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Asien

Waffenruhe im Kampf um Tempel

Nach fast einer Woche blutiger Grenzgefechte haben sich Thailand und Kambodscha auf eine Waffenruhe geeinigt. Von einer Lösung des Konflikts um Tempelanlagen sind die Nachbarstaaten aber noch weit entfernt.

Thailändische Flüchtlinge schlafen in einer Notunterkunft (Foto: dapd)

Thailändische Flüchtlinge in einer Notunterkunft

Nachdem alle politischen Bemühungen gescheitert sind, waren es die Militärs, die die Kämpfe um die Tempelanlagen im Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand beendeten: Ein kambodschanischer und ein thailändischer General kamen am Donnerstag (28.04.2011) an der Frontlinie zusammen und handelten einen Waffenstillstand aus. Die Regierungen in Bangkok und Phnom Penh stellten sich hinter die Initiative der Militärs. "Ein gutes Zeichen für beide Länder", kommentierte Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva. Der Sprecher der kambodschanischen Regierung, Phay Siphan, erklärte, die Waffenruhe werde begrüßt.

Feuerpause scheint fragil

Ein verletzter thailändischer Soldat in einem Militärhubschrauber (Foto: dapd)

Ein verletzter thailändischer Soldat in einem Militärhubschrauber

Gleichzeitig gaben sich beide Seiten zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten des Waffenstillstands angeht. Abhisit erklärte, Thailand werde beobachten, wie die Lage sich entwickle. Ein Armeesprecher betonte: "Wenn wir wieder angegriffen werden, schlagen wir zurück." In Kambodscha hieß es, die 30.000 Flüchtlinge dürften erst in die Dörfer zurück, wenn klar sei, dass die Waffenruhe auch eingehalten werde. Auch auf thailändischer Seite sind 30.000 Bewohner des Grenzgebiets vor den Kämpfen geflohen und in Notunterkünften untergekommen.

Bei den am Freitag vergangener Woche ausgebrochenen Kämpfen sind mindestens 15 Menschen getötet worden - sechs thailändische und acht kambodschanische Soldaten sowie ein thailändischer Zivilist. Die fast 800 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern ist in weiten Teilen umstritten. Im 20. Jahrhundert war die Grenze mit 73 Grenzpfählen markiert worden, von denen die Hälfte verschwunden ist. Wegen des unklaren Grenzverlaufs kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Schießereien.

Umstrittener Tempel im Dschungel

Hauptstreitpunkt ist die aus dem 11. Jahrhundert stammende Hindu-Tempelanlage Preah Vihear, die seit 2008 zum Weltkulturerbe gehört. Erst im Februar waren dort bei Kämpfen mindestens acht Menschen getötet worden. Als Kambodscha 1954 unabhängig wurde, besetzten thailändische Truppen das Tempelgelände. 1962 erklärte der Internationale Gerichtshof in Den Haag die Anlage zum Eigentum Kambodschas. Thailand erkennt diese Entscheidung bis heute nicht an.

Die umstrittene Tempelanlage Preah Vihear (Foto: dpa)

Die umstrittene Tempelanlage Preah Vihear

Der Haupteingang des Tempels ist nur von thailändischer Seite zu erreichen. Dank ihrer Abgeschiedenheit im Dschungel ist die für ihre Architektur und die kunstvollen Steinornamente berühmte Anlage sehr gut erhalten und könnte als Touristenattraktion viel Geld einbringen. Die jetzt beendeten Kämpfe hatten allerdings an den weniger bekannten Tempeln Ta Moan und Ta Krabei - auf thailändisch: Ta Muen and Ta Kwai - begonnen, rund 150 Kilometer westlich von Preah Vihear.

Hoffnung auf Vermittlung

Beobachter unterstellen beiden Seiten, den Grenzstreit zur Schürung nationalistischer Gefühle und zur Durchsetzung innenpolitischer Ziele zu instrumentalisieren. Vage Hoffnungen auf eine Entschärfung des Konflikts richten sich auf den Gipfel der Südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN, der Thailand und Kambodscha angehören, Anfang Mai in Jakarta. Gastgeber Indonesien plant einen Vermittlungsversuch.

Autor: Michael Wehling (dpa/afp/rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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