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Wirtschaft

Wall-Street-Proteste gehen weiter

Seit Wochen besetzen Demonstranten in Downtown Manhattan die Umgebung rund um die Wall Street: Die hohe Arbeitslosigkeit und die Gier der Finanzindustrie sind es, was sie auf die Straße treibt.

Eine große Menschengruppe marschiert auf der Brooklyn Bridge (Foto: dapd)

Vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit wird protestiert

Trommelklänge sollen die Aufmerksamkeit der Passanten erregen. Überall liegen Schlafsäcke, Matratzen, Plakate, dazwischen wuseln junge Menschen umher. Hier erstreckt sich das Lager, das sich die Demonstranten auf einem Platz eingerichtet haben. Inzwischen sind es einige Hundert, jeden Tag kommen mehr dazu. "Occupy Wall Street" - "Besetzt die Wall Street" nennt sich die Bewegung.

Katie ist neu hier. Sie sitzt auf dem Boden und malt Plakate. Sie sei hier, weil sie die Welt wieder zu dem machen wolle, was sie sein sollte, sagt die junge Frau. Geld regiere die Welt, sollte es aber nicht.

Lager der Besetzer auf der Wall Street (Foto: Annika Krempel)

Ungewöhnliche Zustände im Finanzdistrikt in Manhattan

"Wir sind die 99 Prozent" - steht auf den vielen Plakaten der Demonstranten. Und der Slogan ist auch gleichzeitig das Hauptanliegen der Demonstranten: "In der Gesellschaft gibt es eine Kluft", sagt Katie. "Zwischen den 99 Prozent unten, dem Großteil der Bevölkerung, und dem einen Prozent oben." Die oben würden immer mehr Reichtum anhäufen, aber denen, die weiter unten in der Gesellschaft stehen, nichts zurückgeben.

Ende des American Dream

Ein junges Paar sitzt auf einer Matratze und liest (Foto: Annika Krempel)

Das Pärchen ist hat sich auf ein Dauerlager eingerichtet

Es sind viele Dinge, die ihnen auf der Seele brennen. Die Demonstranten protestieren gegen Korruption und Kriege gleichermaßen wie gegen Arbeitslosigkeit oder die Todesstrafe. Besonders frustriert sie jedoch die wachsende soziale Ungleichheit. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auf. Der "American Dream", wonach jeder, der arbeitet, gut leben kann, existiere kaum noch - so die Meinung unter den Demonstranten. Sie fühlen sich von denen da oben über den Tisch gezogen.

Auch Kyle demonstriert mit. Er ist unter 25 und findet seit Jahren keinen Job: "Wir protestieren dagegen, dass einzig Lobbyisten und die Reichsten des Landes in unserer Demokratie etwas zu sagen haben." Er hat den Glauben in das politische System der USA verloren. "Wir können über Wahlen nichts mehr erreichen", sagt Kyle.

Ungewöhnliche Proteste

Zusammenstöße mit der Polizei auf der Brooklyn Bridge (Foto: dapd)

Am vergangenen Samstag kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei

Proteste dieser Art sind ungewöhnlich in den USA. Hier gehen die Menschen weitaus seltener auf die Straße als in Europa. Diese Demonstration bricht zudem Rekorde: Aufgrund ihrer Dauer. Seit fast drei Wochen wird hier bereits protestiert. Am vergangenen Samstag (02.10.2011) kam es zu medienwirksamen Verhaftungen, als mehrere hundert Demonstranten die Brooklyn Bridge blockierten.

Sie werden bleiben, so lange es sein muss, sagt Hero. Er ist seit dem ersten Tag dabei und gehört zu denjenigen, die das Lagerleben mitorganisieren und am Laufen halten. Man hätte schon vor drei Jahren auf die Straße gehen sollen, meint er. "Aber damals hatten die Menschen noch Hoffnung, dass es besser werden würde, dass die Konjunkturpakete helfen." Jetzt sehen sie, dass sich nichts geändert hat.

Soziale Unruhen drohen

Drei junge Menschen sitzen im Lager an der Wall Street mit US-Flagge in der Hand (Foto: Annika Krempel)

Die Besetzer sind vorwiegend junge Menschen

Dabei geht es den Demonstranten nicht darum, dass sie den Kapitalismus grundsätzlich ablehnen. Christopher ist Student, in den vergangenen Tagen ist er tagsüber in seine Vorlesungen gegangen und abends zu den Demonstranten im Finanzdistrikt. Eigentlich findet er die Idee der freien Märkte richtig, aber momentan bekäme die untere Schicht einfach keine faire Chance.

Christopher malt die Zukunft mit düsteren Farben: "Die Kriminalitätsrate steigt bereits. Wenn die Arbeitslosigkeit und Armut schlimmer werden, dann haben wir das absolute Chaos." Der Klassenkampf könne zu sozialen Unruhen führen. Der New Yorker Protest findet bereits landesweite Nachahmer. Auch in Chicago, Los Angeles oder Pittsburgh ist es bereits zu "Besetzt die Wall Street"-Demonstrationen gekommen. Im sozialen Netzwerk Facebook hat die Idee bereits über 85.000 Fans.

Autorin: Annika Krempel, New York
Redaktion: Henrik Böhme

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