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Deutschland

Wahlkampf bis zum Schluss

Am Ende haben Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz den Wahlkampf jeweils mit einem Heimspiel beendet. Die AfD sorgt bei beiden, wie im ganzen Land, für politische Spannung.

Angela Merkel ist nicht nur Kanzlerin, sondern sie vertritt auch einen eigenen Wahlkreis. Der liegt ganz im Nordosten Deutschlands. Es ist der Wahlkreis 15 "Stralsund - Nordvorpommern - Rügen". Seit 1990 ist es "ihr" Wahlkreis, den sie für ihre Partei, die Christdemokraten (CDU), seither immer gewonnen hat. Ihrer "politischen Heimat" hat sie am letzten Tag vor der Bundestagswahl einen Besuch abgestattet. Wer gedacht hat, dass sich Merkel nach mehr als 60 Wahlkampfauftritten den Samstag vor der Wahl frei nimmt, um vielleicht Mal zu wellnessen, der kennt die Kanzlerin nicht.

Merkel: Selfies statt Buhrufe

Immerhin standen am Samstag keine Wahlkampfreden mehr auf der Agenda, bei denen Merkel zuletzt häufig gegen lautstarken Protest anreden musste. Stattdessen war sie in Greifswald in einer ungewohnten Haltung zu sehen: Am Samstagmorgen kniete sie - mit roter Weste über einem gelben Blazer - auf einer Bühne nieder. Sie übte an einer weißen Puppe die Wiederbelebung. Die Reanimationsübungen des Deutschen Roten Kreuzes und der Universität Greifswald waren Teil der "Woche der Wiederbelebung", die das Bundesgesundheitsministerium organisiert hat. "Hier vor der internationalen Presse müsste ich besser trainiert sein. Aber ich mach es mal", sagte die 63-Jährige.

Pfiffe und Buhrufe wie zuletzt bei Merkels Auftritten blieben in Greifswald aus. Später, in der Einkaufsmeile von Stralsund, der Stadt an der Ostseeküste, in der sich auch ihr Wahlkreis-Büro hat, verteilte sie Info- und Werbematerial. Zahlreiche Bürger, zumeist Touristen, schüttelten ihr die Hand, baten um Fotos, Autogramme und gemeinsame Selfies. Danach fuhr sie weiter nach Greifswald, und danach zu einem Erntefest auf die Insel Rügen.

Die AfD fordert Merkel heraus

Die Rechtspopulisten von der "Alternative für Deutschland" (AfD) machen Merkel auch in ihrem Wahlkreis das Leben schwer. Leif-Erik Holm tritt gegen Merkel an. Das Rennen ist für Holm nicht so aussichtslos, wie man zunächst vermuten würde. Die AfD ist sehr stark im umgebenden Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Landtagswahl 2016 erreichte die AfD unter Führung von Holm 20,8 Prozent der Stimmen und lag damit vor Merkels CDU, die nur auf 19 Prozent kam.

Die letzte Umfrage ist vom Juli und sieht einen unveränderten AfD-Wert. Umfragen zum Duell Merkel-Holm gibt es keine. Deshalb ist die politische Spannung hoch, wer die meisten Stimmen auf sich versammeln kann. Oder wie viele Stimmen Merkel an die AfD abgeben muss. Vor vier Jahren hatte sie 56,2 Prozent bekommen.

Schulz wirbt für einen Regierungswechsel

Am anderen Ende der Republik, ganz im Westen, kämpfte Merkels Herausforderer um das Kanzleramt, Martin Schulz, um letzte Wählerstimmen. Vor der Kulisse des Aachener Kaiserdoms beendet der SPD-Kanzlerkandidat am Samstagnachmittag den Wahlkampf. Sein Wohnort liegt gleich nebenan. Es herrschte Volksfestatmosphäre, viele der etwa 4000 Besucher schwenkten rote SPD- und blaue Europa-Flaggen. "Was für ein Anblick hier!", freute sich Schulz. "Das macht auf den letzten Metern Mut."

Schulz nutzte seinen letzten Wahlkampfauftritt für einen Angriff auf die Kanzlerin: "Wir kämpfen bis zur letzten Minute darum, dass wir dieses Land besser machen", so Schulz. Merkel wolle "die Vergangenheit verwalten". Er aber wolle "die Zukunft gestalten". Merkel sei eine "Weltmeisterin des Ungefähren", die sich der demokratischen Debatte verwehre. Diese Verweigerung im Kanzleramt "schadet der Demokratie", sagte der 61-Jährige. Ihre Partei habe "keine eigene Idee, keinen Plan für die Zukunft dieses Landes". Außerdem gelte es, eine "Regierung der sozialen Kälte" zu verhindern.

Schulz: AfD keine Alternative, sondern eine Schande

Scharfe Kritik übte der SPD-Vorsitzende an der AfD, bei der es sich um eine "richtig rechtsextreme Partei" handele. "So redeten die Totengräber der Weimarer Demokratie", sagte Schulz unter dem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. Die AfD seine "keine Alternative für Deutschland", sondern "eine Schande für die deutsche Nation, und deshalb gehört sie nicht in den Bundestag".

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner ging beim Wahlkampfabschluss seiner Partei, den Liberalen (FDP), auf die AfD ein. Sollte die AfD dritte Kraft im Land werden, dann "wäre das eine Blamage für Deutschland und die Deutschen".

61,5 Millionen Deutsche sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Wahllokale haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr Ortszeit (MESZ) geöffnet. Letzte Umfragen sehen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Die SPD steht bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD käme auf 11 bis 13 Prozent, die Linke auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 Prozent. Die Grünen stehen bei 7 bis 8 Prozent.

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