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Filme

Wagenrennen in 3D - Neuverfilmung von "Ben-Hur" droht ein Flop zu werden

Ben Hur ist zurück auf der Leinwand: Vor über 50 Jahren faszinierte das Epos schon einmal die Filmwelt. Die Massenszenen mit dem spektakulären Wagenrennen sind unvergesslich. Die Neuverfilmung droht ein Flop zu werden.

Ben Hur Filmstill mit Rodrigo Santoro als Jesus (Foto: picture-alliance/dpa/Paramount Pictures)

Rodrigo Santoro spielt in der Neuverfilmung von "Ben-Hur" Jesus

Elf Oscars sind bis heute Rekord. 1960 gewann die Ben-Hur-Verfilmung von Regisseur William Wyler gleich elf der begehrten Trophäen in Hollywood. Erst viele Jahre später gelang es zwei Filmen zumindest gleichzuziehen: "Titanic" (1998) und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" (2004). Dass die nunmehr sechste Verfilmung des Stoffs, der zu Zeiten von Jesus Christus spielt, im kommenden Februar bei der nächsten Oscarverleihung ähnlich erfolgreich sein könnte, darf bezweifelt werden.

Vorsichtiger Verleih-Start von "Ben-Hur" in Europa

Viele Neuverfilmungen von ehemaligen Hollywood-Erfolgsstreifen haben in den letzten Jahren Schiffbruch erlitten. "Ben Hur? Gott helfe ihnen allen", lästerte der US-Filmanalyst Jeff Bock bereits im Vorfeld des Kinostarts. Staunen lässt auch die Marketing-Politik des US-amerikanischen Verleihers Paramount. Premiere feiert der Film erst einmal in Ländern wie der Tschechischen Republik und der Slowakei (11.8.), anschließend läuft er dann in Albanien (18.8.) an.

Ben-Hur (2016) Filmstill Wagenrennen (Foto:picture-alliance/dpa/Paramount Pictures)

Das berühmte Wagenrennen ist in der Neuverfilmung natürlich digital aufgepäppelt worden

In den USA war die Premiere für das 90-Millionen-Dollar-Spektakel erst für den 19. August vorgesehen. In Deutschland kommt "Ben-Hur" am 1. September auf die Leinwand. Von einer glanzvoll-pompösen Weltpremiere in Los Angeles oder London - bei anderen Blockbustern in jüngster Zeit üblich -, hat man abgesehen. Es scheint, als ob die vorsichtige Verleih-Politik das große Misstrauen gegenüber den Erfolgsaussichten des Films widergespiegelt hat. Erste Zuschauerzahlen scheinen den Skeptikern jetzt recht zu geben. Am ersten wichtigen Wochenende spielte der Film nur einen Bruchteil des Budgets ein.

Keine großen Stars in den Hauptrollen

Regie bei der Neuverfilmung führte der in der Kasachischen Sowjetrepublik geborene russische Regisseur Timur Bekmambetov, der sich in den vergangenen Jahren in Hollywood einen Namen als Fantasy- und Actionspezialist gemacht hat. In die Rolle des jüdischen Fürsten Judah Ben Hur, 1959 von Charlton Heston gespielt, schlüpfte der Brite Jack Huston. Seinen Gegenspieler, den römischen Statthalter in Jerusalem, Messala Severus, verkörpert Toby Kebbell - keine Stars also in den Hauptrollen.

Ben Hur Filmsze (1925) (Foto: Imago/United Archives)

Schon die Ben-Hur-Verfilmung von 1925 bot das spektakuläre Wagenrennen auf großer Leinwand

Nachdem der Stoff 1907 bereits ein erstes Mal verfilmt wurde, war die Stummfilmversion in der Regie von Fred Niblo von 1925 ein Riesenerfolg. 34 Jahre später folgte dann die heute noch legendäre Oscar-überschüttete Version von William Wyler. 2003 wurde die Story zudem als Zeichentrickfilm produziert. Vor sechs Jahren entstand eine Serie fürs Fernsehen. Nun also der Versuch, ein neues, junges Publikum für die große Leinwand zu gewinnen.

"Versöhnung statt Rache"

"Unser Ben Hur ist keine Neuauflage von Wylers Film, sondern eine neue Verfilmung des Buchs von Lew Wallace (1880)", sagt Produzent Sean Daniel: "Ko-Drehbuchautor John Ridley hat die Familienbeziehungen, die Kraft des Glaubens und vor allem die Versöhnung in den Mittelpunkt gestellt, während das Original vor allem auf Rache setzte."

Ben Hur Filmszene (1959) mit Charlton Heston (Foto: Imago/United Archives International)

In der Verfilmung von 1959 spielte Charlton Heston Ben Hur (r.)

1959 hatte Hollywood-Veteran William Wyler in erster Linie auf die Beziehung und die jahrelang anhaltende Fehde zwischen den ehemaligen Freunden Ben Hur (Charlton Heston) und Messala (Stephen Boyd) gesetzt. Ben Hur, in Jerusalem zunächst ein geachteter Edelmann, wird im Laufe der Filmhandlung vom römischen Statthalter Messala verraten und geächtet und in die Sklaverei geschickt. Wie durch ein Wunder überlebt er Folter und Ausbeutung und übt viele Jahre später Rache: In der legendären Wagenrennen-Szene gelingt es ihm, seinen Peiniger zu besiegen.

Biblische Motive in "Ben Hur"

Sowohl der Stummfilm von Fred Niblo als auch Wylers Historien-Epos grundierten die Handlung mit Szenen aus dem Leben von Jesus Christus. Ben Hur begegnet Jesus mehrere Male. Am Ende wohnt er der Kreuzigung bei. Beherrschte das Rachemotiv den Film von 1959, geht es den Machern der Neuverfilmung nun offenbar um eine stärkere Akzentuierung familiärer Motive.

Ben Hur Filmszene (1959) mit Charlton Heston (Foto: Imago/AD)

Als Sklave jahrelang auf der Galeere: Charles Heston in der Verfilmung von 1959

Doch die ersten Trailer im Internet deuteten schon darauf hin, dass Regisseur Timur Bekmambetov - wie auch schon Wyler - vor allem eines im Sinne hat: die Überwältigung der Zuschauer mit bombastischen Effekten und vielen Schauwerten. Bei der Premiere von "Ben Hur" 1959 hatte Wyler eine jahrelange Produktionsgeschichte hinter sich, allein die Dreharbeiten hatten sich über zwei Jahre hingezogen.

Rückkehr nach Cinecittà

In den nahe Rom gelegenen Cinecittà-Studios, wo auch das Wagenrennen gedreht wurde, und an den anderen italienischen Drehorten waren bis zu 50.000 Statisten im Einsatz. Über 350 Schauspieler wurden verpflichtet. Das US-Studio MGM hatte damals mehr als 16 Millionen Dollar investiert. Die 1950er Jahre waren die große Zeit des Historienfilms, Wyler gelang mit "Ben Hur" einer der letzten kommerziellen und künstlerischen Glanzpunkte des Genres.

Ben Hur Filmszene (1959) mit Charlton Heston und Haya Harareet als Esther (Foto: Imago/ZUMA Press)

1959 spielte Haya Harareet die Frau an Hestons Seite

Knapp sechs Jahrzehnte später hat sich die Kinolandschaft radikal gewandelt. Bei Großproduktionen wie "Ben-Hur" haben digitale Effekte längst die Komparsen-Heere ersetzt. Die zweistündige Neuverfilmung kam mit knapp 2000 Statisten aus. Gedreht wurde wieder vor allem in Italien. Die traditionsreichen Cinecittà-Studios wollen mit dem neuen "Ben-Hur" an alte Erfolge anknüpfen. Das 90-Millionen-Produktionsbudget fiel im Vergleich zu anderen großen US-Blockbustern, die es nicht selten auf über 200 Millionen Dollar bringen, geradezu bescheiden aus.

"Ben Hur" in 3D

Ob sich ein junges Publikum, das sich in den Großkinos der Welt derzeit am liebsten Superheldenfilme und Science-Fiction-Epen anschaut, mit den Abenteuern von Judah Ben Hur vor 2000 Jahren identifizieren kann und in die Kinos stürmt, bleibt abzuwarten. Einen Trumpf hat der neue "Ben Hur" aber zweifellos zu bieten: Das spektakuläre und blutige Wagenrennen (wie auch den Rest des Films) kann man sich in neuester 3D-Technik anschauen. Doch es scheint nicht gefruchtet zu haben. Schon jetzt spricht Hollywood vom größten finanziellen Film-Flop des Jahres.

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