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Kultur

Wachskörper-Ausstellung in Dresden

Von jeher wollten Menschen ihren Körper von innen sehen. Von Künstlern gestaltete anatomische Wachsfiguren waren deshalb auf Jahrmärkten äußerst beliebt. Das Dresdner Hygienemuseum zeigt nun erstmals historische Modelle.

Das Schwert in der Lunge, den Polypen in der Nase, die Drillinge im Bauch: Das historische Wachsfigurenkabinett des

Dresdner Hygienemuseums

lässt kein Kuriosum aus. Die rund 200 Modelle, die über 100 Jahre alt sind und ursprünglich auf verschiedenen europäischen Jahrmärkten präsentiert wurden, werden vom 11. Oktober bis 19. April 2015 in der Ausstellung "Blicke! Körper! Sensationen!" gezeigt.

Die vorwiegend in Dresden entstandene Wachssammlung war 2007 von einer Dresdner Journalistin in Finnland entdeckt worden und befindet sich nun im Bestand des Museums. Die neue Ausstellung sei die größte Präsentation eigener Sammlungsobjekte seit etwa 20 Jahren, sagte Museumsdirektor Klaus Vogel.

Mit der Schau will sich das Museum von der umstrittenen

Körperwelten-Ausstellung

Gunther von Hagens distanzieren. Die Objekte werden deshalb mit zeitkritischen Kommentaren präsentiert und mit Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen von 20 zeitgenössischen Künstlern ergänzt. Sie zeigen, dass sich der Blick auf den menschlichen Körper verändert habe, erklärte Vogel.

Anatomische Venus als Publikumsliebling

Die Ausstellung Blicke! Körper! Sensationen! im Hygiene Museum in Dresden zeigt eine weibliche Wachsfigur mit offenem Unterleib. (Copyright: Deutsches Hygienemuseum Dresden)

Wachspuppe mit Kulturstatus: Die "Frauenfigur auf dem Seziertisch"

Die historischen Wachsobjekte erlauben Blicke in sezierte Menschen mit allen Details im gesunden wie kranken Zustand. So können die Besucher etwa einen Frauenkörper mit Bauchtumor von 1900 sehen, der den Titel "Figur auf dem Seziertisch liegend, mit geöffnetem und zerlegbarem Unterleib" trägt. Eine anatomische Venus habe zu den Höhepunkten der Wachskabinette im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehört, hieß es. Jahrmarktsbesitzer hätten sie oft selbst im weißen Kittel präsentiert. Die Vorstellungen seien Aufklärung und Sensation zugleich gewesen.

Ein großer Teil der handwerklich präzise gestalteten Wachsfiguren entstand zwischen 1880 und 1920 in der Werkstatt des Dresdner Modelleurs Rudolph Pohl. Zum Teil sind auch die historischen Vitrinen erhalten. "Ein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie damals bis zu zwanzig Mal im Jahr auf- und abgebaut wurden", sagte Kuratorin Eva Meyer-Hermann.

sd/ suc (epd, Deutsches Hygiene Museum)

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