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Politik

Waffen für Washington

Washington D.C. ist nicht nur die politische Hauptstadt der USA. Die Kriminalitätsstatistik hat der Stadt am Potomac auch den Ruf der Mörderkapitale Amerikas eingetragen. Doch die Lösung naht: Waffen für alle.

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Die US-Hauptstadt Washington und der dazugehörige "District of Columbia“ sind im US-Kongress nicht mit Abgeordneten vertreten. Aus historischen Gründen , die Gründungsväter Amerikas glaubten auf diese Weise die Volksvetreter vom Druck der Straße schützen zu können. Gute 200 Jahre später hindert das die Abgeordneten jedoch nicht daran, die Washingtonians mit politischen Entscheidungen zu beglücken, die gravierende Konsequenzen für das Leben der Hauptstädter haben.

Nächtliche Gewaltorgien

So geschehen in der zurückliegenden Woche, als das US-Repräsentantenhaus das seit 30 Jahren bestehende Verbot von Schusswaffen für Washington kurzerhand wieder aufhob. Die Begründung der hauptsächlich von Republikanern unterstützten Gesetzesinitiative war simpel, wenn auch nicht unbedingt logisch. Weil die Mordrate sich in Washington mit rasanter Geschwindigkeit nach oben entwickle, müssten sich die Bürger besser schützen können. Dazu aber brauche man Waffen.

In der Tat kommen in Washington weitaus mehr Menschen durch Schusswaffen ums Leben als im Landesdurchschnitt. Die Opfer der Gewalt, die sich vor allem zwischen Rauschgiftbanden in den schwarzen Wohnvierteln der Stadt abspielt, sind nicht selten Kinder und Jugendliche. Allein in diesem Jahr verloren in den Slums von Washington D.C. schon 16 Kinder so ihr Leben. Die meisten von ihnen wurden von umherirrenden Kugeln getroffen, die schwerbewaffnete Kriminelle aus semi-automatischen Waffen bei nächtlichen Gewaltorgien abgaben.

Politiker und die Waffenlobby

Die Polizei ist weitgehend machtlos. Doch in einem sind sich die Stadtväter Washingtons und die Polizei einig - mehr Waffen in Washington würden das Problem nur verschärfen. Doch die "Washingtonians“ wurden nicht gehört - weil sich in einem Wahljahr republikanische Rechtsausleger aus allen möglichen Gegenden der USA profilierten wollten und der Waffenlobby imponieren möchten (damit reichlich Spendengelder für den Wahlkampf der Kongressabgeordneten fließen), musste das Gesetz jetzt eben sein - mit oder ohne Zustimmung der Betroffenen.

Erst vor kurzem waren im US-Kongress Bemühungen gescheitert, dass im Brady-Gesetz verankerte Verbot von halbautomatischen Schnellfeuerwaffen landesweit zu verlängern. Selbst der demokratische Herausforderer von Präsident Bush, John Kerry, lässt sich gerne als Jäger mit Waffe abbilden. Das Recht auf Waffenbesitz gilt vielen Amerikanern als unveräußerliches Grundrecht. Vorausgesetzt der Senat stimmt zu, dürfen nun auch die unterprivilegierten Hauptstadtbürger wieder zur Waffe greifen. Zum Jagen müssten sie allerdings schon ins benachbarte Virginia fahren, wilde Tiere gibt es in der Hauptstadt nicht. Wildgewordene Politiker in Wahlkampfzeiten dafür umso mehr.