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Doping

WADA-Sonderermittler McLaren legt nach

Der russische Fußball gerät aufgrund konkreter Anschuldigungen von Sonderermittler Richard McLaren weiter unter Druck. Der Kanadier vermutet positive Dopingbefunde und systematische Vertuschung.

Fußball-WM-Gastgeber Russland sieht sich neuen Dopingverdächtigungen ausgesetzt: WADA-Sonderermittler Richard McLaren vermutet positive Dopingbefunde bei russischen Fußballern oder Manipulation der Proben. Dies sagte der Kanadier der ARD: "Unsere Schlussfolgerung: Es ist ein Vertuschungssystem entdeckt worden, es muss aber ein zweites im Fußball gegeben haben." Der Weltverband FIFA solle einen Sonderermittler einsetzen, für McLaren reichen die Indizien aus.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte berichtet, dass die FIFA gegen den gesamten WM-Kader Russlands von 2014 ermittelt. Demnach soll in Erfahrung gebracht werden, ob auch das Fußball-Team von dem institutionellen Dopingsystem in Russland betroffen war. Die FIFA bestätigte, dass sie in enger Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die im McLaren-Bericht genannten Vorwürfe gegen Fußballspieler untersuche, nannte aber keine Namen. Von russischer Seite gab es dazu heftige Dementis.

155 Proben nicht analysiert

WADA-Sonderermittler Richard McLaren im Porträt (Foto: picture-alliance/Keystone/dpa/V. Flauraud)

WADA-Sonderermittler McLaren ruft zum Handeln auf

McLaren sieht jedoch Handlungsbedarf: "Es gibt noch 155 Proben, die nicht analysiert wurden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat sie beschlagnahmt. Das haben wir der FIFA gemeldet", äußerte der von der WADA eingesetzte Kanadier. McLaren geht davon aus, dass diese Urinproben entweder manipuliert worden seien, um positive Tests zu verhindern, oder Dopingsubstanzen darin zu finden seien. Der Sonderermittler kommt zu dem Schluss, dass es für den russischen Fußball ein separates System der Vertuschung auffälliger Dopingtests gegeben habe: "Es gab offenbar eine Bank mit sauberem Urin - und diese Bank wurde offenbar für Fußballer genutzt."

Hinweise darauf würden sich beispielsweise im Mailverkehr russischer Funktionäre finden. "Deutlich über dem Grenzwert", soll ein anonymer Verfasser in einer Mail vom Juni 2015 geschrieben haben. "Dexamethason", ein verbotenes Stimulans, sei im Urin des männlichen Fußballers aus der ersten russischen Liga gefunden worden. Es gehe um Probe '3878295'. McLaren stellt klar: "Nach unseren Informationen wurde versucht, diese Probe auszutauschen." Auf ARD-Anfrage reagierten weder der Weltverband FIFA noch die Europäische Fußball-Union (UEFA) oder der russische Verband und das russische Sportministerium.

Elf weitere Fußballer gelistet?

Miguel Layun (l.), Nestor Araujo aus Mexiko (r.) und Juri Schirkow (2.v.l.) aus Russland kämpfen um den Ball (Foto: picture-alliance/dpa/M. Becker)

Confed Cup 2017: Juri Schirkow kann sich gegen die Mexikaner Miguel Layun (l.) und Nestor Araujo (r.) nicht durchsetzen

McLaren hatte in seinen beiden Berichten institutionell gestütztes Doping in Russland bewiesen. Insgesamt seien in der Zeit von 2011 bis 2015 über 1000 Sportler an dem Programm beteiligt gewesen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nach dem ersten McLaren-Bericht zwei Kommissionen eingesetzt, die derzeit die Untersuchungen auswerten. Neben den 23 Spielern Russlands sollen elf weitere Fußballer auf einer Liste von insgesamt 1000 Personen stehen, die mit Doping in Verbindung gebracht werden. Bislang waren Russlands Fußballer von konkreten Doping-Vorwürfen verschont geblieben.

In Maxim Kanunnikow, Denis Gluschakow, Igor Akinfejew, Alexander Samedow, Dimitri Kombarow und Juri Schirkow standen sechs Spieler aus dem WM-Team von Brasilien auch im Kader für den Confed Cup in Russland, wo der Gastgeber am Samstag nach einer 1:2-Niederlage gegen Mexiko im letzten Vorrundenspiel als Gruppendritter ausgeschieden war.

ck/asz (sid)

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