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Welt

Wahlkampf mit dem Handy

Moveon.org ist die größte Freiwilligen-Organisation, die in den USA für die demokratische Partei Wahlkampf macht. Über Handy-Parties werden die Mitglieder mobilisiert, die Demokraten zu unterstützen.

Handy vor Telefonliste (Quelle: DW / Bergmann)

Wahlkampfinstrument

Angefangen hat alles vor zehn Jahren mit dem Protest gegen das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Bill Clinton. Inzwischen sind nach Angaben der Organisation mehrere Millionen Mitglieder vernetzt. Doch die benötigen manchmal einen Anstoß, um auch aktiv zu werden. Deswegen organisiert moveon.org so genannte Handy-Parties im ganzen Land: Aktive Mitglieder sollen Neuzugänge in den besonders umkämpften Bundesstaaten mobilisieren.

So lud auch die 50jährige Karen Anderson zur Handy-Party ein. Beruflich befasst sie sich am Medizinischen Institut in Washington mit dem öffentlichen Gesundheitswesen. Sie hat nicht genug Geld übrig, um für den Wahlkampf zu spenden, sagt sie, aber sie kann und will ihre Zeit investieren. Neun Leute hatten sich über das Internet angemeldet, um an der Aktion teilzunehmen, drei sind gekommen.

"Leute machen nicht mit, wenn man sie nicht auffordert"

Karen Anderson, Cassandra Cacace, Amy Israel, Sharon Price (Quelle: DW / Bergmann)

Die vier engagierten Moveon.org-Unterstützer: Karen Anderson (oben links), Cassandra Cacace (oben rechts), Amy Israel (unten rechts), Sharon Price(unten links)

Karen führt Amy, Sharon und Cassandra durch ihre zweistöckige Wohnung. Alle sollen sich wie zuhause fühlen, sagt sie, aber bitte die Badezimmertür für Kater Jack offen lassen – denn im Badezimmer steht auch das Katzenklo.

Während die mitgebrachten Handys noch schnell nachgeladen werden, gibt es die Einführung von moveon.org über das Internet: "Dies ist eine Wahl, wie es sie nur einmal im Leben gibt, und wir befinden uns an einem kritischen Punkt", ist zu hören. "Wenn wir heute 200.000 Anrufe machen, können wir zehntausende neue Freiwillige für das Obama-Team mobilisieren. Diese Leute könnten wirklich entscheidend sein in einem Rennen, das sehr, sehr knapp ist. Das Problem ist, dass viele Leute nicht mitmachen, wenn man sie nicht auffordert. Meistens reicht ein Telefonanruf – und deswegen ist Euer Anruf heute so wichtig."

90 Minuten Dauertelefonieren

Dann erklärt Karen, was zu tun ist: 90 Minuten telefonieren, aber nur in Michigan, Michigan,um in der gleichen Zeitzone zubleiben. Karen hat die Listen mit den Telefonnummern von moveon.org aus dem Internet heruntergeladen. Dazu die Instruktionen, die sich alle schnell durchlesen. Angerufen werden nur Menschen, die schon einmal ihre Telefonnummer weitergegeben und sich zur Mithilfe bei moveon bereit erklärt haben. Die vier Frauen verteilen sich in der Wohnung und fangen an, die ersten Nummern einzutippen.

Karen Anderson beim Telefonieren (Quelle: DW / Bergmann)

Karen Anderson arbeitet ihre Liste ab

Amy Israel arbeitet genau wie die drei anderen ihre Liste ab. Allen vier Frauen macht es Spaß. Schon nach dem ersten Anruf werden sie routiniert, die Gespräche hören sich munter und natürlich an. Die Reaktionen, die sie bekommen, sind unterschiedlich: Einige Nummern sind falsch, mehrere Angerufene sind interessiert, manche moveon-Mitglieder haben das Obama-Wahlkampfteam an diesem Tag schon aktiv unterstützt und versprechen, sich weiter zu engagieren. Das sei hervorragend, erklärt Sharon Price einem solchen Gesprächspartner, man könne jede Hilfe gebrauchen, vor allem in Michigan. Es sei besser, wenn die Leute vor Ort aktiven Wahlkampf machen. Das ist effektiver, als wenn Fremde aus einem anderen Bundesstaat anrufen. Nur sehr wenige der Angerufenen sind unfreundlich.

Sorgen um den Wahlkampf

Cassandra Cacace, mit 22 Jahren die jüngste der vier, erklärt, warum sie gekommen ist: "Ich mache mir Sorgen, so wie der Wahlkampf im Moment läuft, also habe ich mir gedacht, dass ich etwas tun muss." Die anderen sehen das ähnlich. Wer eine Seite mit den Telefonnummern abgearbeitet hat, ruft bei moveon.org an, um die Ergebnisse durchzugeben. Es gibt Zahlenschlüssel für die verschiedenen Reaktionen der Angerufenen auf die Bitte, sich an einem bestimmten Tag zu engagieren: 70 steht für ein Ja, 73 für ein Nein, 74 für eine falsche Nummer und 75 für eine unfreundliche Antwort. Doch in den meisten Fällen ist einfach niemand ans Telefon gegangen. Das sei nicht verwunderlich, sagt Cassandra: "Sie wollen nicht gestört werden abends um halb sieben, wenn sie gerade ihr Abendbrot essen."

Nach zwei Stunden, als sich die kleine Versammlung auflöst, sind alle zufrieden und gewillt, wieder aktiv zu werden. Gastgeberin Karen Anderson: "Ich wünschte nur, dass jeder gekommen wäre, der sich angemeldet hat. Aber davon abgesehen war es ein Erfolg. Ich denke, wir haben Menschen erreicht, die freundlich waren und interessiert zu helfen." Bis zur Wahl im November soll es noch weitere Aktionen geben. Karen ist entschlossen, wieder mitzumachen.

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