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Erderwärmung

Waldbrände weltweit: Der Klimawandel ist Schuld

Verheerende Waldbrände haben diesen Sommer große Teile Südeuropas und Kanadas verwüstet. Es sind nicht die einzigen Gegenden wo es brennt. Es scheint, als würde die halbe Welt brennen. Ist das die neue Normalität?

Screenshot NASA FIRMS web fire mapper (NASA/FIRMS)

Alle Waldbrände dieses Jahres auf der Interaktiven Waldbrandkarte des NASA FIRMS Web Fire Mapper

In der kanadischen Provinz British Columbia wüten die schlimmsten Waldbrände, die je aufgezeichnet wurden. Fast 900.000 Hektar Vegetation wurden bereits zerstört, sagen die örtlichen Behörden. Große Gebiete im Westen der USA sind ebenfalls von Feuern betroffen. 

Währenddessen in Europa: In der portugiesischen Stadt Mação wurden jüngst 2000 Menschen von Feuer und Rauch umzingelt. In einer benachbarten Bergregion fielen im Juni über 60 Menschen den Flammen zum Opfer. Viele starben, als sie im Auto fliehen wollten. 

In Kanada und Südeuropa gab es Rekord-Hitzewellen dieses Jahr. Die hohen Temperaturen und Trockenheit haben auch in Italien, Kroatien, Spanien und Griechenland große Waldbrände angefacht. In Europa gab es diesen Sommer dreimal so viele Waldbrände wie sonst.

Doch nicht nur Kanada und Südeuropa sind betroffen. Sogar in Sibirien haben Flammen hunderte Häuser und etwa 700 Hektar des armenischen Walds zerstört. Anfang des Jahres wüteten in Chile so schlimme Waldbrände wie noch nie. Auch in Grönland, das nicht bekannt für heißes, trockenes Wetter ist, gab es Großbrände.

Portugal Waldbrände (picture alliance/dpa/AP/A. Franca)

Das Zentrum Portugals ist am schlimmsten von den Bränden betroffen.

Das große Ganze

"Viele diese Dinge passieren auf lokaler Ebene, aber die Menschen bringen das nicht mit Klimawandel in Verbindung", sagte Kevin Trenberth, Wissenschaftler am Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung in den USA. "Der Klimawandel ist ein Teil davon und das Risiko erhöht sich wegen des Klimawandels."

Je wärmer die Erde wird, desto wahrscheinlicher werden häufige und großflächige Waldbrände, meinen Forscher. "Es gibt zu viel extra Hitze und die muss irgendwo hin", sagte Trenberth gegenüber der DW. "Ein Teil der Hitze führt zu steigenden Temperaturen. Aber zuerst trocknet sie Pflanzen aus und das erhöht das Waldbrandrisiko."

Auf der Karte oben sieht es so aus, als stünde die ganze Welt in Flammen. Es sind die Daten von NASA-Satelliten über Waldbrände seit Anfang 2017 bis Mitte August. Der Eindruck einer verbrannten Welt entsteht nicht zuletzt aufgrund des groben Darstellungsrasters. Und es stellt sich die Frage: Hat das Jahr 2017 einen neuen Rekord an Waldbränden gesetzt?

Kanada Cache Creek Waldbrand (picture-alliance/empics/D. Dyck)

Am 8. Juli steht der Wald in British Columbia in Flammen - der größte Waldbrand in der Provinz seit 50 Jahren.

Harte Konkurrenz

Bisher scheint es ein großes Jahr für Waldbrände in Südeuropa und Nordamerika gewesen zu sein. Aber laut Martin Wooster, Professor für Erdbeobachtung am King's College London, gab es in anderen Teilen der Welt weitaus schlimmere Jahre.

"Die Brände heuer in Südostasien werden sehr unwahrscheinlich so verheerend sein wie die Flammen in 2015", sagte er der DW. 

Vor zwei Jahren hat eine Dürre, verursacht durch das Wetterphänomen El Niño, Flächenbrände in Indonesien begünstigt. Die biologische Widerstandsfähigkeit der Urwälder war bereits durch Rodungen geschwächt. Hinzu kam, dass Moore trockengelegt worden waren, um Torf abzubauen. Der hatte sich entzündet und es bildeten sich Schwelbrände, die das Feuer monatelang am Leben hielten.

"Das hat zu riesigen Bränden geführt. Sie waren viel größer als das, was wir gerade in Europa sehen. Und sie haben mit die schlimmsten Luftverschmutzungen verursacht, die wir je erlebt haben", sagte Wooster. 

Satellite wildfire photo (NASA)

Satellitenbilder der NASA zeigen Waldbrände in Schweden Anfang August.

Längere Brände – längere Erholungszeit

Der Trend deutet auf längere und brutalere Waldbrand-Saisons. "Im Westen der USA glaubt man bereits, dass es keine bestimmten Jahreszeiten für Waldbrände mehr gibt. Es wird wohl in Zukunft das ganze Jahr über durchgehend brennen", sagte Trenberth der DW. 

Aber nicht alle Feuer sind schlecht: In vielen Gegenden der Welt sind Flächenbrände ein Teil des natürlichen Kreislaufs. Zum Beispiel werden Savannen durch Feuer erhalten. Manche Bäume brauchen Flammen, um ihre Samen freizusetzen.

Menschliche Interventionen können den Kreislauf durcheinander bringen. Wenn kleine Feuer gelöscht werden, sammeln sich brennbare Abfälle so lange, bis gewaltige Feuer ausbrechen, die nicht mehr kontrolliert werden können.

Aufgrund der globalen Erderwärmung wird es an vielen Orten immer heißer und trockener werden – perfekte Bedingungen für regelmäßig verheerende Waldbrände. Auch vorausschauendes Forstmanagement wird daran wenig ändern können. Wegen veränderter Klimabedingungen kann es länger dauern, bis sich Wälder erholen. Währenddessen brechen Brände auch in Lebensräumen aus, wie den Tropen, die eine solche natürliche Symbiose mit Feuer nicht haben.

Frankreich Waldbrände (picture-alliance/MAXPPP/F. Fernandes)

Ein Flächenbrand lodert in der Nähe von Nizza in Frankreich im Juli.

Menschlicher Fingerabdruck

Viele Menschen verursachen zudem Waldbrände auch ganz ohne den Klimawandel. Viele der diesjährigen Brände in Europa und Nordamerika sind das Ergebnis einer unachtsam weggeworfenen Zigarette oder unkontrollierter Lagerfeuer.

In Regionen wie dem Amazonas, wo die jährliche Waldbrandzeit zwischen 1979 und 2013 um 19 Prozent länger geworden ist, legen Landwirte Brände sogar absichtlich. "Bauern legen Brände, um ein Gebiet zu roden. Unter trockenen Bedingungen geraten die Feuer außer Kontrolle, weil die Vegetation so trocken ist", erklärte Trenberth. 

Und all das hat Wechselwirkungen – je mehr Wälder brennen, desto mehr CO2 und andere Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre, die wiederum den Klimawandel befeuern. 

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