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Kultur

Wanderer zwischen den Welten

Jordanien besteht fast nur aus extrem dünn besiedelten Trockengebieten: der Badia. Hier leben die Beduinen in einem extrem empfindlichen Ökosystem.

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Beduinen in der jordanischen Wüste

Die Badia, was so viel heißt wie "Am Anfang" gab den Bewohnern dieser Gebiete, den Beduinen, ihren Namen. Seit Tausenden von Jahren leben die Beduinen zwischen der arabischen Halbinsel und dem Heiligen Land mit ihren Schafen, Ziegen und Kamelen im Einklang mit der Natur. Doch die Zeiten ändern sich. Das politische Pulverfaß Naher und Mittlerer Osten, Israel und der Dauerkonflikt um Palästina, haben Hunderttausende von Menschen entwurzelt und zu Flüchtlingen gemacht. Und die meisten dieser Flüchtlinge strömten nach Jordanien. Zusammen mit einer hohen Geburtenrate führte dies binnen weniger Jahre zu einer Bevölkerungsexplosion. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Beduinen und ihren Lebensraum, die Badia.

Alternative Einkommensquellen

Beduinen Hirte mit seinem Sohn und einer Ziege

Vor rund 30 Jahren wurden immer Menschen in der Region von Viehhaltern zu Viehhändlern. Ein Viehhalter weiß um die vorhandenen Möglichkeiten der Natur. Er kennt seine Grenzen und verhält sich dementsprechend. Aber ein Händler hat ganz andere Interessen. Er will das schnelle Geld machen. Er kauft in den benachbarten Ländern billige Lämmer und importiert sie. Das heißt, die Zahl der Schafe und Ziegen steigt, und das empfindliche Land wird überweidet. So war die Lage in den vergangenen Jahrzehnten und hat schwerwiegende Probleme verursacht. Aber in jüngster Zeit wurden Maßnahmen eingeleitet, um das Schlimmste zu verhindern.

Dazu gehörte vor allen Dingen die merkliche Verringerung der Subventionen für Futtermittel. Damit ging die Anzahl der Schafe und Ziegen fast schon automatisch zurück. Für die Beduinen bedeutete dies jedoch einen schmerzhaften Einschnitt, denn die Tiere gehören untrennbar zu Ihrer Kultur. Doch nun mussten die Beduinen lernen, dass alternative Einkommensquellen auf Dauer mehr bringen als Schafe und Ziegen. Die zukunftsträchtigen Wirtschaftszweige Jordaniens sind Umwelt und Natur. Mohammad Shahbaz vom "Jordan Badia Research and Development Programme" erläutert: "Wir wollen nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch auf erneuerbare Weise nutzen, zum Segen des Landes und der Bewohner der Badia. Das ist unsere Philosophie."

"Traditionelle Lebensformen"

Auch Projektleiter Salim al-Oun weiß - als Beduine und westlich gebildeter Wissenschaftler - um die Schwierigkeiten der Beduinen, sich zu ändern und an die modernen Entwicklungen anzupassen: "Die Beduinen in Jordanien schicken ihre Kinder in die Schule. Sie sind bereit, sich anzupassen. Sie besitzen Fernsehgeräte und Häuser, und die meisten von ihnen sind mittlerweile sesshaft. Aber es wird noch Jahrzehnte oder gar Generationen dauern bis sich die ethischen und moralischen Wertvorstellungen ändern. So geben sie die Viehhaltung nicht auf, ganz im Gegenteil.

Beduine reitet ein Kamel in Sinai Desert

Einige Beduinen schaffen sich wieder Kamele an, was wirtschaftlich keinen Sinn macht. Aber man muss das dahinter stehende Wertesystem verstehen und Nachsicht üben. Denn die nächste Generation wird sich sicherlich von der traditionellen Lebensform verabschieden. Vielleicht werden sie sich dem 'Sanften Tourismus' zuwenden, den wir hier einführen wollen."

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