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Wirtschaft

Wall Street wird ungemütlich

Die rechtlichen Folgen der Unternehmensskandale in den USA erreichen jetzt auch europäische Vorzeigeunternehmen. Die Manager wehren sich dagegen, per Eid für die Richtigkeit ihrer Bilanzen gerade zu stehen.

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Die US-Börsenaufsicht interessiert sich auch für ihn: Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann

Bayer, Vivendi, Deutsche Bank - die Liste der europäischen Unternehmen, die ihre Aktien auch an der Wall Street handeln lassen, ist in den vergangenen Jahren immer länger geworden. Die Vorteile liegen auf der Hand: US-amerikanische Investoren, vor allem die großen Fond-Gesellschaften, können so einfacher in die Werte aus Europa investieren.

Mit einem Fuß im Gefängnis?

Inzwischen ist jedoch bei dem ein oder anderen Manager die Freude über das Engagement in New York verflogen. Denn wer an der Wall Street notiert ist, muss sich an die dortigen Regeln halten; und die sind in den letzten Monaten erheblich verschärft worden. Nach den Milliarden-Betrügereien von Enron, Worldcom&Co verlangt die amerikanische US-Börsenaufsicht SEC jetzt, dass die Bilanzen von börsennotierten Unternehmen beeidet werden. Im Klartext: Wenn ein Manager wider besseren Wissens falsche Zahlenwerke beeidet, kann er dafür ins Gefängnis wandern.

Die Entscheidung der SEC, auch ausländische Manager persönlich für ihre Bilanzen haften zu lassen, ist vor allem in Deutschland auf scharfe Kritik gestoßen. "Das ist nicht gerade eine Werbemaßnahme für den US-Kapitalmarkt", so Peter Wiesner vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Das Bundesjustizministerium sprach von einem "Schnellschuss". Eine Sprecherin bemängelte, dass die USA einseitig Fakten schaffen würden, anstatt zu kooperieren. Auch die britische Industrie kritisierte, die USA wollten der Globalisierung ihren Stempel aufdrücken.

Es gibt auch andere Stimmen. "Wenn deutsche Unternehmen auf dem amerikanischen Spielfeld spielen wollen, dann müssen sie dies natürlich nach den amerikanischen Regeln tun. Hier gilt der Grundsatz: Wer nichts zu verbergen hat, kann sicherlich auch Eide schwören." Das sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in einem Interview mit DW-TV.

EU sucht Kompromiss

Die EU-Kommission betonte inwischen, dass der Beschluss rechtlich nicht anfechtbar sei. Dennoch will Brüssel für die europäischen Unternehmen noch etwas herausholen: Für europäische Wirtschaftsprüfer sollen Sonderregeln gefunden werden. Die großen Unternehmen in der EU aus der Branche würden sonst eine unnötige und lastenreiche zweite öffentliche Aufsicht erhalten, schrieb EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein an den Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt.

Dabei ist die Bilanzbeeidung noch nicht der einzige Haken der neuen US-Gesetze für deutsche und europäische Unternehmen. Denn zu dem von der US-Regierung erlassenen "Sarbanes-Oxley Act of 2002" gehören noch weitere Maßnahmen, die deutschem Recht ins Schwierigkeiten bringen könnten. Besonders brisant ist dabei, dass auch die Präsenz von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat den neuen US-Vorschriften widersprechen würde. Die Mitbestimmung ist in Deutschland aber gesetzlich garantiert.

Bremst Porsche die Fahrt an die Wall Street?

Mit einem massenhaften Rückzug deutscher Unternehmen vom US-Börsenparkett ist aber wohl nicht zu rechnen. "Das ist für uns kein Thema", bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bank. Allerdings werden sich nun einige Firmen gründlich überlegen, ob sie in den US-Kapitalmarkt einsteigen. Ein Sprecher des Autoherstellers Porsche beispielsweise, der bis Ende des Jahres über einen Börsengang in den USA entschieden will, sagte: "Das fließt natürlich in unsere Überlegungen ein." (hh)

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