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Musik

Wagner für die Wirtschaft

Das Nürnberger Staatstheater spielt Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in Peking – und Nürnberger Unternehmen zahlen die Hälfte der Kosten. Das kulturelle Gastspiel hat auch eine wirtschaftliche Ausrichtung.

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Der Ring-Zyklus kommt zum ersten Mal auf eine chinesische Bühne.

Insgesamt sind 240 Künstler und Bühnenarbeiter von Nürnberg nach Peking gereist, um den ganzen Ring von "Rheingold" bis zur "Götterdämmerung" zum ersten Mal überhaupt auf eine chinesische Bühne zu bringen. Mit der Aufführung des "Rheingold" am 23. Oktober habe das Nürnberger Ensemble "in den Herzen der Zuschauer ein Erdbeben ausgelöst", schrieb die "Bejing Times" am Tag nach der Premiere. Bis zum 1. November folgen im Programm des Pekinger Musikfestivals "Die Walküre", "Siegfried" und "Die Götterdämmerung".

Rund eine Million Euro hat es gekostet, dieses "Erdbeben" auszulösen - doch die Chinesen mussten nur die Hälfte davon selbst bezahlen. Die verbliebenen 500.000 Euro haben Unternehmen aus der Region Nürnberg gezahlt -natürlich nicht ohne wirtschaftliche Hintergedanken. "Mit dem Ring-Gastspiel schaffen wir einen wirtschaftlichen Zugang nach China", sagt Hans-Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, der die Sponsorensuche organisiert hat. Die Zukunft der Region Nürnberg hänge von engen Kontakten nach Asien ab. Diese Kontakte können einige der Sponsoren im Foyer des Poly Theaters weiter intensivieren; sie flogen gleich mit nach Peking.

Gütesiegel deutsche Kultur

Kultur aus Deutschland eignet sich hervorragend, um bei den Chinesen das ohnehin schon positive Image der Bundesrepublik weiter aufzupolieren. "Deutschland ist bei den Chinesen längst nicht mehr nur für Autos, Fußball und Pünktlichkeit bekannt", sagt der Vorsitzende der Bonner Gesellschaft für China-Studien, Jari Grosse-Ruyken, "sondern es gilt schon immer auch als Land der Philosophen, Denker und Musiker." Namen wie Goethe, Schiller oder Wagner seien den meisten Chinesen der Mittelschicht bekannt. Dass die Karten für den "Ring des Nibelungen" längst ausverkauft sind, wundert Jari Grosse-Ruyken nicht. Die Chinesen seien leider auch oft unkritische Bewunderer eines diffusen "Germanentums". Richard Wagners Heldenepos "fällt in China auf fruchtbaren Boden".

Doch selbst wem Namen wie Siegfried, Freia und Wotan bisher kein Begriff gewesen sind, ist angezogen von dem Großereignis, über das die Medien in Peking viel berichten. "Das chinesische Publikum ist Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen. Es liebt gewichtige Glanzlichter", sagt Ulrich Novak, Leiter des Goethe-Instituts in Peking, "das Kleine leidet daran manchmal." Die Aufführung des "Ring des Nibelungen" sei zwar eine "mutige und interessante Sache". Aber das Goethe-Institut selbst entwickle "lieber gemeinsame Projekte", als dass es den Chinesen "Geschenke präsentiert". Dass die Wirtschaft sich nun auch für Kultur interessiere, sei grundsätzlich jedoch eine gute Sache.

Berufsverkehr in Peking

240 Nürnberger Künstler und Bühnenarbeiter sind für die Aufführung nach Peking gereist.

Das wirtschaftliche Engagement in China mit dem kulturellen zu verknüpfen, sei eine "zukunftsweisende Strategie", sagt China-Kenner Jari Grosse-Ruyken. Deutsche Unternehmen hätten sich in China bisher zu sehr auf den reinen Wirtschaftsaustausch konzentriert. Dabei seien die Chinesen zunehmend am kulturellen Austausch interessiert.

Kultur als Standortsfaktor

Wie wichtig dieser kulturelle Austausch für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist, weiß Katja Hellkötter, die in den vergangenen sieben Jahren im Deligiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Schanghai tätig war und nun beim Goethe-Institut in München deutsch-chinesische Kulturprojekte weiter entwickeln möchte. "Kultur und Wirtschaft kann man nicht voneinander trennen", sagt die China-Expertin, die aus diesem Grund nicht das Gefühl hat, "wirklich die Seiten gewechselt zu haben". Wer die deutsche Kultur in China bekannt mache, tue auch etwas für den Standort Deutschland, der seit einigen Jahren immer interessanter für chinesische Unternehmen werde. "Bei Entscheidungen über Investitionen spielen kulturelle Faktoren und das gegenseitige Verständnis für die andere Kultur durchaus eine Rolle", sagt sie. Großen Namen wie Schiller, Goethe oder eben Wagner, können "eine Brücke für deutsch-chinesische Beziehungen sein".

An dieser Brücke will auch das Nürnberger Sponsorenteam weiterbauen: Im kommenden Jahr wird es ein "Don Giovanni"-Gastspiel der Nürnberger Staatsoper in Hongkong mitfinanzieren.

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