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Politik

Wackelige Freundschaften

Nach Saudi-Arabien entpuppt sich mit dem Jemen ein weiterer arabischer Alliierter der USA als extrem unzuverlässig. DW-TV-Korrespondent Udo Bauer über die arabischen „Freunde“ der Amerikaner.

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Es gibt Tage, da kann man schon vorhersagen, wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, auf gewisse Themen reagieren wird. Am Mittwoch war so ein Tag. "Der Jemen ist ein wichtiger Partner der USA im Kampf gegen den Terrorismus", und "der Jemen hat nicht gegen internationale Gesetze und Verträge verstossen". Das waren Fleischers Kommentare zu einem Vorfall, der in Wirklichkeit an den Grundfesten der internationalen Anti-Terror-Koalition rüttelt, die die USA eigentlich auch gerne auf eine Koalition gegen Irak übertragen möchte. Die Regierung in Sanaa hatte in Nordkorea 15 Mittelstreckenraketen vom Typ "Scud" bestellt, die kurz vor ihrer Ankunft von der spanischen Marine vorläufig konfisziert wurden.

Das war mehr als ein Treuebruch eines Alliierten, der Washington mehrfach versprochen hatte, vom "Schurkenstaat" Nordkorea nichts zu kaufen. Der Verdacht ist kaum aus der Welt zu schaffen, dass Jemen die Raketen gar nicht für sich selber einsetzen wollte, sondern sie an ein Drittland weiterverkaufen wollte – möglicherweise an den Irak? Auf keinen Fall, versprach die Regierung in Sanaa, die Scuds brauche man zur Landesverteidigung und überhaupt, das sei die letzte Lieferung – versprochen!

Fortgesetzte Kooperation

Alliierte und Partner kritisiert man nicht in der Öffentlichkeit, das weiß Ari Fleischer, es sei denn, man wird – wie im Falle von Deutschland – selber öffentlich angegriffen. Und er hatte ja auch nichts Unwahres gesagt. Denn in der Tat hatte sich das Land an der Südspitze der arabischen Halbinsel in letzter Zeit, überraschend für Viele, als überaus kooperativ entpuppt. Die Regierung hatte den Amerikanern vor ein paar Wochen sogar erlaubt, von einem unbemannten Flugzeug aus eine "Hellfire"-Rakete abzuschießen, die sechs mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen mitsamt ihrem Auto in der jemenitischen Wüste pulverisierte. Auch die Zusammenarbeit mit den Amerikanern nach dem Terroranschlag auf das Kriegsschiff "USS Cole" im Oktober 2000 ist legendär. US-Geheimpolizisten hatten über Monate hinweg im Jemen an der Aufklärung des Selbstmord-Anschlages mitarbeiten können, dem 17 GIs zum Opfer gefallen waren.

Zweckkoalitionen auf Zeit

Damals wie heute ist es der jemenitischen Regierung viel wert, nicht von der Supermacht USA auf deren Terrorliste gesetzt zu werden, obwohl jeder Geheimdienst der Welt weiß, das der Jemen ein Land ist, in dem sich militante Islamisten besonders wohlfühlen. Letzteres lässt sich mit Fug und Recht auch von Saudi-Arabien sagen. Aber auch dort drücken die Amerikaner gegenüber der offiziell wohlwollenden Regierung ein Auge zu. Die sogenannten "Freundschaften" oder "Partnerschaften" der Amerikaner in der arabischen Welt sind in Wahrheit meistens Zweckkoalitionen auf Zeit. In Wahrheit traut kein moslemisches Land der Supermacht des Westens. Nichts als Angst zwingt sie in die Umarmung Washingtons. Die Angst davor, als ein weiteres Rad an die "Achse des Boesen" geschraubt zu werden, wenn man nicht kooperiert – oder zumindest so tut.