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Politik

Wade, der bezweifelte Sieger

Bei der Präsidentschaftswahl im Senegal ist laut vorläufigem Endergebnis Staatschef Abdoulaye Wade im Amt bestätigt worden. Die Opposition zweifelt das Ergebnis an.

Abdoulaye Wade lässt sich feiern

Abdoulaye Wade lässt sich feiern

Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur APS kam der 80-jährige Wade nach Auszählung der Stimmen in allen 35 Wahlbezirken auf 55,7 Prozent und erreichte damit bereits im ersten Durchgang die absolute Mehrheit.

Opposition zweifelt an

Die oppositionellen Sozialisten kündigten an, dass Ergebnis anzufechten. "Wir werden diese Ergebnisse nicht anerkennen", sagte eine Sprecherin des ehemaligen sozialistischen Parteichefs Ousmane Tanor Dieng. Es habe in großem Ausmaß doppelte Stimmabgaben gegeben, sagte Dieng. Im Gegensatz zur sozialistischen Opposition im Inland bezeichnete die Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (ECOWAS) das Votum am Sonntag als frei und transparent. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 75 Prozent.

Wade nahm nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses eine geringfügige Kabinettsumstellung vor. Zuvor waren ein Minister ohne Geschäftsbereich, der bei der Wahl gegen ihn kandidiert hatte, sowie drei Minister seiner Partei zurückgetreten.

Der Amtsinhaber hatte bereits vor dem Ende der Stimmauszählung den Sieg für sich beansprucht. Er hatte im Jahr 2000 nach 26 Jahren in der Opposition den langjährigen sozialistischen Staatchef Abdou Diouf abgelöst. Mit der Wahl am Sonntag bestätigte ihn die Mehrheit der Wähler für fünf Jahre im Amt.

Wades Bilanz

Wade warb im Wahlkampf damit, die frühere französische Kolonie zu einer der stabilsten Demokratien des Kontinents gemacht zu haben. Vor sieben Jahren hatte der heute über 80 Jahre alte Staatschef der vier Jahrzehnte dauernden Herrschaft der Sozialisten ein Ende gemacht und vor allem bei den jungen Menschen in den Städten viel Zuspruch bekommen. Er versprach ihnen damals mehr Arbeitsplätze. Wade wird vorgeworfen, Geld für Prestigebauprojekte ausgegeben und zu wenig gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit getan zu haben. Mehr als 40 Prozent der zwölf Millionen Einwohner des Senegals sind jünger als 14 Jahre.

Eine der größten politischen Herausforderungen in Senegal sind weiterhin die wagemutigen Auswanderer, die versuchen, auf schlichten Holzbooten die Kanarischen Inseln und damit Europa zu erreichen. Oft sind es junge Leute, die von ihrer Familie oder dem ganzen Dorf geschickt werden, in der Hoffnung, dass sie eines Tages Geld nach Hause schicken werden. Sie zahlen hohe Summen an Schlepper, die sie auf die riskante Reise schicken. Im vergangenen Jahr kam eine Rekordzahl von mehr als 30.000 afrikanischen Migranten auf den Kanaren an. Mehrere hundert Menschen haben die Reise nach Schätzungen von Hilfsorganisationen nicht überlebt.

Die frühere französische Kolonie Senegal gilt wegen ihres Mehrparteiensystems als afrikanische Vorzeige-Demokratie. Das westafrikanische Land ist das einzige der Region, in dem es noch nie einen Militärputsch gab. (sams)

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