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Wagner 200

Wagner und das zarte Geschlecht

Die Frauen in Richard Wagners Leben hatten es nicht leicht, lebten sie doch an der Seite eines eigenwilligen Genies. An der Staatsoper Berlin forscht man nach ihren Spuren,in seinem Werk.

"Die Musik ist ein Weib", konstatiert Richard Wagner in seiner Schrift "Oper und Drama". Ihr Organismus sei "ein nur gebärender, nicht aber zeugender; die zeugende Kraft liegt außer ihm". Erst wenn sie vom Gedanken des Dichters befruchtet sei, könne die Musik die "wahre, lebendige Melodie" hervorbringen.

Kunst und Privatleben waren bei Wagner immer aufs Engste miteinander verwoben. Kein Wunder also, dass die Nachwelt nicht nur seine weiblichen Bühnenfiguren, sondern auch die realen Frauen in seinem Leben als aufopfernde Dienerinnen des Mannes sieht. Dem Maestro zuliebe, so vermutet man, hätten sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Auf einem Symposion der Staatsoper Berlin zeigten Wagner-Experten jetzt allerdings auch ganz andere Facetten auf.

Minna, die Erste

Minna Wagner mit Hund Peps, Aquarell von Clementine Stockar-Escher, Zürich 1853

Minna Wagner mit Hund Peps

Mit Minna Planer, einer in ihrer Jugend überaus erfolgreichen Schauspielerin aus dem Erzgebirge, war der Komponist 30 Jahre lang verheiratet. Es war eine Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen, belastet durch Affären und chronische Geldnot, die sich durch Wagners opulenten Lebensstil weiter verschärfte. Nach der Heirat 1836 in Königsberg folgte Minna ihrem Mann nach Riga, von wo aus sie drei Jahre später vor Gläubigern nach London und Paris fliehen mussten.

Von Minna hat sich das Bild einer bodenständigen, mütterlichen Frau verfestigt, die Wagner umsorgte, ihm geistig aber nicht gewachsen war. Die Musikjournalistin Dorothee Riemer weist allerdings darauf hin, dass es zwischen den beiden wohl doch einen intensiveren Austausch gegeben haben muss. Mehr als 400 Briefe der Eheleute sind erhalten geblieben.

"Wagner tat seine erste Ehe später als Jugendverirrung ab, aber es ist auch sein Ausspruch überliefert, ohne Minna könne er nicht leben", erklärt Riemer. "Mit ihr hat er immerhin alle Opern außer 'Parsifal' konzipiert."

Auf Minnas Bedürfnis nach materieller Absicherung nahm Wagner aber offenbar keine Rücksicht. Als er sich an dem Dresdner Maiaufstand 1849 beteiligte, verlor er seine gut situierte Stellung als Sächsischer Hofkapellmeister und wurde steckbrieflich gesucht. In Zürich, wo er Asyl fand, wurde die Ehe auf eine weitere harte Belastungsprobe gestellt.

Mathilde, die Muse

In Mathilde Wesendonck, der Frau eines reichen Gönners, fand Richard Wagner eine Seelenverwandte, die ihn bei seiner Arbeit inspirierte. "Wagners Muse hatte intensiven Anteil an der Entstehung von 'Rheingold'", erklärt Detlef Giese, Dramaturg an der Berliner Staatsoper. "Außerdem kennt man seine Vertonungen von fünf ihrer Gedichte heute als 'Wesendonck'-Lieder." Der Komponist widmete ihr das Vorspiel zur "Walküre" und ließ sich durch die Dreiecksbeziehung zu Minna und Mathilde zu seiner Oper "Tristan und Isolde" anregen.

Mathilde Wesendonck Quelle: Wikipedia

Die schöne Mathilde inspirierte Wagner

Das wahrscheinlich nur platonische Verhältnis zwischen ihm und der Schriftstellerin, die auch dem Klavierspiel zugetan war, wurde so eng, dass es zum Eklat mit den beiden anderen Ehepartnern kam. Als Minna einen schwärmerischen Brief an Mathilde abfing, begab sich Wagner erneut auf die Flucht, diesmal nach Venedig. Otto Wesendonck blieb ihm trotz aller Eskapaden als Mäzen gewogen und unterstützte sein Projekt für ein Festspielhaus in Bayreuth.

Nachdem die Beziehungen zu Minna und Mathilde gescheitert waren, wandte sich Wagner Cosima von Bülow zu, der unehelichen Tochter von Franz Liszt und der französischen Gräfin Marie d'Agoult. Wie ihr Biograf Oliver Hilmes hervorhebt, wurde die damals noch mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratete Cosima zur Geliebten und Managerin Wagners.

Finanziell ging es in jenen Jahren bergauf, da ihn der bayerische König Ludwig II. großzügig unterstützte. Das Paar, das schließlich 1870 die Ehe schloss, hatte schon vorher drei gemeinsame Kinder: Isolde, Eva und Siegfried, mit dem Cosima später die Bayreuth-Dynastie begründen sollte.

Cosima, Herrin auf dem Grünen Hügel

Richard und Cosima Wagner (Quelle: Wikipedia) Künstler Karl Ferdinand Sohn Titel Mathilde Wesendonck Datum 1850 Technik Öl a. Lwd Momentaner Standort StadtMuseum Bonn Inventarnummer Inv. Nr. SMB 1991/G313 Herkunft/Fotograf This image Official gallery link Genehmigung (Weiternutzung dieser Datei) Reproduction of an painting that is in the public domain because of its age Lizenz Dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks. Das Kunstwerk an sich ist aus dem folgenden Grund gemeinfrei: Public domain Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.

Nach Wagners Tod übernahm Cosima die Geschäfte

Hilmes beschreibt Wagners zweite Ehefrau als herrische, kühle Person, die etwa von ihm verschenkte Manuskripte unerbittlich von den Besitzern wieder zurückforderte. Beatrix Borchardt, die als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg lehrt, vergleicht Cosima mit Clara Schumann: "Beide haben sich ein eigenes Profil in der Öffentlichkeit geschaffen und deutlich gemacht, welchen Anteil sie am Werk ihres Mannes hatten", führt sie aus.

Nach Richard Wagners Tod 1883 übernahm Cosima bis 1906 die Festspielleitung auf dem Grünen Hügel und machte Bayreuth zum Anziehungspunkt für die bessere Gesellschaft. Wagner hatte kein Testament und keinerlei Vorgaben für die Zukunft der Festspiele hinterlassen.

Seine Witwe entwickelte das Experiment zu einer Institution weiter und legte zugleich den Grundstein für den Wagner-Kult, indem sie ihr Leben gänzlich in den Dienst seines musikalischen Werkes stellte. Machtbewusst und zum selbstständigen Handeln fähig opferte Cosima in letzter Konsequenz doch eine eigene Identität, um das öffentliche Andenken an ein Schöpfergenie zu bewahren.