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Politik

Wahlen im Zeichen des Terrors

Kolumbien ist das Land mit den meisten Entführungen, Morden und Terrorgruppen Lateinamerikas. Der nächste Präsident Kolumbiens wird in einem aufflammenden Bürgerkrieg gewählt.

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Plakat des liberalen Kandidaten Horacio Serpa in Bogota

Kolumbien ist seit Jahrzehnten gegeißelt von Bürgerkriegen, Drogen- und Alltags-Kriminalität. Dennoch ist es eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas geblieben. Bis auf wenige Jahre Militärherrschaft regieren den Andenstaat seit 140 Jahren gewählte Präsidenten. Am Sonntag (26. Mai 2002) wird die erste Runde der Präsidentschaftswahlen abgehalten.

Wahlen in Kolumbien

Wahlüberwachung in Kolumbien

Eine seit Monaten entführte Kandidatin, Wahlkampfauftritte in schusssicheren Westen, Guerrilla-Gebiete, in denen wahrscheinlich gar nicht abgestimmt werden wird: Die Präsidentschaftswahlen Kolumbiens finden unter erschwerten Bedingungen statt.

Kandidatin entführt

Die grüne Kandidatin Ingrid Betancourt - sie ist eine der beliebtesten Senatorinnen des Landes - war Ende Februar von der kommunistischen Guerrilla FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, deutsch: Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) entführt worden, als sie in die ehemalige Sicherheitszone der Rebellen reiste. Zuvor hatte die Guerrilla bereits einen Senator und das Linienflugzeug, in dem er unterwegs war, in ihre Gewalt gebracht.

Präsident Andrés Pastrana, der nicht für eine weitere Amtszeit amtieren darf, bemühte sich um eine friedliche Lösung des Konfliktes mit den FARC. Er stand den auf 16.000 Mann geschätzten Guerrilleros ein Gebiet von der Größe der Schweiz bei San Vicente del Caguán im Südosten Kolumbiens zu.

Rebellen ungezähmt

Die monatelangen Verhandlungen brachten aber keine konkreten Ergebnisse. Die FARC sprengten weiter Strom-Masten, Öl-Pipelines und Polizeistationen in die Luft. Zudem entführten die Rebellen zahlreiche Menschen, um Lösegeld zu erpressen. Die FARC finanzieren sich, kolumbianischen Schätzungen zu Folge, zu 48 Prozent über den Drogenhandel. Die ungebremsten Aktivitäten der Guerrilla ließen die öffentliche Zustimmung für die Politik Pastranas stark sinken.

Unabhängiger ist Favorit

Vor allem der unabhängige Präsidentschaftskandidat Álvaro Uribe, einstmals Mitglied der liberalen Partei, forderte in seinem Wahlkampf unablässig ein härteres Durchgreifen gegen Guerrilla-Gruppen wie die FARC oder das Nationale Befreiungsheer ELN (Ejército de Liberación Nacional). Im vergangenen Monat wäre Uribe fast selbst Opfer eines Anschlages geworden. Auf seinen Auto-Corso wurde ein Sprengsatz geworfen, der vier Zuschauer das Leben kostete.

Laut einer Umfrage des kolumbianischen Instituts Napoleon Franco kann Uribe mit 49 Prozent der Stimmen rechnen, während nur 23 Prozent für den offiziellen Kandidaten der Liberalen Partei, Horacio Serpa, stimmen wollen. Weit abgeschlagen liegen in den Umfragen die weiteren Kandidaten: der linksgerichtete Gewerkschaftsführer Luis Eduardo Garzón und die frühere Außenministerin Noemí Sanin.

Der Kandidat der regierenden Konservativen von Präsident Pastrana, Juan Camilo Restrepo, hatte sich zurückgezogen, nachdem zahlreiche konservative Abgeordnete Uribe unterstützt hatten - ein klares Zeichen für den Machtverfall der beiden traditionellen Parteien des Landes, der Liberalen und der Konservativen.

Hohe Mordrate

Auch ohne Bürgerkrieg erwartet den neuen Präsidenten ein schweres Erbe. Die Alltags-Kriminalität gehört zu den höchsten Lateinamerikas. Jährlich sterben etwa 23.000 Menschen durch Gewalt in Kolumbien. Und das weitgehend straflos, da nicht einmal jeder zwanzigste Mörder verurteilt wird. Dazu kommt eine Arbeitslosigkeit von 18 Prozent und ein weiter blühender Anbau und Handel von Kokain.

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