwiesen. Keine neue Erkenntnis. Und dass Vorstopper oder Libero bald der Viererkette und anderen taktischen Systeme weichen mussten, ist ebenfalls bekannt. Ob die moderne Taktik allerdings immer attraktiv und erfolgreich ist, bleibt die Frage – man erinnert sich noch allzu gut an das veraltete System, mit dem Otto Rehhagels Griechen 2004 Europameister geworden sind. Auch die Wissenschaft kann nicht beantworten, ob die modernen 4:4:2- oder 4:2:3:1-Systeme die alten schlagen könnten.

Wirkte flüssiger

"Klar ist, dass es heute deutlich mehr Pässe gibt und das heißt, dass mehr kontrollierte Aktionen das Spiel aufbauen", stellt Stephan Nopp fest. Früher spielte man einfach durch die Mitte, heute aus festgelegten Positionen heraus. "Das Mittelfeld wurde damals quasi überspielt, die erste Abwehrreihe wurde überspielt und dann spielte man vier gegen vier." Die Wahrscheinlichkeit, dann ein Tor zu erzielen oder überhaupt zum Torschluss zu kommen, war also deutlich größer. Früher habe man Tore mehr in Kauf genommen und heute werde einfach besser verteidigt. Heute muss man zunächst den Gegner in Unordnung bringen, um Passwege zu öffnen. Und so erscheinen alte Fußballklassiker für den einen oder anderen einfach flüssiger und schöner anzuschauen. Ähnlich argumentiert Nopp: "Ich glaube einfach, dass die Aussage, der Fußball sei früher besser, schöner und attraktiver gewesen, damit zu begründen ist, dass es mehr Torabschlüsse gab."

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Stefan Nestler