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Wahre Kunstwerke

Was Kunst ist und was nicht, wird wohl immer ungeklärt bleiben. Denn bekanntlich liegt sie im Auge des Betrachters. Doch zu zeigen, dass die deutsche Sprache mit der Kunst keine Probleme hat, ist wirklich keine Kunst.

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Wahre Kunstwerke

Vielleicht waren die Wörter „können“ im Sinne von „zu etwas fähig sein“ und „kennen“ im Sinne von „wissen“ ja mal ein und dasselbe. Verwandt sind sie auf jeden Fall. Ob sich das Substantiv „Kunst“ nun von „können“ oder „kennen“ ableitet, ist so gesehen fast egal. Kunst bedeutet beides: sowohl Wissen und Kenntnis, als auch Fähigkeit und Geschicklichkeit. Dass Kunst etwas ist, was dabei herauskommt, wenn ein Künstler ans Werk geht, kam dann erst im 18. Jahrhundert als Bedeutung hinzu.

Freie und andere Künste

Eine Büste von Aristoteles

Dichter und Denker der Antike: Aristoteles

Jemand, der in der Antike als wirklich gebildet gelten wollte, musste sich mit den sieben freien Künsten befassen. Das waren Dinge wie Mathematik, Musik und Rhetorik – und sie galten als frei, weil man damit kein Geld verdienen musste. Als Künstler und Philosoph musste man also damals wohlhabend sein, denn leben konnte man davon nicht.

Und so viel anders ist das heute auch nicht. Wer von der Tonkunst, also der Musik, leben kann, muss schon großes Glück haben. Und für so manchen Philosophen oder Bildhauer ist seine künstlerische Berufung eine brotlose Kunst. Um zu überleben, braucht er einen Brotberuf, also einen, der ihm sein Auskommen sichert.

Respekt vor der Kunst

Auf einem Atlas, der Europa und einen Teil Afrikas zeigt, sind in Frankfurt am Main mehrere Zettel mit Esperanto-Wörtern und deren bildlicher Darstellung zu sehen

Die Kunstsprache Esperanto hat sich nirgendwo auf der Erde richtig durchgesetzt

Respekt allerdings drücken die zusammengesetzten Substantive, die den Begriff „-kunst“ in sich tragen, aus, angefangen von der Sangeskunst und der Kampfkunst über die Redekunst bis zur Liebeskunst. Steht der Begriff allerdings am Anfang eines zusammengesetzten Substantives, dann meint er oft, dass etwas künstlich ist. Es ist dann unnatürlich, von Menschen gemacht.

Kunstschnee fällt nicht vom Himmel, sondern kommt aus der Maschine, Kunststoff wird chemisch hergestellt und kommt in der Natur nicht vor, Kunstblumen sollen möglichst natürlich aussehen, sind aber Kunstprodukte. Kunstsprachen werden von erfundenen Wesen in phantastischen oder künstlichen Welten gesprochen.

Wie künstlich und gekünstelt

Künstlich bedeutet neben „unnatürlich“ auch noch „unecht“. Eine verfremdete Stimme in einem Popsong klingt künstlich, ein Gesicht nach einer Schönheitsoperation wirkt künstlich – und die preiswerte Tiefkühlpizza schmeckt natürlich auch künstlich.

Das Adjektiv gekünstelt wird vor allem für menschliches Verhalten verwendet, das unnatürlich wirkt. Das gilt für die gekünstelte Sprache ebenso wie für das gekünstelte Lachen oder gekünstelte Bewegungen.

Kunst und Können

Kunst kommt von Können.“ Dieses geflügelte Wort entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Es wird seither immer gerne verwendet, wenn ein Kunstwerk, ein Bild, eine Skulptur oder ein Musikstück nicht verstanden wird, oder herabgewürdigt, schlecht gemacht werden soll. Klar ausgedrückt, signalisiert es einem Künstler: Du kannst nichts. Eine ironische Erweiterung stammt von dem deutschen Schriftsteller Ludwig Fulda. Der Autor veröffentlichte 1894 dieses Sinngedicht:

„Weiß nicht, was echte Künstler sollen
Mit eurem theoretschen Schwulst;
Kunst kommt von Können, nicht von Wollen:
Sonst hieß es Wulst.“

Solche und ähnliche Sprüche dienten im Dritten Reich dazu, die sogenannte entartete Kunst, also Kunstwerke und Künstler, die nicht zur Ideologie der Nazis passten, zu diffamieren.

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Werk des Künstlers Joseph Beuys mit dem Titel Ich kenne kein Weekend : Ein Kant-Buch liegt neben einer Maggi-Flasche

Beuys-Kunstwerke wie dieses sind oft umstritten

Hin und wieder wird Kunst auch einfach nicht als solche erkannt. Das passiert vor allem, wenn Alltagsgegenstände in Kunstwerke integriert sind, zu Kunstinstallationen werden. Da wird ein Fettfleck auf dem Boden aufgewischt oder eine Babybadewanne, die Teil eines Kunstwerkes ist, bei einer Feier zum Gläserspülen verwendet.

In beiden Fällen handelte es sich übrigens um Kunstinstallationen des deutschen Künstlers Joseph Beuys. Gern gestellt wird auch die Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“, wenn das Künstlerische an einem Kunstwerk mal wieder so gar nicht sichtbar ist.

Was macht die Kunst?

Das Gemälde Frauenkopf von Pablo Picasso

So zu malen, ist eine Kunst für sich

Die umgangssprachliche Frage: „Was macht die Kunst?“ bezieht sich dagegen – wie auch die meisten Redensarten und Sprichwörter, in denen es um Kunst geht –, weniger auf Kunstwerke als auf Fähigkeiten und Fertigkeiten. Eigentlich ist es ein Zitat aus dem Trauerspiel Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Dort fragt ein Prinz einen Maler: „Was macht die Kunst?“ und erhält zur Antwort: „Die Kunst geht nach Brot.“

Zunächst wurde diese Frage gestellt, wenn man sich danach erkundigen wollte, wie es im Beruf so läuft. Heute ist es eine eher veraltet anmutende Form der Frage: „Wie geht’s dir? Was machst du?“ Auch wer sagt: „Das ist eine Kunst für sich“, drückt damit Respekt vor den Fähigkeiten anderer Leute aus. Wer dagegen mit seiner Kunst am Ende ist, der weiß nicht weiter. Nur wer meint, dass das doch keine besondere Kunst sei, der ist davon überzeugt, dass etwas einfach ist.

Kunst ist …

Und was genau ist Kunst nun? Der Bildhauer und Maler Pablo Picasso soll einmal gesagt haben: „Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten.“ Der wusste es also auch nicht. Der Volksmund mag da eher eine Antwort parat haben. Denn hier heißt es etwa: „Kunst liegt im Auge des Betrachters“ oder „Kunst ist, was andere dafür halten. Und wem das nicht genügt, der kann sich mit dem Dichter Friedrich Schiller entspannen. Der meinte: „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.“




Arbeitsauftrag
Die deutsche Sprache ist reich an künstlichen Kunstworten. Seid euer eigener Wortkünstler und bildet mindestens zehn Kunstwörter. Einige Anregungen gibt’s hier: http://bit.ly/1kM6pNO.

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