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Wirtschaft

Wal-Mart im Clinch mit den Gewerkschaften

Wal-Mart und die Gewerkschaften kämpfen mit harten Bandagen: Es geht um Billiglöhne. Nun hat der US-Discounter im kanadischen Jonquière seine Großfiliale zugemacht - kurz nachdem sich die Mitarbeiter organisiert hatten.

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Mächtiger Gegner mit schlechtem Ruf in Nordamerika

Bürgermeister Jean Tremblay ist sauer auf Wal-Mart. Der amerikanische Discounter hat in Tremblays französisch-kanadischer Gemeinde Jonquière sein Supercenter dichtgemacht. 190 Angestellte verlieren ihren Job. Ein harter Schlag für die 60.000-Einwohner-Stadt. "Wal Mart hält sich zwar an die Gesetze, respektiert aber nicht die Regeln", schimpft der Bürgermeister. "Aber Wal-Mart ist so groß, die können sich das erlauben."

Bei Tarifverhandlungen kam das Aus

Äußerlich unterscheidet sich der Wal-Mart in Jonquière nicht von den anderen Supermärkten des Discount-Giganten: ein quadratischer Industriebau in Graublau, umgeben von einem riesigen Parkplatz. Doch Jonquière ist einzigartig: Es war der erste von 3900 Wal-Mart-Läden in Nordamerika, dessen Belegschaft es schaffte, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Die Verhandlungen über einen Haustarif hatten begonnen, da war Schluss.

Die Begründung Wal-Marts: Die Ansprüche der Gewerkschaft hätten den Markt unwirtschaftlich gemacht. Das will hier niemand glauben. Kassiererin Sylvie Lavoie bleibt trotz der Schließung bei ihrer Meinung: "Ich bereue nicht in der Gewerkschaft zu sein und auch nicht, den Kampf aufgenommen zu haben."

Rekordniveau bei Umsatz und Beschwerden

Wal-Markt in Jonquiere Kanada

Geschlossen wegen Lohnforderungen: zwei Wal-Mart-Mitarbeiter vor der Filiale in Jonquiere, Kanada.

Wal-Mart ist ein mächtiger Gegner. Vergangenes Jahr setzte die Kette 285 Milliarden Dollar um - mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Argentinien, Venezuela und Ecuador zusammen. Mit 1,3 Millionen Mitarbeitern ist der Konzern der größte private Arbeitgeber der USA.

Der Negativrekord: Gegen kein anderes Unternehmen liegen derart viele Beschwerden vor. Selbst Investoren beginnen sich zu fragen, ob die Glanzzeiten des einstigen Wall-Street-Lieblings vorbei sind. "Es gibt eine Menge negativer Schlagzeilen für Wal-Mart", sagt Patricia Edwards, Vermögensverwalterin bei Wentworth, Hauser & Violich. "Konflikte mit der Gewerkschaft, eine ganze Reihe Klagen gegen den Konzern. Vieles was Wal-Mart auch künftig in der Presse halten dürfte."

Pünktlich zum Muttertag am 8. Mai laufen in den USA Proteste gegen den weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart an. Unter dem Motto "Love Mom, not Wal-Mart" rufen die Initiatoren - Kongressabgeordnete und Gewerkschaften - dazu auf, keine Muttertagsgeschenke bei Wal-Mart zu besorgen. Der Konzern diskriminiere Frauen, so der Vorwurf. Er benachteilige seine weiblichen Angestellten bei Bezahlung und Beförderung.

Wal-Mart: Tiefpreise helfen Ärmeren

Das Unternehmen wehrt sich. Wal-Mart versetze durch die niedrigen Preise gerade einkommensschwache Familien in die Lage, mehr zu kaufen, was der lokalen Wirtschaft helfe. Die Tiefstpreise kann Wal-Mart bieten, weil der Discounter wie kein anderer auf Billiganbieter in Asien setzt. Wal-Mart kaufte im vergangenen Jahr für 18 Milliarden Dollar in China ein - das macht etwa halb so viel wie die gesamten China-Importe Deutschlands. Kritiker werfen Wal-Mart vor, bereits die asiatischen Zulieferbetriebe so unter Druck zu setzen, dass Arbeiter dort unter miserabelsten Bedingungen schuften müssen.

Gaétan Plourde, der durch die Schließung des Wal-Marts in Jonquière nun arbeitslos ist, tröstet sich damit, Teil einer größeren Bewegung zu sein: "Wenn sich die Situation mit den multinationalen Konzernen in unserem Land nicht ändert, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um unsere Kinder. Deshalb setze ich mich so engagiert für diese Sache ein." Wal-Mart hinterlässt weltweit Spuren - der leere graublaue Bau in Kanada ist nur eine davon.

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