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Wirtschaft

Wall Street: Allianz geht, die Asiaten kommen

Früher war für deutsche Konzerne ein Listing an der Wall Street ein Muss. Doch viele machen jetzt einen Rückzieher. Die Allianz-Aktie verschwindet vom New Yorker Kurszettel. Stattdessen kommen die Asiaten.

Streßenschild der Wall Street in New York vor US-Flagge (Foto: AP)

Die Wall Street - früher ein Muss für deutsche Konzerne, heute ein Kostenfaktor

Händler jubeln an der New Yorker Börse (Foto: AP)

Die Goldgräberstimmung in New York hat auch viele deutsche Unternehmen angelockt

Am Ende des 20. Jahrhunderts herrschte noch Goldgräberstimmung an der Wall Street - junge, aufstrebende Technologie-Firmen beflügelten die Märkte. Und wer an der Wall Street gelistet war, der war dabei: Global und international am Puls der Zeit. So zog es vor rund neun Jahren auch viele deutsche Unternehmen an die berühmte New Yorker Börse.

Im November 2000 zieren riesige blaue Stoffbahnen die New York Stock Exchange. Niemand in der Finanzwelt soll die frohe Botschaft übersehen: Der deutsche Allianz-Konzern geht mit allem, was die Wall Street zu bieten hat, an die Börse. Doch rund neun Jahre später ist von dem Überschwang nichts mehr übrig. "Wir haben festgestellt, dass die Aktien von einem Unternehmen immer am liquidesten Markt gehandelt werden. Und im Falle der Allianz ist das aktuell der Frankfurter Handel", sagt Sabia Schwarzer, Sprecherin von Allianz of America.

Heute wird global gehandelt

Chinesischer Makler vor der Kurstafel der Börse in Shanghai (Foto: AP)

Börse in Shanghai: Das Handelsvolumen verlagert sich nach Ostasien

Eine ernüchternde Bilanz, die vor der Allianz auch schon andere deutsche Firmen gezogen haben: Eon, BASF oder Bayer - sie alle haben der Wall Street nach wenigen Jahren den Rücken gekehrt. "Das Marktgeschehen war damals auf die USA ausgerichtet", sagt Richard Peterson, Director Markets bei Standard & Poors, "doch heute läuft alles global. So hat sich auch viel Handelsvolumen nach Asien, vor allem nach China verlagert."

In den vergangenen Jahren sah es allerdings auch an asiatischen Marktplätzen düster aus. "Alle gehen und keiner kommt", klagten die führenden Finanzplätze rund um den Globus. Ob Tokio, London oder Frankfurt - wegen der Wirtschaftskrise hatte es weltweit jahrelang nahezu keine neuen Börsengänge gegeben. Erst seit Beginn dieses Jahres sind die Unternehmen wieder mutig. Im September gab es in New York so viele Neuemissionen wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Von Shanghai nach New York

Börsensaal in Hongkong (Foto: dpa)

Börsensaal in Hongkong: Die dicken Fische gehen nach New York

Und ausgerechnet die Asiaten preschen hier vor: Von den zehn größten Börsengängen in New York kamen sieben aus China oder Indien. Unter ihnen Giganten wie die China National Pharma Group. Eine rasante Kehrtwende: Noch zu Boomzeiten 2006 sorgte die Bank of China mit dem weltweit größten Börsengang für Aufsehen. Fast zehn Milliarden Dollar hat die zweitgrößte staatliche Bank damit bei Anlegern eingesammelt - an den Börsen in Shanghai und Hongkong.

An die Wall Street in New York dachte bei dem Coup niemand - obwohl die Börse in New York immer als diejenige galt, an der schnell viel Kapital zu holen war. Jetzt heißt es: "Asia goes Wall Street." Lang erwartet ging in diesem Jahr zum Beispiel die "China State Construction", das größte Bauunternehmen der Volksrepublik China, an die Börse. Und zwar wo? An der Wall Street.

Autorin: Miriam Braun
Redaktion: Rolf Wenkel