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Amerika

Waffenbesitz in USA: "Konservative müssen aufbegehren"

Die Gewalttat von Las Vegas wird wohl erneut eine Debatte um legalen Waffenbesitz in den USA in Gang setzen. Dass sich allerdings viel ändert, bezweifelt der Harvard-Wissenschaftler David Hemenway im DW-Interview.

DW: Wie haben Sie auf die Schießerei in Las Vegas reagiert?

David Hemenway: Schon wieder ist eine solche Horrortat passiert. Zwar ist jedes dieser Massaker als Einzelfall zu betrachten, doch eines haben alle Vorfälle gemeinsam: Der Täter ist immer männlich, und jedes Mal erschießt er sich im Anschluss selbst. Interessant ist auch zu sehen, wie leicht es einem Menschen offenbar fällt, jemand anderen zu ermorden, wenn dies aus der Distanz passiert. Und es zeigt, wie wichtig der Lärmpegel ist, den eine Schusswaffe verursacht. Ohne den erzeugten Lärm hätten die Leute gar nicht gemerkt, dass etwas Furchtbares passiert, und der Attentäter hätte noch viel mehr Menschen ermorden können.

Normalerweise beginnt in den USA nach solchen Vorfällen immer eine Debatte über den Waffenbesitz. Wird das auch diesmal passieren?

Ja, die Diskussion wird kommen. Die USA haben aber auch in der Vergangenheit auf Bundesebene nichts dafür getan, den Waffenbesitz einzuschränken - im Gegenteil, es ist eher einfacher geworden an eine Waffe zu kommen. Und derzeit steht auch noch praktisch die komplette Regierung auf irgendeine Weise mit der Waffenlobby in Verbindung, da wird sich also auch in näherer Zukunft nichts ändern.

In seinem Statement nach dem Massaker verzichtete Präsident Trump auf politische Äußerungen. Im Wahlkampf hatte er ja noch angekündigt, die Waffengesetze lockern zu wollen. Welche Rolle, glauben Sie, wird ihm in der Waffen-Debatte zukommen?

Ich weiß es nicht. Er ist ja etwas schwer einzuschätzen in seinen politischen Entscheidungen. Klar ist, dass die Waffenlobby einen großen Einfluss auf sein Team hat, also wird er die Gesetze kaum verschärfen.

Vielen Menschen außerhalb der USA fehlt das Verständnis dafür, dass nach solchen Massenschießereien praktisch nichts gemacht wird, um dies in Zukunft zu verhindern. Was muss geschehen?

Ich glaube, dass es hierfür einiger tapferer Konservativer bedarf, die aufbegehren. So, wie das in Australien passiert ist. Nach dem Port-Arthur-Massaker 1996 machte der konservative Premierminister den ersten Schritt und sagte ganz klar, dass jetzt etwas geschehen müsse. In den USA muss etwas Ähnliches geschehen. So wie damals, als Richard Nixon auf China zuging. Ohne diesen Schritt hätte sich nichts in den Beziehungen verändert. Wir brauchen mutige Konservative. Aber diesbezüglich ist bislang nichts passiert und ich sehe auch nicht, dass etwas passieren wird.

Wenn schon auf Bundesebene niemand handeln wird - könnte auf Staatenebene etwas gemacht werden?

Nach dem Sandy-Hook-Massaker 2012 wurden in Staaten mit restriktivem Waffengesetz die Gesetze noch restriktiver, und in Staaten mit lockerem Waffengesetz die Gesetze noch lockerer. Übrigens: Die Staaten mit lockeren Waffengesetzen haben deutlich mehr Gewalttaten zu verzeichnen - mit deutlich mehr Toten.

Viele Umfragen der letzten Jahre machen deutlich, dass sich eine Mehrheit der Amerikaner eine Verschärfung der Gesetze wünschen würde. Warum werden sie nicht erhört?

Ja, das ist seit 20 Jahren so. Aber: Organisationen wie die National Rifle Organisation, NRA  [größte Interessensgruppe von Waffenlobbyisten in den USA, d. Red.], haben große Macht. Die Führungskräfte der NRA repräsentieren aber nicht unbedingt die politischen Ansichten ihrer Mitglieder, in der Regel sind sie deutlich radikaler.

David Hemenway ist Direktor des Harvard Injury Control Research Center und Professor für Gesundheitspolitik an der Harvard Universität. Er hat zahlreiche Bücher zu Handfeuerwaffen und Waffengewalt publiziert und ist Begründer des Nationalen Erfassungssystems für Todesursachen mit Gewalteinwirkung (National Violent Death System).   

Das Gespräch führte Michael Knigge.

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