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Wirtschaft

Wachstumsmotor China lässt nach

Seit fünf Jahren hat Chinas Wirtschaft nicht mehr so langsam zugelegt wie im dritten Quartal 2014. Das Turbowachstum der vergangenen Jahre rückt in weite Ferne. Kein Grund zur Sorge für Regierungschef Li.

Zwischen Juli und September 2014 legte die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Analysten hatten ein noch langsameres Wachstum erwartet. Der Zuwachs der zweitgrößten Volkswirtschaft liegt unter dem von der Staatsführung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr.

Das langsamere Wachstum in China ist zu einem gewissen Grad bewusst gewollt. Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen. Dafür will sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen. Mit 7,5 Prozent liegt das Regierungsziel weit unter dem zweistelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte. Sollte es in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

Regierungschef Li gibt sich gelassen

Chinas Staatsführung misst ihre Wirtschaftspolitik zu einem großen Teil an der Zahl der geschaffenen neuen Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Regierungschef Li Keqiang hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin vergangenen Monat betont, dass in China in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. "Ein entscheidendes Ziel für stabiles Wachstum ist die Sicherung des Arbeitsmarktes", sagte Li.

Der Internationale Währungsfonds prognostizierte für China in diesem Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll China Wirtschaft nur noch mit 7,1 Prozent zulegen. Langfristig könnte sich Chinas Wachstum auf einem noch niedrigeren Niveau einpendeln. Das Analyseunternehmen "The Conference Board" prognostizierte einen Einbruch von Chinas Konjunkturdaten in den kommenden zehn Jahren. Zwischen 2015 und 2019 werde der Zuwachs im Schnitt bei 5,5 Prozent liegen. Zwischen 2020 und 2025 werde sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verlangsamen auf durchschnittlich 3,9 Prozent, heißt es in einer Analyse des Unternehmens. Im Vergleich zum minimalen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf relativ niedrig. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

pg/gmf (dpa, rtr)