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Wirtschaft

Wachstum trotz Krise

Allen Unkenrufen zum Trotz hat die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal noch einmal kräftig zugelegt. Allerdings: Wie es weitergeht - darüber sind sich Experten uneins.

Ein Maschinenbauer zieht die Muttern am Drehgestellt eines Eisenbahndrehkrans fest (Foto: dpa)

Deutsche Maschinen sind nach wie vor gefragt

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal trotz der Schuldenkrise in Europa kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag (15.11.2011) in einer ersten Schätzung mit. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergibt sich sogar ein sattes Plus von 2,5 Prozent. Auch das zweite Vierteljahr ist besser ausgefallen als zunächst berechnet. Die Statistiker korrigierten das Wachstum von April bis Ende Juni von mageren 0,1 auf 0,3 Prozent.

Ein Bauarbeiter trägt einen Stapel Holzlatten auf eine Baustelle (Foto: dpa)

Gebaut wird etwas weniger als noch zu Beginn des Jahres

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzte sich somit nach dem wachstumsstarken Jahresbeginn mit plus 1,3 Prozent im ersten Quartal im Verlauf des Jahres 2011 weiter fort und nahm im Berichtsquartal wieder etwas mehr Fahrt auf", schreiben die Wiesbadener Statistiker. Positive Impulse kamen in erster Linie aus dem Inland: Dabei trugen insbesondere die gestiegenen privaten Konsumausgaben zum Anstieg des BIP bei. Daneben wurde auch wieder mehr in Maschinen und Anlagen investiert, während die Bauinvestitionen nach starkem Jahresbeginn wieder etwas zurückgingen.

Kein Grund für Optimismus

Abgestellte Einkaufswägen stehen in einer langen Reihe (Foto: dpa)

Noch konsumieren die Deutschen und treiben die Konjunktur an

Für allzu viel Optimismus mitten in der Schuldenkrise besteht nach Einschätzung der Experten allerdings kein Anlass: Die Aussichten für Deutschland und den Euro-Raum haben sich nach allgemeiner Einschätzung zuletzt merklich verschlechtert. Spätestens 2012 wird mit einem herben Dämpfer für die Konjunktur gerechnet. "Die Inlandsnachfrage, vor allem der private Konsum, hat das Wachstum angeschoben", sagt Analyst Jürgen Michels von der Citigroup. "Das vierte Quartal wird aber deutlich schlechter ausfallen. Wir rechnen mit einer schrumpfenden Wirtschaft."

Indes: Ob es im nächsten Jahr tatsächlich zu einer Rezession kommt, ist für viele Experten noch längst nicht ausgemacht. "Es ist klar, dass sich der Schwung in den nächsten Monaten verlangsamt, aber man sollte die deutsche Wirtschaft nicht unterschätzen", sagt zum Beispiel Andreas Rees von der Unicredit-Bank. "Ich glaube unverändert, dass es keine Rezession gibt in Deutschland."

Wie es weitergeht, hängt nach Ansicht der Experten sehr stark von der Schuldenkrise ab. "Wenn sie sich weiter ausweitet und die anderen Euro-Länder noch mehr sparen, bekommen wir das als stark exportabhängiges Land zu spüren", sagt Citigroup-Analyst Michels.

Deutschland immer noch Lokomotive

Container vor der deutschen und griechischen Flagge (Foto: DW-Grafik)

Die Schuldenkrise wird nicht nur entscheiden, wie es mit den Exporten weitergeht

Die Industrie spürt die Schuldenkrise und die weltweite Konjunkturabkühlung denn auch bereits: Sie erhielt zuletzt deutlich weniger Aufträge aus der Währungsunion, in die etwa 40 Prozent ihrer Ausfuhren gehen. Auch aus Übersee lässt die Nachfrage nach. Im Vergleich zu vielen anderen Euro-Ländern steht die deutsche Wirtschaft aber immer noch sehr gut da. Spaniens Wirtschaft stagnierte im Sommer, während die portugiesische sogar um 0,4 Prozent schrumpfte. Frankreich schaffte ein Plus von 0,4 Prozent. In Österreich verlangsamte sich das Wachstum von 0,5 Prozent im Sommer auf 0,3 Prozent im dritten Quartal. Die niederländische Wirtschaft ist im dritten Quartal überraschend geschrumpft. Zwischen Juli und September sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zum Vorquartal.

Autor: Rolf Wenkel (ots, dpa, rtr, dapd)
Redaktion: Jutta Wasserrab

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