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Wirtschaft

Wachstum mit zwei Geschwindigkeiten

Industrie- und Schwellenländer erholen sich von der Krise unterschiedlich schnell, sagt der Internationale Währungsfonds in seinem "World Economic Outlook" voraus. Die Schwellenländer boomen, die Industrieländer lahmen.

Logo des IWF (Foto: IWF)

Die Griechenland-Krise belastet zunehmend die Konjunkturentwicklung in diesem Jahr in Europa. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für Europa jetzt nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent - verglichen mit 3,0 Prozent für die USA und 6,9 Prozent für Asien. Als Gründe führt der in Washington veröffentlichte "World Economic Ountlook" des IWF neben der Krise in Griechenland auch anhaltende Probleme bei Banken und die Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten auf.

Die Zinsen für griechische Staatsanleihen erreichten am Mittwoch ein neues Rekordhoch. Der Abstand zum Zinsniveau deutscher Anleihen schnellte auf 5,18 Prozentpunkte hoch. Das hohe Zinsniveau bringt die Besorgnis der Investoren zum Ausdruck, ob das geliehene Geld auch zurückgezahlt wird. Griechenland muss aufgrund eines Schuldenbergs von 300 Milliarden Euro in diesem Jahr etwa 54 Milliarden zusätzlich aufnehmen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Schwellenländer boomen

Eine Infografik zeigt die unterschiedlichen Wachstumsraten verschiedener Länder (Bild: dpa)

Erholung ja, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, so die Prognose des IWF

Die weltweiten Konjunkturaussichten haben sich jedoch nach Einschätzung des IWF verbessert. "Die weltweite Erholung der Wirtschaft ist stärker als wir erwartet haben", sagte IWF Chefökonom Olivier Blanchard in Washington. Für das laufende Jahr sei ein weltweites Wirtschaftswachstum von 4,2 Prozent zu erwarten, heißt es in der Prognose. Noch im Januar waren die Experten lediglich von 3,9 Prozent ausgegangen. Für Deutschland schätzt der IWF die Wachstumsaussichten mit 1,2 Prozent etwas pessimistischer ein als die Bundesregierung, die von 1,4 Prozent ausgeht.

Das weltweite Plus geht vor allem auf Boomstaaten wie China mit zehn Prozent Wachstum und Indien mit fast neun Prozent zurück. Für die 16 Staaten der Eurozone erwartet der IWF hingegen lediglich einen Zuwachs von einem Prozent. Für 2011 sagt der Währungsfonds ein weltweites Wachstum von 4,3 Prozent voraus und bleibt damit bei seiner Prognose vom Januar. Deutschland kann demnach im kommenden Jahr mit einem Plus von 1,7 Prozent rechnen.

Währungen abwerten?

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard (Foto: dpa)

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard: "Manche Länder sollten abwerten"

Die konjunkturelle Erholung stehe aber nach wie vor auf wackeligen Füßen, erklärte Chefvolkswirt Blanchard. Vor allem wegen der wachsenden Staatsverschuldung seien die Aussichten ungewöhnlich unsicher, hieß es in dem Bericht. Im vergangenen Jahr hatte die Finanzkrise die Weltwirtschaft um 0,6 Prozent einbrechen lassen, so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht.

Der IWF erklärt die relativ schwache Entwicklung in den Industrieländern mit den zurückhaltenden Verbrauchern in den USA und der restriktiven Kreditvergabe durch die angeschlagenen Banken in Europa. Da die Industrieländer nun zusätzlich noch ihr Haushaltsdefizit reduzieren müssen, und damit weitere Nachfrage ausfällt, schlägt der IWF Chefvolkswirt Olivier Blanchard als Politikmaßnahme zur Stärkung der Industrieländer vor: "Alle Industrieländer zusammen müssen möglicherweise ihre Währungen abwerten, um ihre Ausfuhren zu erhöhen“. Genau anders herum lautet die Empfehlung für China. Es sollte aufwerten und seine Binnennachfrage stärken, forderte Blanchard.

Letztlich lautet sein Fazit für die Weltwirtschaft: "Starkes, dauerhaftes und ausgewogenes Wachstum zu erzielen, wird nicht einfach. Es erfordert viel Arbeit: nämlich die Konsolidierung der Haushalte in den Industrieländern, Veränderungen der Wechselkurse und eine neue weltweite Balance. Dies ist die Aufgabe für die Politik in den nächsten Jahren.“

Autor: Rolf Wenkel (dpa, ap, rtr)

Redaktion Zhang Danhong

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