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Asien

Wachstumsrate in China: "Kein besonderer Anlass für Zweifel"

Chinas Wirtschaft ist 2016 nach offiziellen Angaben um 6,7 Prozent gewachsen. China-Experte Doris Fischer sagt der DW, dass China für mehr Wachstum optimistisch sein muss.

Deutsche Welle: 2016 wuchs Chinas Wirtschaft "nur" um 6,7 Prozent. Statistisch gesehen ist es die niedrigste Wachstumsrate seit 26 Jahren. Ist das der oft beschworene Anfang vom Ende des "chinesischen Wirtschaftswunders"? Oder macht China nur eine Verschnaufpause?

Doris Fischer (DIE)

Doris Fischer, Professorin an der Universität Würzburg

Doris Fischer: Ich würde das Wirtschaftswunder nicht allein an der Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts messen - aus unterschiedlichen Gründen. Die Wachstumsrate, die am Freitag veröffentlicht worden ist, ist im Prinzip eine mit Ansage gewesen. Sie gilt schon seit Anfang des letzten Jahres. Keiner hat ernsthaft eine andere erwartet. Die Angabe liegt voll in den Prognosen der chinesischen Regierung und etwas höher als die der internationalen Organisationen.

Die Rate bestätigt den Trend, dass das Wachstum in China langsamer geworden ist. Das ist auch logisch, denn wir können nicht erwarten, dass die Wachstumsrate bei einer immer größer gewordenen Gesamtwirtschaft weiterhin zweistellig bleibt. 

Es gibt natürlich ein großes Fragezeichen, inwiefern diese Zahl auch politische gewollt ist und ob sie die wirtschaftliche Realität adäquat widerspiegelt. Ich habe im Moment keinen Anlass, die Zahlen  grundsätzlich anzuzweifeln. Wir hatten in den vergangenen zwei bis drei Jahren stabiles Wachstum - auch wenn es etwas weniger stark war.

Aber das Wachstum beziehungsweise die Zahlen spiegeln nicht die Schwankungen in der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Situation in China wider. Die Stimmung ist jetzt in China besser als vor zwei, drei Jahren. Damals war sie noch sehr negativ. Es ist sehr wichtig, dass Optimismus entsteht und es mit der Wirtschaft in China weiter vorwärts geht.

In China ist diese Woche bekannt geworden, dass die nordöstliche Provinz Liaoning die Zahlen der Fiskaleinnahmen gefälscht hatte. Mindestens 20 Prozent mehr Steuereinnahmen wurden deklariert, was aber nicht stimmte. Was sagt das über die Zuverlässigkeit chinesischer Zahlen insgesamt?

Es ist grundsätzlich ein interessantes Signal, dass dieser Skandal öffentlich gemacht wird. Das sehen wir relativ selten. Wir haben immer einen gewissen Zweifel an den offiziellen Daten, können aber keinen eigenen kompletten Datensatz erstellen. Gleichzeitig haben wir viele Einblicke und Berichte von Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten und die in China sind. Man erhält so ein alternatives Bild. Aber die chinesische Wirtschaft liegt nicht am Boden. Das muss klar gesagt werden.

China strebt einen "Strukturwandel" an. Weg vom alten Wachstumsmodell, hin zur Hightech-Nation? Wird es China gelingen?

Bildkombo Donald Trump Xi Jinping

Handelskrieg zwischen China und USA? "Wir wissen es nicht"

Die Frage ist nicht, ob es China gelingt, sondern wann. Der Strukturwandel ist notwendig, weil es nach der gegenwärtigen Situationen nicht zu erwarten ist, dass China auf Dauer nur auf Basis eines arbeitsintensiven und exportorientierten Wachstumsmodells in der Liga der reicheren Nationen mitspielen kann.

Jetzt tut sich vieles im Bereich der Innovationen und Technologien. Aber die große Herausforderung ist, ob die neuen Kräfte und Sektoren ausreichend schnell eine gesunde Basis schaffen, um das Auslaufen der alten Sektoren auszubalancieren. 

Am Freitag wird Donald Trump offiziell ins Weiße Haus eingeführt. Im Wahlkampf hatte er mit umstrittenen Aussagen Stimmung gegen China gemacht. Ist ein Handelskrieg zwischen China und den USA möglich?

Wir wissen es nicht. Wenn Trump zum Beispiel die Zölle massiv erhöht und die amerikanische Seite andeutet, dass die USA einen Handelskrieg riskieren könnten, würde China scharf reagieren. Ein bisschen Säbelrasseln gehört zum Wahlkampf. Ob es wirklich dazu kommt, daran habe ich meine Zweifel.

Ich hoffe, dass es schnell zu einem direkten Austausch zwischen den USA unter dem neuen Präsidenten Trump und China kommt. Dann mag sich vielleicht vieles anders darstellen.

Dr. Doris Fischer ist Professorin für China Business and Ecomonics an der Universität Würzburg. Sie ist Vorstandsmitglied der German Association for Asian Studies und Mitglied des Herausgeberbeirats des Journal of Current Chinese Affairs.

Das Gespräch führt Dai Ying.

 

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