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Sprachbar

Wahlcocktail

Wahlkampf – Duell – Aufholjagd: Vor einer Wahl gehen die politischen Gegner nicht zimperlich miteinander um. Martialisch wird die Sprache. Eine ausgewogene Mischung gibt es selten, anders als bei einem guten Gericht.

Wir wissen das vom Kochen: Gewürze verleihen den Speisen das gewisse Etwas. Eine Prise von dem oder jenem; und schon kommt uns ein entzücktes "Hmm" über die Lippen. Oder auch nicht. Denn vom Würzen ist es nicht weit zum Verwürzen. Zu viel des vermeintlich Guten bewirkt oft das Schlechte. Klar: diese schlichte Wahrheit bezieht sich nicht nur auf den Umgang mit Pfefferschoten, Knoblauch, grünem Pfeffer, Zwiebeln und all den anderen Zutaten, die ein Essen zum Ereignis werden lassen.

Die Mischung macht's

Wenn der Barmixer zuviel Tabasco erwischt hat und der Drink unsere Geschmacksknospen statt mit prickelnder Schärfe zu wecken, in einem Flammenmeer verbrennt, dann stimmt auch beim Cocktail die Mischung nicht.

"Die Mischung macht’s" lautet ein bekannter Werbespruch. Gemeint ist damit die wohlüberlegte Komposition unterschiedlicher Bestandteile. Zu einem ganz bestimmten Zweck. Das Produkt soll ja ankommen beim Verbraucher, beim Kunden, beim Adressaten.

In gewisser Weise lässt sich all das auf die Sprache übertragen. Die Mischung macht’s auch da: Je nachdem überwiegen mal diese, mal jene Zutaten und sorgen für unterschiedlichen Geschmack und Schärfe.

Wahlen = Kampfzeit

Ähnlich verhält es sich vor Wahlen. Wahlzeit ist Kampfzeit und was in den Wochen vor dem Wahltermin von den politischen Gegnern zu lesen und zu hören ist, lässt meist an Schärfe nichts zu wünschen übrig.

Wie immer in Zeiten eines Wahlkampfes, wenn sich die Stimmung zusehends aufheizt, der Tag der Entscheidung – sprich der Wahltag – näher rückt, werden die sprachlichen Attacken schärfer, wird die andere Partei zum gegnerischen Lager, sind die Angriffe beider Seiten heftiger.

"Gewaltige" Sprache

Da haben wir’s. Das Potential sprachlicher Ausdrücke für Gewalt im engeren und weiteren Sinn wird bei Bedarf nicht hemmungslos, aber durchaus großzügig im politisch-wahlkämpferischen Jargon gebraucht. Dazu gehört beispielsweise auch das Wort "Duell".

Ursprünglich eine Angelegenheit auf Leben und Tod bezeichnend, wird es inzwischen auch für Fernseh-Debatten benutzt, in denen dann die "Kombattanten" – auch dies ein militärischer Ausdruck – gegeneinander antreten. Wozu? Zum Schlagabtausch. Zum verbalen versteht sich.

In die Schlussoffensive

Allerdings: Ab und zu menschelt es doch noch im Schlachtenlärm des Wahlkampfs. Aber dieses Innehalten, das auch ein paar Lacher erlaubt, ist nicht von Dauer. Schon geht es weiter, wird zur "Schlussoffensive" geblasen und mit leidenschaftlicher Feldherrenstimme zum Kampf um die Unentschlossenen aufgerufen.

Manchmal bezichtigen sich einige unter den politischen Gegnern der Lüge. In politisch friedlicheren Zeiten wird dieser schlimme Vorwurf in die euphemistische Formel "wissentlich die Unwahrheit sagen" gekleidet.

Aufholjagd

Das hieb- und stichfeste, also nachprüfbare Argument geht in der Hitze rhetorischer Gefechte unter, in denen die Polemik fröhliche Urstände feiert. Natürlich ist es einfach und in der Wirkung durchaus erfolgreich, den möglichen Sieg des politischen Gegners als "Horrorvision" zu bezeichnen. Wer will schon, dass ein Feind das Land beherrscht!

Was auch immer bei einer Wahl herauskommt: Noch "bevor die Schlacht geschlagen ist" wird heftig spekuliert, welche der möglichen Mixturen aus Schwarz, Rot, Grün, Gelb und noch mal Rot – mancherorts auch Dunkelrot genannt – das Land regieren wird. Vorher starren aber noch alle Parteien wie gebannt auf die in immer kürzeren Abständen veröffentlichten Umfrageergebnisse. Der sich dabei ergebende Trend findet seinen Ausdruck in dem zumindest für die Gejagten unheilvollen Wort "Aufholjagd".

Sekt, oder Selters?

Am Abend des Wahltags starren dann alle gespannt auf die Monitore. Jäger und Gejagte, Verlierer und Gewinner, die Helden des Wahlkampfs jeder Couleur. Und je nachdem, werden sie anschließend an der Bar entweder Sekt oder Selters verlangen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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