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Deutschland

Wahlkampf in rauer See

Sigmar Gabriel besucht auf seiner Sommerreise Stralsund und die Insel Rügen – und beginnt dort schon mal mit dem Wahlkampf. Von der Depression in seiner Partei, der SPD, will er sich nicht anstecken lassen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf hoher See (Foto: dpa)

Dieses Gebäude will beachtet werden, soviel steht fest. Zwischen hanseatischen Kaufmannshäusern macht sich der geschwungene Betonbau des Ozeaneums am Hafen in Stralsund breit - ein spektakuläres Museum über die Meere und all ihre Wunder.

Wie ein Segel geschwungen: Ein Teil der Fassade des Ozeaneums in Stralsund (Copyright: DW)

Das Ozeaneum in Stralsund

Hier ist Umweltminister Sigmar Gabriel zu Gast - zwei Stunden lang bestaunt er Haie, Wale und Mondfische. Der Klimawandel bedroht die Meere, erklären ihm die Meeres-Experten. Das nutzt Gabriel, um zu machen, was er zurzeit pausenlos macht: Wahlkampf.

Offshore-Windpark - Windräder auf hoher See (Foto: dpa)

So erläutert er, dass gegen den Klimawandel Windräder und große Off-Shore-Anlagen in Nord- und Ostsee helfen, doch der böse CSU- Minister zu Guttenberg verzögere die Aufstellung, "weil die großen Energieversorger kein Interesse an einem Boom bei der Off-Shore-Technik haben“. Die Union sei den Wünschen der Energieunternehmen hörig, sie stehe für die alten, zentralen Energieformen, die nur der Großindustrie Profite bringen. Die SPD stehe dagegen für hunderttausend neue Jobs im Umweltschutz. Unablässig verkündet Gabriel diese Botschaft – während seine Partei noch gar nicht richtig mit dem Wahlkampf begonnen hat. "Das ist wie beim Fußball: Wenn Sie abstiegsgefährdet sind, dann sagen die Leute: Wir wollen euch kämpfen sehen.“ Abstiegsgefährdet ist die SPD ohne Frage. Auf müde 25 Prozent der Stimmen bringt es Gabriels Partei in den Umfragen - aber der 49 Jahre alte Niedersachse ist sehr gern Umweltminister, er will es bleiben, auch nach der Wahl.

Segeltörn als Wahlkampf

Geblähtes Segel des 30-Meter-Zweimasters Gotland (Copyright: DW)

Volle Fahrt Voraus!

Tags drauf, im Hafen von Saßnitz auf Rügen: Brav hört Gabriel auf die Kommandos von Friederike Hübner, der Eignerin des 30-Meter-Zweimasters "Gotland“. Das prächtige Schiff soll den Minister und ein Dutzend Journalisten rund um Rügen bringen - bei strahlendem Sonnenschein. Ein Traum, besonders für Gabriel , den Hobby-Segler. Er wird gebeten, das Ruder zu übernehmen - die Bilder, die entstehen, gefallen ihm: Ein Macher, erprobt in schwerer See. Mühelos meistert er eine Wende mit dem großen Schiff, erzählt von Segeltörns, bei denen viel mehr Wind herrschte als jetzt. Seekrank ist er noch nie geworden, stellt er klar.

Raue See, harter Kampf

Sigmar Gabriel auf dem 30-Meter-Zweimasters Gotland (Copyright: DW)

An Bord des 30-Meter-Zweimasters "Gotland"

In der SPD hat Gabriel nicht nur Freunde, er ist oft ruppig und unbeherrscht. Aber er kann auf Menschen zugehen. So ist das auch, als er auf Rügen wieder Land betritt: Demonstranten erwarten ihn am Hafen, protestieren gegen das geplante Kohlekraftwerke im nahen Lubmin, ein heikles Thema. Gabriel ist nicht grundsätzlich gegen die Kohle, wohl aber gegen Werk das in Lubmin. Nach zehn Minuten sind die Menschen beeindruckt vom Fachwissen des Ministers, wenn auch nicht überzeugt von der Kohlepolitik. Vielleicht aber ein paar Stimmen mehr für die SPD. Die Sommerreise ist hier zu Ende. Von den Journalisten verabschiedet sich Gabriel fast trotzig: "Vielen Dank“, sagt er, und "wir sehen uns dann auf der nächsten Sommerreise im nächsten Jahr.“

Die Chancen für Gabriel, dann noch immer Umweltminister zu sein, scheinen derzeit eher gering. Aus der CSU soll schon Bayerns Umweltminister Markus Söder Interesse an dem Berliner Ministerposten bekundet haben, ein Intimfeind Gabriels. Für den ist das noch ein Grund mehr, bis zum Umfallen zu kämpfen. Und wenn er der einzige sein sollte in der SPD….

Autor: Jens Thurau

Redaktion: Hartmut Lüning