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Deutschland

Wahlkampffreie Zone?

Der Wahlschlacht geht in ihre heiße Phase. Ob im Fernsehen, den Printmedien oder auf der Straße werben die Parteien um die Wähler. Nur im Internet scheint der Stimmenfang nicht recht auf Touren zu kommen.

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Wahlwerbung der Parteien: im Auto mobiler als im Internet

Die Wahlwerbung der Parteien im Internet verfehlt bislang offenbar ihr gewünschtes Publikum. Mehr als 90 Prozent der Internetnutzer fiel nach einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact in den vergangenen Wochen keine Parteienwerbung im Internet auf. "Anscheinend verschlafen die Parteien diese gute Möglichkeit, besonders wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der wahlberechtigten User sich noch nicht für eine Partei entschieden hat," betont Karsten Polthier, Vorstandschef vom Marktforschungsinstitut Innofact, im Gespräch mit DW-WORLD.

Das sehen die Parteien anders. "Ich teile die Einschätzung der Umfrage nicht, denn wir machen einen sehr regen und intensiven Wahlkampf im Internet", sagt Steffi Hagelüken, stellvertretende CDU-Sprecherin im Interview mit DW-WORLD. "Wir betreiben schon seit Wochen Wahlwerbung im Internet, ob mit E-Cards, einer Rapid Response-Seite oder mit Filmen."

Mitmachen statt kaufen

Kajo Wasserhövel, Leiter des Online Campaigning in der SPD-Wahlkampfzentrale, verweist auf die Unterschiede zwischen Wahl- und Produktwerbung im Netz: "Politische Werbung im Internet ist nicht mit kommerzieller Werbung im Web zu vergleichen - sie muss breiter angelegt sein und die Menschen zum ´Mitmachen´ animieren." Das Ziel des SPD-Wahlauftritts im Internet ist klar: "Wir wollen die User informieren und eine nachhaltige Bindung aufbauen."

In der repräsentativen Umfrage zum Wahlverhalten von 1.000 Internetnutzern schneiden alle Parteien ähnlich schlecht ab. "Bei der Wahrnehmung im Internet liegt die SPD leicht vor der CDU, aber die Werte sind so niedrig, dass man daraus keine gültige Aussage treffen kann", sagt Innofact-Chef Polthier. Demnach haben fünf Prozent der Befragten Werbung der SPD im Internet gesehen. CDU-Werbung im Netz fiel 3,9 Prozent der Nutzer auf, FDP und Bündnis90/Die Grünen kamen auf jeweils rund zwei Prozent, die PDS auf ein Prozent.

Reizvolle Zielgruppe

Dabei stellen die Internetnutzer für die Parteien eine attraktive Zielgruppe dar. Rund 34 Prozent der Befragten wollen der Umfrage zufolge zur Wahl gehen, haben sich aber noch für keine Partei entschieden. Das soll sich in den letzten Wochen bis zur Wahl am 22. September noch ändern, hoffen die Parteien.

"Die Zeit der klassischen Bannerwerbung kommt erst kurz vor der Wahl und sie muss punktuell und sehr zielgenau eingesetzt werden, denn Kommunikation im Internet ist sehr schnelllebig," sagt CDU-Sprecherin Hagelüken. Und SPD-Online Campaigning-Chef Wasserhövel will potentielle Wähler nicht mit Werbung abschrecken, sondern durch politische Themen erreichen: "Unsere Strategie ist es, die Nutzer inhaltlich anzusprechen, sie selbst entscheiden lassen, wie tief sie einsteigen wollen."

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