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Nahost

Wahlsieg der Islamisten am Nil offiziell

Zwei Islamisten-Parteien, die Muslimbrüder und die Salafisten, kommen bei der ersten freien Wahl in Ägypten auf 70 Prozent. Ob sie auch die Regierung stellen, ist unklar, weil die neue Verfassung noch nicht fertig ist.

Demonstration (Foto: AP)

Demonstration mit Koran

Knapp ein Jahr nach dem Aufstand gegen den inzwischen gestürzten Machthaber Husni Mubarak steht in Ägypten das Ergebnis der ersten freien Parlamentswahl fest. Wie sich bereits in den vergangenen Wochen angedeutet hatte, konnten die islamistischen Parteien eine überwältigende Mehrheit von insgesamt 70,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Liberale in der Minderheit

Das Logo der Muslimbrüder

Das Logo der Muslimbrüder

Laut offiziellem Endergebnis, das die Wahlkommission am Samstag (21.01.2012) bekanntgab, wurden die Muslimbrüder mit 45,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Die Muslimbrüder nennen sich selbst "moderat islamisch". Sie haben 228 von insgesamt 498 Sitzen im neuen Parlament, das am Montag zu seiner ersten Sitzung zusammenkommen soll. Die "Partei des Lichts" ("Hizb al-Nur") kam zusammen mit anderen kleineren Parteien der sogenannten Salafisten auf 24,6 Prozent der Stimmen und damit auf insgesamt 123 Sitze. Sie gilt als radikal-islamisch.

Deutlicher schlechter schnitten liberale Parteien ab. Die Wafd-Partei kam auf 8,4 Prozent (42 Sitze), die Ägyptische Allianz auf 6,6 Prozent (33 Sitze). Wie die Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" berichtete, werden insgesamt 15 Parteien im neuen Parlament sitzen. Fast gar nicht vertreten ist die sogenannte Revolutionsjugend, die vor einem Jahr das Regime von Mubarak gestürzt hatte. Ihre Kandidaten kamen auf nicht mal zwei Prozent. Auch Frauen und Christen gelten als Verlierer der Wahl.

Islamisches Land

Führende Mitglieder der Muslimbrüder (Foto: AP)

Führende Mitglieder der Muslimbrüder

Welche politische Richtung Ägypten nach dem Wahlsieg von Muslimbrüdern und Salafisten einschlagen wird, ist umstritten. Die Muslimbrüderschaft wurde als fundamentalistische Gruppe gegründet, inzwischen geben sie sich konservativ-islamisch. Beobachter gehen davon aus, dass das Land islamischer werden wird als die Türkei, aber nicht so streng islamisch wie Saudi-Arabien.

Zunächst muss aber die neue Verfassung des Landes in Kraft treten. Denn erst dort wird festgelegt, wer künftig die Regierung bestimmt - das Parlament oder der Präsident. Das Staatsoberhaupt wird im Juni gewählt. Berücksichtigt werden muss auch der Tourismus, der elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und von dem 12,5 Prozent aller Arbeitsplätze abhängen. Strengere religiöse islamische Vorschriften im Land der Pharaonen, etwa ein Alkohohlverbot, würden Urlauber etwa aus Europa abschrecken.

Sorgen in Israel

Das Nachbarland Israel beobachtet jedenfalls mit Sorge, was sich am Nil tut. "Der Prozess der Islamisierung in den arabischen Ländern ist sehr beunruhigend", sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. Die Muslimbrüder haben zwar angekündet, den Friedensvertrag mit Israel von 1978 beizubehalten. Beobachter gehen aber davon aus, dass sich die Beziehungen zu Israel abkühlen werden.

Vor einer Auswanderungswelle ägyptischer Christen warnte der Bischof der koptischen Christen in Deutschland, Bischof Anba Damian. Zehn Prozent der rund 80 Millionen Ägypter gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an, die als eigenständige Kirche seit dem ersten Jahrhundert nach Christus existiert. Deutschland und Europa müssten der neuen Regierung klarmachen, dass Minderheiten in Ägypten geschützt werden müssten, forderte Damian.

Autor: Dirk Eckert (dpa, epd)

Redaktion: Rolf Breuch

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