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Aktuell Welt

Waffenruhe in der Ukraine bleibt brüchig

Die Feuerpause in der Ostukraine ist brüchig. Immer wieder gibt es Meldungen über Explosionen und Schüsse. Regierungstruppen und Separatisten beschuldigen sich gegenseitig, die Vereinbarung zu mißachten.

Ungeachtet der für die Ostukraine ausgerufenen Waffenruhe ist es nahe der Großstadt Donezk zu neuen Gefechten gekommen. Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters berichten von anhaltendem Artilleriefeuer unweit des Flughafens der Stadt, der zuletzt wieder unter die Kontrolle der Regierungstruppen gekommen war.

Prorussische Separatisten sagten, die Kämpfe konzentrierten sich derzeit auf ein Militärgelände in der Nähe des Flughafens. "Hören sie das Geräusch der Waffenstille", fragte einer der Rebellen ironisch gegenüber Korrespondenten vor Ort, um dann zu betonen: "Dort tobt ein echter Kampf."

Auch Kämpfe in der Hafenstadt Mariupol

In der Nacht hatte es bereits in der Hafenstadt Mariupol Gefechte gegeben. Regierungstruppen waren dort unter Artilleriebeschuss geraten. Auch von Opfern in der Zivilbevölkerung ist die Rede. Eine Frau sei von Schüssen getroffen worden, als prorussische Rebellen das Feuer auf einen Kontrollposten eröffnet hätten, teilte die Stadtverwaltung von Mariupol mit. Drei weitere Menschen wurden demnach verletzt.

An dem von der ukrainischen Armee besetzten Flughafen der Separatistenhochburg Donezk soll es ebenfalls Explosionen und Schüsse gegeben haben. Die Aufständischen in Donezk sprachen von vier getöteten Zivilisten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Das Rote Kreuz drängt auf Sicherheit

Auch das Rote Kreuz berichtet von Verstößen gegen die erst am Vortag in Kraft getretene Waffenruhe. Lastwagen mit humanitärer Hilfe für die Separatistenhochburg Luhansk hätten wegen Granateneinschlags umdrehen müssen.

Die Organisation mahnte, die Waffenruhe müsse strikt eingehalten werden. "Hilfe ist sehr nötig in der Ostukraine. Wir brauchen für diese Hilfslieferungen Sicherheiten sobald wie möglich."

Erst am Freitag hatten sich die Vertreter der Regierungen in Kiew und Moskau sowie die prorussischen Separatisten auf die Feuerpause geeinigt. Die Umsetzung der Vereinbarung begann am Samstag und dies durchaus vielversprechend: Die Separatisten ließen in der Nähe der Separatistenhochburg Luhansk ukrainische Soldaten frei, wie auch Präsidentensprecher Swjatoslaw Zegolko in Kiew bestätigte.

Werden weitere Gefangene ausgetauscht?

Die Regierung in Kiew hatte angekündigt, sie werde ihrerseits vermutlich am Montag die ersten Gefangenen freilassen. Ob das nach dem Bruch der Waffenruhe tatsächlich geschehen wird, ist fraglich. Geschätzt wird, dass die Separatisten etwa 1000 Soldaten in ihrer Hand haben und die Regierungstruppen etwa 200 moskautreue Kämpfer.

Die Präsidenten der Ukraine und Russlands, Petro Poroschenko und Wladimir Putin, hatten sich zunächst optimistisch gezeigt, dass die Waffenruhe halten werde. In einem Telefonat am Samstag hätten beide Seiten "ihre Zufriedenheit darüber ausgedrückt, dass die Waffenruhe im Allgemeinen eingehalten werde", teilte der Kreml mit.

haz/gmf (dpa, afp, rtr)