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Politik

Waffen für Entwicklung: Entwaffnungsprogramm in Sierra Leone

Seit fünf Jahren ist der Krieg zwischen Rebellen, Regierung und Banden in Sierra Leone zu Ende. Während des Krieges wurde das Land mit Kleinwaffen überschwemmt. Ein UN-Projekt sammelt diese Waffen jetzt wieder ein.

Rebellen der RUF in Freetown, Quelle: AP

Rebellen der RUF mit Waffen

Der alte Mann hat sichtlich Schwierigkeiten, die schwere Containertür aufzustemmen. Groß wie ein LKW-Hänger ist der Metallkasten und schwer gesichert. Sein Inhalt ist brisant: Gewehre. Vom Sturmgewehr AK 47 bis zum hundert Jahre alten Jagdgewehr, das mehr einem Holzspielzeug ähnelt und dem man kaum noch einen Schuss zutraut. Mehrere hundert sind es, die hier liegen, abgegeben von Menschen aus den umliegenden Dörfern.

Das Programm nennt sich "Arms for Development" und William Banya ist der Chef vor Ort in Tokolilli. "Das Hauptziel des Projektes ist es, die Regierung bei der Kontrolle der privaten Schusswaffen zu unterstützen", sagt Banya. Außerdem sollen die dörflichen Gemeinschaften mit dem Thema Waffen und damit, wie sie Entwicklung verhindern, langfristig vertraut gemacht werden.

Bereits das zweite Programm zur Entwaffnung

Was Waffen anrichten können, wissen die Menschen in Sierra Leone zu Genüge. Bis zu 70.000 Rebellen und Milizionäre kämpften von 1992 bis 2002 gegen die Regierung. Die Rebellen der RUF galten als besonders grausam. Sie hackten Zivilisten Arme und Beine ab, vergewaltigten Frauen und Mädchen, erschossen Eltern vor den Augen ihrer Kinder. In der ersten Zeit nach dem Krieg gab es ein Programm zur Entwaffnung, bei dem ehemaligen Kämpfern Geld für ihre Waffen angeboten wurde - etwa 100 Dollar pro Maschinengewehr. Gut 9000 Waffen konnten so eingesammelt werden. Jetzt läuft das zweite Programm unter dem Namen "Arms for Development" - zu Deutsch: "Waffen für Entwicklung".

"Dieses Programm geht anders vor als das erste", sagt William Banya. "Wir gehen in die Dörfer. Die Leute sollen für ihre eigene Sicherheit verantwortlich sein." Das Projekt bildet die Menschen gezielt aus: "Sie sollen erkennen, dass eine waffenfreie Gemeinschaft die sicherste ist."

Waffen gegen Projekfinanzierung

Konkret bedeutet das: Dorfchefs gehen gemeinsam mit der Polizei durch die Siedlungen, sammeln Waffen ein, und geben sie ab. Erklärt die Polizei das Dorf für weitestgehend waffenfrei, dann bekommt die gesamte Gemeinde eine Belohnung und nicht nur der individuelle Waffenbesitzer.

Asimion Tshokomako Nellsin ist für die Kontrolle zuständig. "Wir geben den Gemeinden ein Paket: 40 Millionen Leones für eine Ladung von 100 Gewehren", erklärt Nellsin. Das Geld bekämen sie allerdings nur indirekt: Sie können Projekte im Gegenwert beantragen. "Waffen für Entwicklung" finanziert dieses dann, zahlt aber nicht das ganze Geld auf einmal aus.

Tokolilli wünscht sich einen Fußballplatz

Kinder spielen Fußball am Strand, Quelle: AP

Noch spielen diese Kinder am Strand Fußball - bald bekommen sie einen richtigen Fußballplatz

Von den 40 Millionen Leones, etwa 12.000 Euro, hat sich die Gemeinde von Tokolilli einen Fußballplatz gewünscht. Der ist gerade im Bau, Ende des Jahres sollen hier ehemals verfeindete Jugendgruppen gegeneinander spielen. Das Projekt ist ein gewagtes Unternehmen: Die Begeisterung für Fußball ist zwar bei allen gleich groß, aber unter den Spielern werden auch ehemalige Rebellenchefs sein. Tokolilli liegt mitten im ehemaligen RUF-Gebiet. Es sei jedoch besser, die ehemaligen Feinde zu integrieren als sie auszuschließen und damit wieder zu radikalisieren - auch wenn das manchmal kaum auszuhalten ist, meint William Banya, der Projektchef.

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