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Politik

Wahlsieg und Niederlage für Lula

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat die Wiederwahl zum Staatspräsidenten im ersten Urnengang überraschend verpasst und muss nun in die Stichwahl. Sein Gegner ist der Chef der Sozialdemokraten.

Nach dem Wahlsieg mit dem bitteren Geschmack der Niederlage hüllte sich Lula zunächst stundenlang in Schweigen

Nach dem Wahlsieg mit dem bitteren Geschmack der Niederlage hüllte sich Lula zunächst stundenlang in Schweigen

Lula kam am Sonntag (1.10.2006) auf 48,6 Prozent der Stimmen und verfehlte damit die Wiederwahl im ersten Wahlgang um etwas mehr als einen Prozentpunkt. Er muss nun am 29. Oktober im zweiten Wahlgang gegen den ehemaligen Gouverneur von São Paulo, Geraldo Alckmin, von den Sozialdemokraten PSDB antreten. Alckmin kam auf 41,6 Prozent der Stimmen.

Geraldo Alckmin wird gegen Lula antreten

Geraldo Alckmin wird gegen Lula antreten

Alckmin zeigte sich sehr zufrieden: "Ich habe in ganz Brasilien ein enormes Vertrauen bekommen. Ich gehe in den zweiten Wahlgang mit großen Chancen zu gewinnen." Alckmin betonte, dass seine Partei bei den Wahlen zulegen konnte. Mit José Serra in São Paulo und Aécio Neves in Minas Gerais konnte sie in den zwei bevölkerungsreichsten Staaten Brasiliens außerdem die Gouverneurswahlen gewinnen.

Weitere Abstimmungen

Außer über den neuen Präsidenten stimmten am Sonntag die Brasilianer auch über 27 Senatoren, 27 Gouverneure und 513 Bundesabgeordnete ab. Für das Amt des Präsidenten waren acht Kandidaten angetreten.

Auf dem dritten Platz landete die Kandidatin der Linkspartei P-SOL, Heloísa Helena, mit 6,9 Prozent. Der Kandidat der gemäßigten Linken PDT, Cristovam Buarque, kam auf 2,7 Prozent.

Keine ernsten Zwischenfälle

Am Wahltag hatte sich Präsident Lula noch zuversichtlich gezeigt, als er in einer Schule in seinem Wohnort São Bernardo do Campo bei São Paulo wählen ging. "Ich bin davon überzeugt, dass wir die Wahlen heute gewinnen können."

Die Wahlen verliefen reibungslos. Einer der größten Zwischenfälle wurde aus dem Bundesstaat Amazonas gemeldet: Hier flog eine Urne ins Wasser, die auf einem Boot transportiert worden war.

In São Paulo, der größten Stadt Brasiliens, bildeten sich nur wenige Schlangen vor den Wahllokalen. Auf Listen suchten die Wähler die Nummern ihrer Kandidaten, da so gut wie an allen der 380.000 Urnen elektronisch abgestimmt wurde.

Angst vor einem neoliberalen Projekt

Elektronisch war die Wahl auch im Colégio São Luís, ein Wahllokal nur 50 Meter von der Avenida Paulista, dem Finanzzentrum São Paulos, entfernt. Zahlreiche Wähler gaben hier an, für den Kandidaten Alckmin gestimmt zu haben: "Ich habe Alckmin gewählt, weil ich glaube, dass er derjenige ist, der den Wandel bringen kann - einen sozialen, moralischen und zivilen Wandel."

Andere hatten vor vier Jahren noch Lula gewählt, diesmal aber für Heloísa Helena gestimmt, eine Dissidentin der Arbeiterpartei: "Weil sie eine Frau ist und weil sie als einzige gegen alle Korrupte angegangen ist und sie angeklagt hat", sagte jemand.

Man findet aber auch Menschen, die für Lula gestimmt haben: "Ich wähle Lula, weil ich ein neoliberales Projekt verhindern möchte", sagt zum Beispiel eine Krankenschwester. "Wir Arbeiter verlieren seit zehn Jahren immer mehr der Rechte, die wir uns hart erkämpft haben."

Stichwahl am 29. Oktober

Vor allem im ärmeren Nordosten des Landes erzielte Lula einen Erdrutschsieg. Hier kam er auf zwei Drittel der Stimmen, im Bundesstaat Maranhão sogar auf 76 Prozent.

Dagegen konnte sein Gegenkandidat Alckmin nicht nur im reichen Süden des Landes, sondern auch in Zentral- und Westbrasilien gut abschneiden. Im bevölkerungsreichsten Teil des Landes, dem Südosten, lag Alckmin knapp vorne - Stimmen, die Lula zur direkten Wiederwahl fehlten. Am 29. Oktober findet die Stichwahl zwischen Lula und Alckmin statt. Sie wird entscheiden, wer die nächsten vier Jahre brasilianischer Präsident wird.

Überschattet wurden die Wahlen vom schwersten Flugzeugunglück der brasilianischen Geschichte. Am Freitag war eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft Gol im Bundesstaat Mato Grosso abgestürzt. Dabei waren alle 155 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

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