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Aktuell Deutschland

Waffenfirma wegen illegaler Geschäfte in Verdacht

Nach Berichten über angeblich illegale Waffengeschäfte hat die Staatsanwaltschaft die Firma Sig Sauer durchsucht. Das Unternehmen soll ohne Genehmigung Pistolen an Kolumbien geliefert haben.

Nach gemeinsamen Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" und der Rundfunkanstalten WDR und NDR soll Sig Sauer im schleswig-holsteinischen Eckernförde die deutschen Behörden getäuscht haben, um illegal tausende Pistolen in das Bürgerkriegsland Kolumbien zu liefern. Dies belegten interne Dokumente und Aussagen mehrerer Insider, schreibt die "Süddeutsche Zeitung. Die oberste Führungsriege von Sig Sauer habe von diesen Machenschaften offenbar gewusst, so das Blatt aus München weiter. Sig Sauer gehört zu den bekanntesten deutschen Herstellern von Kleinwaffen.

Nach den Recherchen der drei Medienhäuser wurden die Pistolenlieferungen nach Kolumbien über eine Schwesterfirma in den USA abgewickelt obwohl keine Genehmigung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vorlag. In den Exportdokumenten heiße es, die Schusswaffen seien für den zivilen Markt in den Vereinigten Staaten bestimmt.

Interne Warnungen

Viele Belege offenbarten aber, dass Sig Sauer wusste, dass die Pistolen, an Kolumbiens Polizei weitergeleitet wurden, schreibt die "SZ". So habe ein Konzernanwalt intern gewarnt, dass das Vorgehen des Unternehmens "strengstens verboten" sei. In dem südamerikanischen Land dauert ein blutiger Konflikt zwischen linken Guerillagruppen, Armee und rechtsextremen Paramiltärs seit rund 50 Jahren an. Erst in jüngster Zeit gibt es Friedensgespräche. Kolumbianische Polizeikräfte werden für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

Die Staatsanwalt in Kiel begründete ihre Durchsuchungsaktion explizit mit dem Artikel in der "Süddeutschen Zeitung". Er habe die Behörde dazu veranlasst, "die Ermittlungen auf mögliche weitere Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz auszuweiten", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. "Strafprozessuale Maßnahmen sind veranlasst."

Ermittlungen seit Mai

Erste Berichte über möglicherweise illegale Geschäfte von Sig Sauer hatte es bereits im Mai gegeben. Die Staatanwalt und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nahmen Ermittlungen auf. Nach Darstellung der "SZ" konnten die Ermittler bisher nicht nachweisen, dass Sig Sauer wusste, wohin die in die USA exportierten Waffen wirklich gingen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sig Sauer schon wegen einer Pistolen-Lieferung an die Präsidentengarde in Kasachstan. Auch sie soll 2010 über die USA abgewickelt worden sein, obwohl keine Genehmigung vorlag. Auch gegen Sig-Sauer-Konkurrenten Heckler&Koch und Carl Walther wird laut "SZ" wegen des Verdachts illegaler Geschäfte ermittelt.

wl/gmf (SZ, dpa, afp)

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