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Kultur

Wahlkampf à la www

Auch im Internet haben die Parteien die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes eingeläutet. Im Netz geht es allerdings weniger um Werbung in eigener Sache, sondern darum den politischen Gegner auszutricksen.

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Allein Farbe bekennen reicht nicht - neue Rezepte sind gefragt

Domain-Grabbing heißt der Versuch, mehr oder weniger eindeutige Internet-Adressen (Domains) für andere Zwecke zu nutzen (englisch: to grab - an sich reißen). "Das ist nicht neu, das kennen wir schon aus vergangenen Landtagswahlkämpfen", sagt Christoph Dowe,
Geschäftsführer des Politikportals "politik-digital.de". In Brandenburg hatte die CDU sich die Domains von SPD-Persönlichkeiten wie Manfred Stolpe oder Regine Hildebrandt gesichert und von dort aus auf die Homepage des CDU-Landesverbandes Brandenburg weitergeleitet.

Grüne Vorhut

Im gegenwärtigen Wahlkampf tun sich vor allem Bündnis90/Die Grünen als Herrscher über zahlreiche Domains hervor. So gehört die Seite www.stoiber-wird-kanzler.de, von der aus auf die Seite www.stoiber -for-bundeskanzler.de umgeleitet wird, den bayerischen Landtags-Grünen - so ist es beim Internet-Adressenverwalter Denic verzeichnet.

Aber nicht nur Anti-Werbung für den Unions-Kanzlerkandidaten steht bei der bayerischen Öko-Partei auf dem Programm. Auch in eigener Sache haben sich die Grünen auf alle Eventualitäten eingestellt: In Anlehnung an den Wahlslogan "Grün wirkt" hat die Partei sich die Adresse www.gruen-wuergt.de gesichert.

SPD und CDU sind bei Denic nicht als Domain-Grabber zu finden.

Die URL als Slogan

Der Wahlkampfwind bläst allen ins Gesicht. Neben den "ordentlichen" Seiten www.gerhard-schroeder.de und www.edmund-stoiber.de, den persönlichen Homepages der Kontrahenten, und den mit Inhalt gefüllten Parteiseiten finden sich zahllose Domains, die an Schlagwörter und Slogans für und gegen die Politiker angelehnt sind.

Der Bundeskanzler hat zu leiden unter Adressen wie www.stoppt-schroeder.de, www.kanzler-schroeder-a.de oder www.schroeder-muss-weg.de. Dem Herausforderer wird zugesetzt auf Seiten wie www.stoiberdarfnichtkanzlerwerden.de, www.gemeinsam-gegen-stoiber.de oder gleich www.bleib-in-bayern.de.

"Auffallend ist, dass die Parteien nicht mit inhaltlichen Themen etwa aus dem Parteiprogramm für sich werben, sondern versucht wird, den politischen Gegner mit schlagwortartigen Domains herabzusetzen", sagt Florian Hitzelberger, Jurist beim Branchendienst domain-recht.de.

Die Kanzler-Domains haben mittlerweile auch zahlreiche
Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen: so führt die Tippfehler-Domain w ww.gerhartschroeder.de zur Comedy-Show TVtotal.

Allerdings ist die Verletzung des Namensrechts kein
Kavaliersdelikt. "Den Grabbern drohen Strafen - aber es braucht in Deutschland auch eine klare Rechtsprechung", erklärt der Politikwissenschaftler Dowe. Bis diese einheitlich ist, erwartet Dowe noch ein paar Jahre "Anarchie im Internet". (kas)

  • Datum 10.08.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2XuS
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