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Asien

Wahlen in Sri Lanka - oder doch nicht?

Bei den Präsidentschaftswahlen standen sich Amtsinhaber Mahinda Rajapakse und sein Herausforderer Sarath Fonseka gegenüber. Unmittelbar nach der Wahl überraschte die Regierung mit einem Winkelzug.

Menschen stehen in Sri Lanka an einem Wahllokal an (Foto: AP)

Rund 14 Millionen Wahlberechtiget in Sri Lanka gehen heute an die Wahlurnen

Zum ersten Mal nach dem Ende des mehr als 35 Jahre andauernden Bürgerkriegs, der Schätzungen zufolge bis zu 100.000 Menschen das Leben kostete, haben in Sri Lanka Präsidentschaftswahlen stattgefunden. Mehr als 20 Kandidaten stellten sich den etwa 14 Millionen Wahlberechtigten zur Abstimmung. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem jetzigen Präsidenten Mahinda Rajapakse und seinem Herausforderer, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Sarath Fonseka. Beide gehören der singhalesischen Mehrheit im Land an.

Unmittelbar nach der Wahl hat die Regierung überraschend erklärt, dass Fonseka nicht neuer Staatschef werden könne. Fonseka sei nicht in den Wählerlisten aufgeführt, sagte Außenminister Rohitha Bogollagama vor Journalisten. Die Regierung werde deshalb die Justiz anrufen, kündigte der Außenminister an. Diese solle erklären, dass Fonseka nicht wählbar sei.

Alte Kampfgefährten

Der Noch-Amtsinhaber, Präsident Mahinda Rajapakse (Foto: AP)

Der Noch-Amtsinhaber, Präsident Mahinda Rajapakse

Der Kampf gegen die tamilischen "Befreiungstiger" hatte auch im Wahlkampf eine Rolle gespielt. Herausforderer Fonseka wird als der Stratege gefeiert, der den Sieg auf dem Schlachtfeld erst möglich gemacht hat. Präsident Rajapakse hingegen sieht sich als dessen geistiger Vater. Sein Ansehen beim Volk hat dennoch gelitten: "Es ist nicht sonderlich förderlich, dass der Präsident mit seinen drei Brüdern das Zentrum der Macht darstellt"“, sagt Jahan Perera vom National Peace Council of Sri Lanka. "Der Präsident mag seinen Brüdern vertrauen und denken, dass sie ihm helfen, die Macht zu behalten. Doch in seiner eigenen Regierung sind viele damit unzufrieden. Sie hören immer wieder diese Anschuldigungen von Korruption, Zentralisierung der Macht, Klüngelei. Das ist nicht gut."

Der Herausforderer Sarath Fonseka

Srilankische Soldaten neben einem Flugabwehrgeschütz der Tamil Tiger (Foto: AP)

Der Herausforderer Sarath Fonseka schaffte es, die Rebellen 'Befreiungstiger von Tamil Eelam' zu besiegen

Mit seinem Wahlprogramm unterscheidet sich Herausforderer Sarath Fonseca kaum von Präsident Rajapakse. Hinter ihm steht in dem politisch zersplitterten Sri Lanka eine geballte Front von mehr als einem Dutzend Oppositionsparteien. Auch Tamilen, wie der Parlamentarier Mano Ganesan von der Democratic People’s Front, unterstützen Fonseka, obwohl dieser sich in seiner fast 40-jährigen Armeekarriere den Ruf eines kaltblütigen Kämpfers erworben hat. "Diese Wahlen sind für uns Tamilen wegweisend. Wir müssen dieses Regime ablösen. Wir brauchen Wandel. Wir brauchen eine echte Politik der Machtteilung zwischen Singhalesen und Tamilen. Sarath Fonseka kann Wandel bringen und es gibt keinen anderen, der Präsident Mahinda Rajapaksa besiegen kann."

Fonseka gilt als Neuling in der Politik

Fonseka, der als seine Hobbys Boxen und Schwimmen angibt, hat bisher als Neuling in der Politik viel Häme über sich ergehen lassen müssen. Im populistisch geführten Wahlkampf hieß es oft, Fonseka habe keine Erfahrung und könne das Land nicht angemessen repräsentieren. Seine Anhänger hingegen sehen darin einen Vorteil: Als Neuling in der Politik könne er frischen Wind bringen und die starren Strukturen aufbrechen. Er sei ehrlich und verdiene einen Vertrauensvorsprung.

Autorin: Priya Eselborn

Redaktion: Silke Ballweg

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