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Politik

Wahl in Mosambik

Mosambik wählt einen neuen Präsidenten. Wirtschaftliche und politische Fortschritte sprechen für die Regierungspartei, doch der Opposition zufolge profitiert die Bevölkerung kaum davon.

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Große Chancen: Emilio Guebuza

Die ehemalige portugiesische Kolonie Mosambik erlebt seit einigen Jahren einen in Afrika selten gesehenen Wirtschaftsaufschwung. Nach einem langen Befreiungskampf und einem nicht weniger blutigen Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit 1975, begann erst Anfang der 1990er Jahre der Friedens- und Versöhnungsprozess. Nach den ersten Wahlen 1994 finden nun am Mittwoch und Donnerstag (1./2.12.) zum dritten Mal Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, die den Aufschwung auch politisch unterstützen sollen. Amtsinhaber Joaquim Chissano tritt nach zwei Amtszeiten freiwillig von der Bühne ab, so dass ein neues Gesicht die Führung des Landes übernehmen wird. Geht es nach dem Willen des Amtsinhabers, wird der 61-jährige Armando Emílio Guebuza sein Nachfolger. Die im Parlament vertretenden Parteien FRELIMO - die Regierungspartei - und die RENAMO als Opposition, werden auch bei dieser Wahl ihre führende Rolle bestätigen. Und der 51-jährige RENOMO-Führer Alfonso Dhlakama sieht diesmal gute Chancen, bei seiner dritten Kandidatur endlich erfolgreich zu sein. Die anderen drei Präsidentschaftskandidaten und 23 Parteien spielen allenfalls eine Nebenrolle.

Strippenzieher

Armando Emílio Gebuza ist optimistisch, in die Fußstapfen von Chissano und dem Staatsgründer Samoro Machel treten zu können. Aber der Schatten des Amtsinhabers ist lang, denn er führte die FRELIMO nach dem Tod von Machel 18 Jahre lang und wird hinter den Kulissen auch weiterhin wichtige Fäden ziehen. Gebuza sagt, er habe das akzeptiert, weil Präsident Chissano ihm in diesem Prozess die notwendige Unterstützung gegeben habe: "Das heißt, dass er mich nicht alleine lassen wird. Er wird immer an meiner Seite sein und mir die notwendige Unterstützung geben, so dass wir die Probleme lösen können."

Sein schärfster Konkurrent ist Alfonso Dhlakama. Er kandidiert bereits zum dritten Mal. Der ehemalige Rebellenführer der RENAMO, die nach der Unabhängigkeit des Landes vergeblich versucht hatte, mit Gewalt an die Macht zu kommen, hat sich mit dem politischen System arrangiert, in dem die Wähler über ihre Führung bestimmen und nicht der Gewehrlauf. Dhlakama versicherte, dass er und seine Partei wirtschaftliche Entwicklung wollen und dass Mosambik mehr als nur ein Beispiel von Frieden sein kann: "Es ist notwendig, dass es auch ein Beispiel für eine gute Regierung und für Demokratie ist. Falls wir diese Wahl gewinnen, werden wir alle übernommenen Kompromisse der amtierenden Regierung respektieren."

Musterschüler

Blick über Maputo

Fortschrittlich: Maputo

Mosambik hat wichtige wirtschaftliche Fortschritte gemacht, ist aber von einer selbsttragenden Wirtschaft noch weit entfernt. Selbst der noch amtierende Präsident Joaquim Chissano gibt zu, dass es noch viel zu tun gibt: "Neben dem wirtschaftlichen Aufbau, werden wir das Land auch in anderen Bereichen voran bringen. Wir haben bereits gute Ergebnisse im sozialen und humanitären Bereich erzielt, aber auch hier ist eine kontinuierliche Arbeit unabdingbar." Oppositionsführer Dlakama hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt und akzeptiert auch den Status des neuen Musterschülers des IMF (Internationaler Währungsfonds) in Afrika. Aber er setzt auf Stimmen in jenen Gegenden, wo der wirtschaftliche Aufschwung nicht oder kaum zu spüren ist, wo Entwicklungsimpulse bislang fehlen: "Als Politiker will ich nicht, dass die Institutionen eine Entwicklung rühmen, von der die Einwohner praktisch nichts mitbekommen", sagt er. "Wenn heute jemand nach Niassa, Nampula oder selbst nach Maputo reist, sieht er natürlich Hotels und andere schöne Dinge. Aber 30 Kilometer weiter existiert ein komplett anderes Land. Dennoch müssen wir an eines glauben: Mit der wirtschaftlichen Liberalisierung ändert sich bereits etwas, es muss aber noch mehr werden."

Armando Gebuza dagegen sieht die FRELIMO als Garant des Fortschritts und verweist auf die durchschlagenden Erfolge der letzten Jahre: "Auf dem Land, zum Beispiel, haben wir heute Schulen, Krankenhäuser und Trinkwasser, wovon vorher nichts zu sehen war. Dies hat es den Menschen ermöglicht, ihr soziales Niveau zu verbessern. Zugegebenermaßen ist das nicht ausreichend. Aber die durch die Chissano-Regierung gesetzten Rahmenbedingungen zeigen deutlich, dass es gilt, entwicklungspolitische sinnvolle Maßnahmen zu intensivieren und die Bedürfnisse der Bevölkerung vorn an zu stellen."

Die Aussichten Mosambiks gerade auch im Vergleich zu den meisten anderen afrikanischen Staaten sind überwiegend positiv. So stieg in den letzten Jahren das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) jährlich um ach bis zehn Prozent. Und in dieser Größenordnung soll es weitergehen. Zudem sank die Analphabetenrate innerhalb des letzten Jahrzehnts um fast zehn Prozent auf 53%, und auch die Kindersterblichkeit ging erheblich zurück. All diese Indikatoren weisen in die richtige Richtung. Doch am 1. und 2. Dezember haben zuerst einmal die Wähler das Wort, einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament zu wählen.

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