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Kultur

Wagner "sprengt den Betrieb"

Vorhang auf für die 95. Richard-Wagner-Festspiele: Ab Dienstag (25.07.) geben sich der "Fliegende Holländer", "Tristan und Isolde", "Parsifal", die Nibelungen und jede Menge Prominenz in Bayreuth ihr Stelldichein.

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Siegfried - mal anders

Mit einer Wiederaufnahme der Oper "Der fliegende Holländer" sind am Dienstag die 95. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth eröffnet worden. Die Inszenierung stammt von Claus Guth, Dirigent ist Marc Albrecht. Zur Festspieleröffnung schritt wie jedes Jahr Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft über den roten Teppich. Darunter sind Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sowie zahlreiche Minister aus dem Bundeskabinett und der Landesregierung. Bundespräsident Horst Köhler hat nach Angaben der Stadt Bayreuth in diesem Jahr abgesagt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt erst am 11. August auf den Grünen Hügel.

Erlesene Gäste

130 Jahre sind es her seit den ersten Festspielen 1876, trotzdem sind sie ein Familienbetrieb geblieben: Der gegenwärtige Leiter, Wolfgang Wagner, ist 86 Jahre alt und ein Enkel des Komponisten. Zwei Weltkriege und politische Vereinnahmung haben die Festspiele überlebt. Heute ziehen sie sowohl Wagnerianer als auch ein breiteres Publikum an: Rund 419.500 Bestellwünsche aus 79 Ländern lagen diesmal dem Kartenbüro vor, nur 52.900 konnten erfüllt werden.

Im Mittelpunkt der Festspiele steht die mit Spannung erwartete Neuproduktion von Richard Wagners vierteiligem Hauptwerk "Der Ring des Nibelungen". Ein Mammutwerk, das eine Nettospielzeit von sechs Tagen und fünfzehn Stunden erfordert. Der komplette Zyklus wird drei Mal vor Ende der Festspiele über die Bretter gehen. Sich darauf einzulassen erfordert Zeit, Kraft und sonst keine Ablenkungen. Das hatte wohl auch Richard Wagner im Hinterkopf, als er die fränkische Stadt Bayreuth für seine Festspiele aussuchte: in einer naturschönen, aber ansonsten an kulturellen Reizen armen Gegend.

Sonst nichts los

Bayreuth Festspielhaus

Kunst sucht sich ihr Haus

Diesen Eindruck hat auch Nike Wagner, Urgroßenkelin von Richard Wagner: "Das war ja nicht bloß Größenwahn, das war eine künstlerische Notwendigkeit. Er hat den Ring der Nibelungen komponiert und wusste, das kann er in dem normalen Repertoire-Betrieb der Opernhäuser nicht unterbringen, das sprengt den Betrieb. Die Kunst suchte sich ihr Haus – und nicht anders herum."

Wagners Festspielhaus ist ein weiterer Geniestreich des Komponisten. Seine Akustik ist für seine Werke ideal geeignet und nie nachgebaut worden. Das Bayreuther Festspielhaus ist zwar ein Stück Kulturwelterbe, ist aber auch mit aktueller Technik und sieben Probebühnen ausgestattet und somit ein hochmodernes Theater. Über seine Bretter geht ab Mittwoch (26.7.) die dreizehnte Neuinszenierung vom "Ring".

Operndebüt für einen 80jährigen

Wagner als Grunge

Dorsts Neuinterpretation: Wagner im Grunge-Style?

Fast hätte sie vertagt werden müssen, denn der dänische Filmemacher Lars von Trier war mit der Inszenierung betraut worden und hatte sie dann 2004 wieder abgegeben. Die Größe des Werks habe sein Konzept überfordert, hieß es. Der Festspielleiter wandte sich dann an den in Monumentalwerken erfahrenen Schriftsteller und Dramatiker Tankred Dorst, der sich bereits mit dem achtstündigen "Merlin oder Das wüste Land" 1981 einen Namen gemacht hatte. Dorst hat erst jüngst in einem Interview bekannt: "Ich war völlig überrascht, das war ja in meinem Lebensplan überhaupt nicht vorgesehen." Für den 80-jährigen Theatermann ist es die erste Operninszenierung überhaupt. Von seiner Interpretation der komplexen Handlung hat Dorst schon einiges verraten: "Es ist eine heutige Geschichte in einer heutigen Welt mit Autobahn, einem alten Abbruchhaus, das irgendwo an einer Straßenecke steht, oder mit dem Physiksaal einer Schule."

Ferner tummeln sich auf dem "Grünen Hügel" bis zum 28. August "Tristan und Isolde" unter der Regie von Christoph Marthaler sowie "Parsifal" in der Inszenierung von Christoph Schlingensief. Und am Rande des Hügels: eine Ausstellung im Markgräflichen Opernhaus von Gemälden von Richard Wagners eigener, erster "Ring"-Inszenierung 1876: Als Sensation war sie vor wenigen Jahren vom Wagner-Forscher Oswald Georg Bauer entdeckt wurden. Um mit den Nornen, den germanischen Schicksalsgöttinen, zu sprechen: "Weißt du, wie es wird?" "Nein, aber bald werden wir es wissen - und berichten!"

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